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Familienunternehmen übertreffen den breiteren Aktienmarkt

Familienunternehmen schneiden in der Regel besser ab als der breitere Aktienmarkt. Dies beweist eine Studie der Credit Suisse. Warum die familiengeführten Unternehmen andere Firmen outperformen und welche Vorteile sie den Anlegern bieten können.

Familienunternehmen weltweit geprüft

Familienunternehmen sind die Eckpfeiler der meisten Volkswirtschaften. Sie werden als wirtschaftliches Phänomen aber nur unzureichend von der Forschung abgedeckt. Das Credit Suisse Research Institute (CSRI) hat zahlreiche Gründe ermittelt, warum familiengeführte Unternehmen in der Regel so erfolgreich und aus Anlegersicht attraktiv sind.

Das Research des CSRI zu Familienunternehmen weltweit reicht bis 2008 zurück. Als Firmen gelten in dieser Studie familiengeführte Unternehmen, bei denen die Gründer oder deren Nachkommen eine direkte Beteiligung von mindestens 20 Prozent halten oder mindestens 20 Prozent der Stimmrechte auf sich vereinen. Das CSRI bezog für die Studie Daten von 1000 börsennotierten Familienunternehmen. Dieses breite Universum erstreckt sich um den gesamten Globus, wobei 40 Prozent der Unternehmen in Asien angesiedelt sind. Dies gibt uns wertvolle Einblicke in die neuen Wertschöpfer der Schwellenländer.

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Anteil der Unternehmen in Familienbesitz nach Region

Quelle: Credit Suisse Research

Outperformance von Familienunternehmen an der Börse

Das hervorstechende Merkmal familiengeführter Unternehmen ist deren Performance. Unternehmen in Familienbesitz in allen Regionen haben überdurchschnittlich abgeschnitten. Dabei finden sich die Familienunternehmen mit der besten Wertentwicklung seit 2006 in Deutschland, Italien, China und Indien. Die Familienunternehmen haben die breiteren Aktienmärkte jährlich im Schnitt um 340 Basispunkte (Bp) pro Jahr und 2017 sogar um 724 Basispunkte übertroffen.

Familienunternehmen halten erfolgreich langfristige Strategien

Gestützt wird dieser Trend durch die Tatsache, dass familiengeführte Unternehmen auch aus finanzieller Sicht besser abschneiden als Nicht-Familienunternehmen. Das Wachstum des Umsatzes und des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) fällt stärker aus. Die EBITDA- Margen sind zudem höher, die Cashflow-Erträge besser und die Verschuldung erscheint moderater.

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Unternehmen in Familienbesitz übertreffen Nicht-Familienunternehmen

Quelle: Thomson Reuters, Credit Suisse Research

Darüber hinaus deutet eine Stil- und Bonitätsanalyse der untersuchten Familienbetriebe darauf hin, dass die Unternehmen einen starken Fokus auf Qualität legen. Die Unternehmen in Familienbesitz setzen in Bezug auf ihre Geschäftsentwicklung einen langfristigen Schwerpunkt: Sie weisen höhere Investitionsausgaben und ein stärkeres Asset-Wachstum auf. Dabei stützen sie sich bei der Erwirtschaftung von Aktionärserträgen weniger stark auf Aktienrückkäufe.

Klare Vorteile von Familienunternehmen

Familiengeführte Unternehmen können auch Innovationen einen grösseren Stellenwert beimessen. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) fallen deutlich höher aus. Die F&E-Finanzierung gestaltet sich für Familienunternehmen einfacher, da sie geringere Ausschüttungsquoten aufweisen. Vergleicht man das Wachstum und die Cashflow-Erträge nach Sektor und Grösse, so wird deutlich, dass der «Familienfaktor» ein weitgehend universelles Phänomen darstellt und tatsächlich erkennbar ist.

Familienunternehmen sind für Anleger attraktiv

Die Analyse der Credit Suisse zeigt auf, dass familiengeführte Unternehmen der ersten und zweiten Generation in den letzten zehn Jahren höhere risikobereinigte Erträge erzielt haben als ihre länger bestehenden Pendants. Zwar könnten einige Marktbeobachter zur Ansicht gelangen, dass dies von nachfolgebezogenen Herausforderungen herrührt. Unternehmen in Familienbesitz sehen die Nachfolgeplanung aber selbst nicht als eines ihrer Hauptanliegen an. Jüngere familiengeführte Unternehmen sind in der Regel Small-Cap-Wachstumsunternehmen – eine Anlageklasse, die sich in letzter Zeit stark entwickelt hat.