Obligationen: Wie die Zinsentwicklung die Rendite beeinflusst
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Obligationen reagieren auf die Zinsentwicklung. Was das für Anleger bedeutet.

Der Preis einer Obligation kann sich während der Laufzeit verändern. Erfahren Sie, wie die Zinsentwicklung den Wert von festverzinslichen Wertpapieren prägt und wie Anleger ihr Anleihen-Portfolio strategisch ausrichten können.

Festverzinsliche Wertpapiere reagieren auf die Zinsentwicklung

Obligationen sind sehr einfach strukturierte Anlagen: Beim Erwerb weiss der Anleger, wie hoch der Zins ist und wann die Anleihe zurückgezahlt wird. Werden festverzinsliche Wertpapiere bis zur Rückzahlung gehalten, erhält der Anleger den gesamten Kaufpreis zurück.

Während der Laufzeit kann sich der Wert der Obligation aufgrund von verschiedenen Faktoren verändern. So beispielsweise, wenn das allgemeine Zinsniveau steigt oder sinkt. Dies wirkt sich umgekehrt proportional auf den Wert von festverzinslichen Wertpapieren aus: Steigen die Zinsen, sinkt der Preis der Obligation und umgekehrt.

Durationsmodell besagt, wie sensitiv Obligationen für die Zinsentwicklung sind

Die durchschnittliche Restlaufzeit einer Anleihe bezeichnet man als Duration. Je länger die Duration noch ist, desto sensibler reagiert die Obligation auf eine Zinsveränderung. Deshalb erlaubt die Duration eine recht präzise, wenn auch vereinfachte Prognose der Preisentwicklung einer Obligation bei einer bestimmten Zinsbewegung.
Um die Zinsrisiken zu reduzieren, empfiehlt sich eine Diversifikation der Anlagen über verschiedene Laufzeiten. Auch bei einem solchen, aus mehreren festverzinslichen Wertpapieren bestehenden Portfolio lässt sich die Zinssensitivität mithilfe des Durationsmodells erklären. Die Prognosekraft dieses Modells hängt jedoch stark von der Form der Zinskurve ab.

Vier Szenarien der Zinsstruktur von Obligationen

Die Zinsstruktur bildet die Renditen gleichartiger festverzinslicher Wertpapiere über verschiedene Restlaufzeiten ab. Besonders relevant sind dabei Staatsanleihen. Bei der Zinsstruktur wird zwischen vier Ausprägungen unterschieden:

  1. Normale (steigende) Zinskurve: Bei dieser Zinsstruktur ist die Verzinsung höher, je länger die Laufzeit andauert.
  2. Flache Zinskurve: In einer flachen Struktur werden alle Laufzeiten zu gleichen Zinssätzen verzinst.
  3. Inverse (sinkende) Zinskurve: Hier nimmt die Verzinsung mit steigender Laufzeit ab.
  4. Unregelmässige Zinskurve: eine Kombination der oben genannten Strukturen, zum Beispiel steigende Zinsen bei kurzfristigen Anleihen und fallende Zinsen bei langfristigen Anleihen.
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Zinsstrukturkurven der Deutschen Bundesbank zu unterschiedlichen Zeitpunkten

Links: Zinssatz (p. a.), rechts: Laufzeit in Jahren

Quelle: BuBa 

Erwartete Zinsentwicklung bestimmt die Strategie bei Obligationen

Die Zinsstruktur kann über die Zeit verschiedene Ausprägungen annehmen. Je nach Erwartung, in welche Richtung sich der Zinssatz verändern wird, verfolgt der Anleger eine andere Strategie. Ziel ist es, Verluste bei einer unerwünschten Zinsbewegung zu reduzieren, aber genauso die Gewinne einer vorteilhaften Bewegung zu maximieren.
Bei den Strategien unterscheidet man grundsätzlich zwischen den auf Vermögenswerten basierten Strategien und denjenigen, die auch die Verbindlichkeiten von Pensionskassen oder Versicherungen miteinbeziehen. Bei Letzteren steht im Vordergrund, Zinsrisiken beider Seiten, also der Aktiven und der Passiven, aufeinander abzustimmen. Ziel ist, die Bilanz damit immun gegen Zinsbewegungen zu machen.

Drei Grundstrategien bei festverzinslichen Wertpapieren

  1. Even Ladder: gleichmässige Verteilung

    Bei dieser Strategie werden Investitionen gleichmässig auf alle Laufzeitsegmente verteilt. Periodisch werden kurzfristige Anlagen verkauft, um mit langfristigen Anlagen aufzustocken und die ursprüngliche Duration wiederherzustellen. Diese Strategie ist eher unflexibel in Bezug auf die Einbindung einer taktischen Erwartung.
  2. Bullet: Konzentration auf ein Segment

    Die Bullet-Strategie konzentriert sich auf ein Laufzeitsegment. Von diesem wird erwartet, dass es sich besser beziehungsweise weniger schlecht entwickelt als der Rest der Kurve. Die Duration dieser Strategie liegt sehr nahe an der gewählten Laufzeit.
  3. Barbell: alle Segmente ausser eines

    Wer auf die Barbell-Strategie setzt, vermeidet Anlagen eines bestimmten Laufzeitsegments. Häufig werden kurzfristige Anlagen mit langfristigen Anlagen kombiniert. Im Durchschnitt haben die Investitionen eine mittlere Duration. In der Regel wird diese Strategie gewählt, wenn das mittlere Segment sehr unattraktiv erscheint.
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Investitionsstrategien für festverzinsliche Wertpapiere

Quelle: Credit Suisse

Strategie an die Zinsentwicklung anpassen

Mit der richtigen Strategie können Anleger ihre Rendite optimieren. Gleichzeitig schützt sie vor Verlusten durch steigende Zinsen. Welche Strategie die passende ist, hängt von der persönlichen Situation und dem Risikoprofil ab. Auch die Zinserwartungen müssen einbezogen werden. Dafür kann das Durationsmodell eine vereinfachte Prognose liefern.

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