Pensionierungswelle Babyboomer: Bedeutung für das Schweizer Vorsorgesystem
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Die Pensionierungswelle der Babyboomer nimmt an Fahrt auf. Was bedeutet das für jüngere Generationen?

Frühpensionierungen sind der Traum vieler Arbeitnehmer. Aus Arbeitsmarktperspektive müsste allerdings genau das Gegenteil attraktiv gestaltet werden – das Arbeiten über den Pensionszeitpunkt hinaus. Denn durch die Pensionierungswelle der Babyboomer in der Schweiz zeichnet sich ein deutliches Ungleichgewicht in der Altersvorsorge ab, wie die Vorsorgestudie 2020 der Credit Suisse aufzeigt.

Die neue Vorsorgestudie 2020 der Credit Suisse zeigt deutlich: Frühpensionierungen sind sehr beliebt, allerdings führen sie zu einer lebenslang verkürzten Rente. Durch ohnehin sinkende Renten werden sich in Zukunft immer weniger Menschen eine vorzeitige Pensionierung leisten können. Verstärkt wird das Problem durch die anstehende Pensionierungswelle der Babyboomer-Generation, der geburtenstarken Jahrgänge zwischen 1946 und 1964.

Altersvorsorge: Wir erreichen 2023 einen bedeutsamen Wendepunkt

Noch nie in der Geschichte der Schweizer Altersvorsorge war die Zahl der Personen, die sich pensionieren liessen, höher als die Zahl jener, die neu in den Arbeitsmarkt eintraten. Seit 2000 nähern sich diese Zahlen aber Jahr für Jahr mehr an. Sehr bald, vermutlich 2023, werden wir den kritischen Punkt erreicht haben: Das Verhältnis wird sich dann umgekehrt haben und es werden mehr Menschen aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden als neu hinzukommen.

Das Schweizer Vorsorgesystem gerät in den kommenden Jahren in ein Ungleichgewicht

Bald überwiegen die Austritte aus dem Arbeitsmarkt

In den kommenden rund 15 Jahren werden mehr Personen in Pension gehen als Junge in den Arbeitsmarkt einsteigen. Ohne massive Gegenmassnahmen wird das Schweizer Vorsorgesystem weiter aus dem Lot geraten.

Quellen: Bundesamt für Statistik, Credit Suisse

Pensionierungswelle der Babyboomer: die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt

Die Gruppe junger Menschen zwischen 20 und 25 Jahren, die jährlich neu ins Arbeitsleben einsteigen, wird ab 2023 kleiner ausfallen als die Gruppe der Neupensionierten und die Lücke wird sich jährlich vergrössern. Auf dem Arbeitsmarkt zeichnet sich deswegen ein Fachkräftemangel ab. Nicht jede Branche ist im selben Umfang betroffen. Am schwierigsten wird die Situation für Bereiche werden, die bereits heute Probleme haben, genügend qualifiziertes Personal zu finden. Aber auch Branchen, die von Automatisierungslösungen nur beschränkt profitieren können, z. B. das Gesundheitswesen, wird es hart treffen.

Die Landwirtschaft oder das Gesundheitswesen sind von den demografischen Änderungen stark betroffen.

Nicht jede Branche ist gleich stark betroffen

In der Land- und Forstwirtschaft, der öffentlichen Verwaltung sowie im Bereich Verkehr und Logistik arbeiten heute prozentual am meisten Personen über 55 Jahre. Diese Branchen werden die Pensionierungen der Babyboomer-Generation besonders stark spüren.

DL = Dienstleistungen
Quellen: Bundesamt für Statistik (SAKE), Credit Suisse

Vorsorgestudie 2020 zeigt deutlich: Frühpensionierungen verschärfen das Problem

In die oben genannten Zahlen und Annahmen aus der aktuellen Vorsorgestudie sind die Frühpensionierungen noch nicht mit eingerechnet. Durch eine grössere Zahl an vorzeitigen Pensionierungen würde sich der Höhepunkt der Pensionierungswelle entsprechend nach vorn verschieben. Frühpensionierungen sind sehr beliebt, mindestens jeder zweite Arbeitnehmer wünscht sich eine solche. Tatsächlich traten von den heutigen Rentnern gut 50 % vor dem Termin ihrer ordentlichen Pensionierung in den Ruhestand. Allerdings nicht alle freiwillig: Fast 25 % traten unfreiwillig den vorzeitigen Ruhestand an, z. B. aus betriebswirtschaftlichen oder gesundheitlichen Gründen.

Zukunft der Altersvorsorge: längeres Arbeiten attraktiver gestalten

Während die Frühpensionierung von einer persönlichen Warte aus sehr erstrebens-wert sein kann, ist sie aus Arbeitsmarktperspektive wenig sinnvoll. Eine Weiterbe-schäftigung über das ordentliche Rentenalter hinaus wäre eine Möglichkeit, um dem drohenden Fachkräftemangel entgegenzutreten. Damit diese Option an Zustimmung gewinnt, müssten allerdings Anreize sowohl aufseiten der Beschäftigten wie auch der Unternehmen geschaffen werden. Denkbar wäre etwa eine attraktivere Belohnung von Spätpensionierungen. Bereits heute erhält eine etwas höhere Rente, wer über den ordentlichen Pensionierungszeitpunkt hinaus arbeitet. Dieser Anreiz genügt aber offenbar nicht, um eine grössere Zahl älterer Menschen von einem späteren Eintritt ins Rentnerdasein zu überzeugen.

Vergleich: Frühpensionierung, ordentliche und aufgeschobene Pensionierung

Vergleich: Frühpensionierung, ordentliche und aufgeschobene Pensionierung

Am Einkommensbeispiel eines Lehrers zeigen sich die grossen Unterschiede in der lebenslangen Rente zwischen Früh- und Spätpensionierung.

Quelle: Credit Suisse

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