Vorsorgestudie 2020 Frühpensionierung Credit Suisse
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Vorsorgestudie: Wer kann sich in Zukunft eine Frühpensionierung leisten?

Von den heute Pensionierten liess sich die Hälfte frühpensionieren. Steht diese Möglichkeit den aktuellen Erwerbstätigen in gleichem Masse offen? Die neue Studie «Frühpensionierung. Der Weg wird steiniger.» des Research-Teams der Credit Suisse geht dieser Frage nach und zeigt auf, was eine Frühpensionierung tatsächlich kostet.

Frühpensionierung in der Zukunft: mögliche Szenarien

«Kann ich mir eine Frühpensionierung leisten?» Diese Frage stellen sich viele Erwerbstätige früher oder später im Leben. (Wer sich diese Frage möglichst früh stellt, ist durchaus im Vorteil; mehr dazu weiter unten.) Dass eine Frühpensionierung teuer ist, wird beim Rechnen schnell offensichtlich. Das Research-Team der Credit Suisse hat exemplarisch verschiedene Szenarien durchkalkuliert und präsentiert sie in der aktuellen Studie «Frühpensionierung. Der Weg wird steiniger.»

Rechenbeispiel mittleres Einkommen: Ein Lehrer lässt sich frühpensionieren.

Daniel Müller begann 1985, im Alter von 25 Jahren, als Lehrer zu arbeiten. Seither ist er in einem Vollzeitpensum beschäftigt. 2025 wird er 65 Jahre alt sein und damit das ordentliche Pensionsalter erreicht haben. Unter Annahme eines Umwandlungssatzes von 5,36 % wird Daniel Müller mit einer jährlichen Pensionskassenrente von rund CHF 24’000 rechnen können. Zusammen mit seiner AHV-Rente kommt er auf knapp CHF 50’000 pro Jahr oder rund CHF 4’150 pro Monat.

Die Beispiele gelten natürlich auch für Frauen, ausser dass diese das Pensionsalter schon mit 64 erreichen. Der besseren Übersicht halber kommen deshalb in den Beispielen nur Männer vor.

Studie Credit Suisse: Auswirkungen einer Frühpensionierung auf die Rente

Vorbezug um zwei Jahre hat eine lebenslange Einkommenseinbusse von 14 % zur Folge

Quelle: Credit Suisse

Rente mit 63 Jahren: ein Minus von 14 %

Entschliesst sich Daniel Müller, bereits mit 63 Jahren in Pension zu gehen, so reduziert sich seine Rente aus der 2. Säule um CHF 4’000 pro Jahr auf CHF 20’000.

Würde er gleichzeitig auch schon die AHV-Rente beziehen, käme er auf eine Gesamtrente von jährlich CHF 42’742, was einer Monatsrente von CHF 3’562 entspricht. Seine Rente würde somit lebenslang um 14 % weniger hoch ausfallen als bei einer regulären Pensionierung mit 65.

Verzichtet er darauf, die AHV-Rente ebenfalls vorzeitig zu beziehen, erhielte er ab 65 Jahren eine jährliche Gesamtrente von CHF 45’789. In den zwei Jahren davor müsste er jedoch die fehlende AHV-Rente durch eigenes Erspartes wie etwa die Säule 3a oder privates Vermögen ausgleichen oder sie mit einer Überbrückungsrente decken.

Wichtig: Rentenkürzungen gelten bis ans Lebensende.

Pensionierung mit 58 Jahren oder mit 70 Jahren: Die Unterschiede sind immens.

Die Grafik zeigt auch: Würde sich Daniel Müller zum frühestmöglichen Zeitpunkt mit 58 Jahren zur Ruhe setzen, müsste er eine lebenslange Renteneinbusse von 23 bis 28 % in Kauf nehmen – je nachdem, ob er die AHV-Rente schon ab 63 Jahren (frühestmöglicher Zeitpunkt bei der AHV für Männer) oder erst mit 65 Jahren bezieht. Was die Infografik ebenfalls aufzeigt: Entscheidet er sich dafür, seine Pensionierung bis ins 70. Lebensjahr aufzuschieben, resultierte dies in einer Gesamtrente von rund CHF 68’500 jährlich.

