Vorsorgestudie 2022: Gestaltungsmöglichkeiten der Altersvorsorge
Das Schweizer Vorsorgesystem erlaubt es Erwerbstätigen, über verschiedene Ebenen Einfluss auf die individuelle Vorsorgeplanung zu nehmen. Wie stark sich Herr und Frau Schweizer dieser Möglichkeiten schon heute bedienen und welche Entwicklungen sich in den letzten Jahren abzeichnen – die Vorsorgestudie 2022 mit den Ergebnissen.
An den Stellschrauben der eigenen Altersvorsorge drehen
Das bewährte 3-Säulen-Vorsorgesystem der Schweiz stösst mittlerweile an seine Grenzen. Grund dafür sind die steigende Lebenserwartung, der demografische Wandel und das anhaltende Tiefzinsumfeld. Zum Erhalt des Leistungsniveaus und zur nachhaltigen Finanzierung sind Reformen unabdingbar.
Ungeachtet dieser Notwendigkeit gibt es jedoch für heutige Erwerbstätige bereits verschiedene Optionen, um die eigene finanzielle Situation im Alter vorausschauend zu verbessern. In der Vorsorgestudie beleuchten Fachleute der Credit Suisse, wie ausgeprägt Schweizer Erwerbstätige diese Möglichkeiten bereits nutzen.
Säule 3a gewinnt an Bedeutung
Eine gängige Möglichkeit, selbstbestimmt für die eigene Vorsorge zu sparen, sind freiwillige Einzahlungen in die steuerbegünstigte Säule 3a. Im Jahr 2019 leisteten rund 60 Prozent der Schweizer Erwerbstätigen – davon 53 Prozent regelmässig und 6 Prozent unregelmässig – Beiträge an die gebundene private Vorsorge. Im Jahr darauf verzeichnete der Säule-3a-Markt ein solides Wachstum. Denn im ersten Corona-Jahr 2020 stieg die Anzahl der Versicherten mit einer Einzahlung in die Säule 3a um rund 9 Prozent. Der Anteil der 3a-Einzahler bei jungen Menschen unter 35 Jahren ist jedoch unterdurchschnittlich. Dabei würde es sich aufgrund des Zinseszinseffekts lohnen, möglichst früh mit dem Vorsorgesparen anzufangen.
Säule 3a: Wertschriftenanteil steigt, besonders bei Jüngeren
Die Renditechancen in der Säule 3a können durch die Nutzung von Wertschriftenlösungen erhöht werden – historisch betrachtet rentieren sie besser als Zinskonten. Und dennoch liegt die überwiegende Mehrheit des bei Banken angelegten Säule-3a-Kapitals nach wie vor auf verzinsten Konten. Der Anteil des in 3a‑Wertschriftenlösungen angelegten Kapitals hat in den letzten Jahren aber deutlich zugenommen und liegt derzeit bei rund 30 Prozent, gegenüber 23 Prozent im Jahr 2016.
Besonders junge Menschen legen ihre 3a-Vorsorgegelder zunehmend in Wertschriften an. Das ist auch vernünftig, eignen sich Wertschriftenlösungen grundsätzlich umso besser, je länger der Anlagehorizont ist. Deutlich zeigt sich der Anstieg der Wertschriftendurchdringung bei den 18- bis 24-Jährigen. Sie haben heute bereits 32 Prozent der 3a-Vermögen in Depots angelegt.
Deutlicher Anstieg der Pensionskasseneinkäufe in den letzten Jahren
Auch mit der zweiten Säule, der beruflichen Vorsorge, können Versicherte in begrenztem Rahmen freiwillig fürs Alter sparen. Zum einen können Erwerbstätige bei gewissen Pensionskassen auswählen, ob sie auf ihrem versicherten Lohn höhere Sparbeiträge ausrichten wollen als im Standardplan vorgesehen. Bei Vorsorgeeinrichtungen mit Wahlmöglichkeiten entscheidet sich im Schnitt knapp jede vierte versicherte Person dafür. Weil durch die höheren Einzahlungen der Nettolohn sinkt, profitiert man unter Umständen von Steuerersparnissen.
Zudem bieten Pensionskassen oft die Möglichkeit eines freiwilligen Einkaufs, mit dem zusätzliches Alterskapital gebildet und Vorsorgelücken geschlossen werden können. Im Jahr 2020 haben die aktiven Versicherten der Schweizer Vorsorgeeinrichtungen Einmaleinlagen und Einkäufe im Wert von insgesamt über 6,8 Milliarden Schweizer Franken getätigt. Das sind gut zwei Drittel mehr als im Jahr 2010.
Vorsorgeplanung: Trend zu mehr Kapitalbezügen
Das Pensionskassenguthaben stellt am Ende des Erwerbslebens oft den grössten Vermögensposten dar. Entsprechend wichtig ist die Entscheidung, ob dieses als einmalige Kapitalauszahlung, in Form einer monatlichen Altersrente oder als Mischlösung bezogen werden soll.
Der Anteil der ausschliesslichen Rentenbezüge nahm in den letzten Jahren leicht ab, während die reinen Kapitalbezüge zunahmen. Gemäss provisorischen Zahlen für das Jahr 2020 erhielten bei Pensionskassen ohne Freizügigkeitseinrichtungen 54 Prozent der neuen Bezüger zumindest einen Teil als Kapital ausgezahlt. 34 Prozent davon erhielten ausschliesslich Kapital und 20 Prozent entschieden sich für eine Kombination aus Rente und Kapital. Mit den restlichen 46 Prozent bezog noch knapp die Hälfte der Versicherten die reine monatliche Rente, Frauen etwas häufiger als Männer.