20 %

und mehr kann die lebenslange Renteneinbusse bei einer Frühpensionierung betragen.

Wer kann sich eine lebenslange Einkommenseinbusse von 20 % leisten?

Die Credit Suisse Vorsorgestudie 2020 widmete sich auch den Auswirkungen einer Frühpensionierung auf unterschiedliche Einkommensgruppen. Die Gruppe mit dem niedrigsten Einkommen wird durch einen Verkäufer repräsentiert, die Gruppe mit dem höheren Einkommen durch einen Juristen. Für mittlere Einkommen steht exemplarisch der Lehrer im vorhergehenden Beispiel.

Vorsorgestudie Credit Suisse: Auswirkungen einer Frühpensionierung auf unterschiedliche Einkommen im Vergleich

Die Auswirkungen einer Frühpensionierung auf unterschiedliche Einkommen im Vergleich

Quelle: Credit Suisse

Unterschiede nur auf den ersten Blick marginal

Auffällig ist, dass die Unterschiede in Prozenten zwischen den einzelnen Einkommensgruppen nicht allzu gross ausfallen. Ein Verkäufer, der sich bereits mit 58 Jahren zur Ruhe setzen möchte, muss mit einer Renteneinbusse von 21 % rechnen, der Jurist mit 24 %. Zwar ist dieser Unterschied auf den ersten Blick nicht sehr gross, doch haben die beiden eine sehr unterschiedliche Ausgangslage.

Frühpensionierung bei tieferem Einkommen

Der Verkäufer kann bei einer ordentlichen Pensionierung mit 65 Jahren von einer Jahresrente von CHF 38’112 ausgehen, was rund CHF 3’200 pro Monat entspricht. Bei einer Arbeitsaufgabe mit 63 Jahren läge seine Jahresrente bei CHF 35’137. Und wenn er sich bereits mit 58 Jahren zur Ruhe setzte, läge sie bei CHF 30’062, was einer monat­lichen Rente von CHF 2’500 entspricht. Eine Person in diesem Einkommenssegment wird sich gut überlegen müssen, ob eine frühzeitige Pensionierung finanziell möglich ist, denn den AHV-Anteil wird sie ja frühestens mit 63 beziehen können. Bis zu diesem Zeitpunkt wird die BVG-Rente nur rund CHF 9’000 jährlich betragen. Ohne zusätzliche private Ersparnisse wird es wohl beim Wunschtraum bleiben.

Frühpensionierung bei höherem Einkommen

Der Jurist hingegen kann bei der ordentlichen Pensionierung mit einer Jahresrente von CHF 80’804 rechnen. Liesse er sich bereits mit 58 Jahren pensionieren, so würde er 24 % weniger Rente erhalten – in CHF ausgedrückt wären das 61’181. Obwohl die Einbusse substanziell ist, beträgt seine Rente immer noch das Doppelte des Betrags, mit dem der Verkäufer rechnen dürfte. Hinzu kommt, dass der Jurist während seiner Erwerbstätigkeit eher die Möglichkeit haben wird, seine Säule 3a gut zu füllen und privat zu sparen.

Frühpensionierung heute

Zwischen Herzenswunsch und harter Realität

Vorsorgestudie Credit Suisse: Wer lässt sich frühpensionieren?

Profil einer frühpensionierten Person in der Schweiz

Quellen: Bundesamt für Statistik (SAKE), Credit Suisse

Männlich, mit Universitätsabschluss und höherem Einkommen

Gut die Hälfte der heutigen Pensionierten ging mindestens ein Jahr vor Erreichen des ordentlichen Pensionsalters in Rente. Dies geht aus den Daten der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung 2019 (SAKE 2019) hervor. Wie die Zusammenstellung der Daten zeigt, ist eine Person, die in der Schweiz vorzeitig in Rente geht, tendenziell ein Mann mit Universitätsabschluss, höherem Einkommen und Eigenheim. Zudem ist der Anteil der Frühpensionierten in der Romandie grösser als in anderen Regionen der Schweiz.

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der heute Pensionierten hatte keine Lust mehr zu arbeiten

Vorsorgestudie Credit Suisse: Das sind die Gründe für Frühpensionierungen.

Fast ein Drittel hatte keine Lust mehr zu arbeiten

Welche Gründe führen dazu, die Arbeitstätigkeit vor dem AHV-Alter aufzugeben? Beinahe ein Drittel der Befragten hat gemäss Umfrage schlicht keine Lust mehr zu arbeiten und kann sich das offensichtlich auch leisten. Ein Fünftel der Befragten nennt Umstrukturierungen oder Betriebsschliessungen als Begründung für den Wunsch nach vorzeitiger Pensionierung. Weitere 16 % wurden nach eigenen Angaben aus gesundheitlichen Gründen zur Arbeitsaufgabe gezwungen.

Quellen: Bundesamt für Statistik (SAKE), Credit Suisse

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aller Frühpensionierungen erfolgt unfreiwillig

Vorsorgestudie Credit Suisse: unfreiwillige Frühpensionierungen

Unfreiwillige Frühpensionierungen sind bei tieferem Bildungsniveau häufiger

Rund ein Viertel der Frühpensionierungen erfolgt unfreiwillig. Bei dieser Gruppe sind Personen mit niedrigem Schulabschluss (Sekundarstufe 1) mit 34 % übervertreten. Bei den Universitätsabsolventen beträgt die Rate der unfreiwilligen Frühpensionierungen nur 18 %.

Quellen: Bundesamt für Statistik (SAKE), Credit Suisse

Frühpensionierung: Träume versus Realität

50–80 % wünschen sich eine Frühpensionierung

Gemäss verschiedenen Umfragen träumt heute jeder zweite Erwerbstätige von einer frühzeitigen Pensionierung. Die Finanzplaner der Credit Suisse bestätigen das und schätzen diese Zahl entsprechend den erhaltenen Antworten aus Kundengesprächen sogar auf 80 %.

Sinkende Renten schmälern die Möglichkeiten

Werden sich künftig noch mehr Erwerbstätige vorzeitig aus dem Arbeitsleben zurückziehen? Die Generation der bereits Pensionierten profitiert heute von Jahrzehnten hoher Renditen. Zudem sind die Umwandlungssätze derzeit versicherungstechnisch zu hoch angesetzt. Im Gegensatz dazu wächst das Rentenvermögen heutiger Erwerbstätiger durch das Tiefzinsumfeld deutlich langsamer als jenes der Vorgänger. Ohne Gegenmassnahmen werden die Renten der künftigen Generationen sinken. Eine Frühpensionierung dürfte für viele Erwerbstätige daher ein unerreichbarer Traum bleiben.

Befragung der nächsten Rentnergeneration

Die künftigen Pensionierten scheinen sich indessen der veränderten Situation bewusst zu sein. Darauf deutet die Auswertung der SAKE 2019 hin. Auf die Frage nach ihrem voraussichtlichen Pensionszeitpunkt gaben 19 % der befragten über 54-jährigen Frauen und 29 % der gleichaltrigen Männer an, dieser liege unter dem ordentlichen Pensionsalter von 65 bzw. 64 Jahren. Allerdings sind in diesen Zahlen die unfreiwilligen Frühpensionierungen aufgrund gesundheitlicher oder betrieblicher Probleme nicht mitgerechnet. Die endgültige Zahl der Frühpensionierten dürfte also noch etwas höher ausfallen.

Diese Faktoren begünstigen die Realisierung einer Frühpensionierung.

Wer von einer Frühpensionierung träumt, kann aktiv dafür sorgen, dass diese Option für sie oder ihn wahr wird. Die aktuelle Vorsorgestudie zeigt auf: Je früher der Sparbeginn, desto besser die Chancen.

Private Vorsorge

Das Sparen mit der Säule 3a gewinnt wegen der Unsicherheiten im Rentensystem immer mehr an Bedeutung. Der jährliche Maximalbeitrag, der zudem vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden darf, beträgt derzeit CHF 6’826 pro Jahr für Personen, die einer Pensionskasse angeschlossen sind. Für Selbstständige ohne Pensionskasse beträgt er CHF 34’128 pro Jahr. Aus Unwissenheit, oder weil viele es sich nicht leisten können, nutzt nur ein Teil der Berechtigten diese attraktive Form der Vorsorge.

Früher Vogel fängt den Wurm

Wer früh beginnt, in die Säule 3a einzuzahlen, verschafft sich einen grossen Vorteil. So erwirtschaftet sich der «Frühstarter», der jährlich den Maximalbeitrag einzahlt, gegenüber dem «Spätzünder», der erst zehn Jahre später mit Zahlungen in die Säule 3a beginnt, ein Plus von CHF 25’000. Noch grösser wird der Unterschied, wenn der «Frühstarter» sich aufgrund seines langen Anlagehorizonts für eine etwas risikoreichere Wertschriftenlösung entscheidet und damit gute Chancen auf eine höhere Rendite hat.

Vorsorgestudie Credit Suisse: Angehende Frühpensionierte nutzen die Säule 3a überdurchschnittlich stark.

Angehende Frühpensionierte wissen die Vorteile der Säule 3a zu nutzen

67 % aller angehenden Frühpensionierten nutzen die Säule 3a regelmässig. Dies zeigt die Erhebung der SAKE 2019. Nicht nur zahlt die Mehrheit dieser Personen stets den Maximalbetrag ein, auch nutzen viele die Möglichkeit mehrerer Säule-3a-Konten, um die Gelder gestaffelt beziehen zu können.

Quellen: Bundesamt für Statistik (SAKE), Credit Suisse;
* Nur Personen, die in die Säule 3a einzahlen und einer Pensionskasse angeschlossen sind.
** Die Resultate sind aufgrund der geringen Stichprobengrösse mit Vorsicht zu interpretieren.

Freiwillige Einkäufe in die Pensionskasse

Es gibt unterschiedliche Gründe, die einen Einkauf in die 2. Säule erlauben, z. B. Kinderpausen, Reduktion des Alterskapitals aufgrund einer Scheidung oder Lohnerhöhungen im Laufe der Arbeitskarriere usw. Einzahlungen in die Pensionskasse sind zudem steuerlich attraktiv. Wie hoch der individuell mögliche Einzahlungsbetrag ist, geht aus dem Pensionskassenausweis hervor.

Die Überbrückungsrente

Gemäss SAKE 2019 bezog ein Drittel der heutigen Frühpensionierten eine Überbrückungsrente. Damit lässt sich die Zeit zwischen dem Bezug der Pensionskassenrente und dem zusätzlichen Bezug der AHV-Rente überbrücken. Denn während die BVG-Gelder bereits mit 58 bezogen werden können, ist dies bei der AHV frühestens zwei Jahre vor der ordentlichen Pensionierung möglich. Diese Überbrückung kann durch die Pensionskasse finanziert werden. Im Idealfall wird sie durch den Arbeitgeber unterstützt. Damit durch die Überbrückung die Renten nicht weiter gekürzt werden, bieten manche Pensionskassen ein Spargefäss für Frühpensionierungen an. Mittels freiwilliger Einzahlungen lassen sich damit Kürzungen vermeiden.

Kann ich mir eine Frühpensionierung leisten?

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