Scheidung und AHV, BVG und 3. Säule
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Was geschieht bei einer Scheidung mit AHV, BVG und 3. Säule?

Für AHV, BVG und Säule 3a gilt bei einer Scheidung das gleiche Prinzip: Die während der Ehe erwirtschafteten Ansprüche und Vermögen werden geteilt. Die Umsetzung unterscheidet sich allerdings von Säule zu Säule.

Geldsorgen und finanzielle Meinungsverschiedenheiten gehören zu den häufigsten Scheidungsgründen. Kommt es zu einer Scheidung, spitzen sich diese Konflikte in der Regel weiter zu. Das kann speziell bei der beruflichen Vorsorge zu heftigen Streitereien führen. Denn im Unterschied zur 1. Säule (AHV) und zur 3. Säule (Private Vorsorge) ist die Aufteilung der 2. Säule (Berufliche Vorsorge) eine komplizierte Angelegenheit, die ohne Fachperson fast nicht zu bewältigen ist. Seit 1. Januar 2017 gilt in der Schweiz zudem ein neues Gesetz, das die Aufteilung der 2. Säule im Scheidungsfall in einigen Punkten neu regelt. Auch Personen, die bereits geschieden sind, können unter Umständen davon profitieren.

1. Säule: AHV

Geschiedene Paare können bei der AHV-Ausgleichskasse einen Antrag auf «Splitting» stellen. Wenn Sie keinen Antrag stellen, nehmen die Ausgleichskassen das Splitting spätestens zum Zeitpunkt der Rentenberechnung automatisch vor. Das bedeutet: Sämtliche Einkommen der Ehepartner, die während der Ehe erzielt wurden, werden hälftig auf beide verteilt. Ausgenommen von dieser Regelung sind lediglich das Jahr, in dem die Ehe geschlossen wurde, und das Jahr, in dem die Ehe geschieden wurde. Für ein Splitting muss ein Paar also während mindestens einem Kalenderjahr verheiratet gewesen sein. Bezieht ein Paar bereits AHV-Rente, erhält es nach der Scheidung zwei Einzelrenten. Die Summe der beiden Einzelrenten ist in der Regel höher als die bisherige Gemeinschaftsrente – vor allem, wenn das Paar die höchstmögliche AHV Rente bezogen hat.

2. Säule: Berufliche Vorsorge

Anders als bei der AHV müssen Paare die Aufteilung des BVG-Guthabens im Scheidungsverfahren regeln. Das klingt einfacher, als es ist. Denn dabei müssen neben dem vorhandenen Guthaben mehrere Faktoren berücksichtigt werden, zum Beispiel freiwillige Einkäufe, Guthaben bei mehreren Vorsorgeeinrichtungen oder Vorbezüge für den Kauf von Wohneigentum. Das Guthaben, das vor der Eheschliessung in der beruflichen Vorsorge angespart wurde, wird in jedem Fall nicht berücksichtigt. Seit 1995 müssen die Pensionskassen ihre Versicherten darüber informieren, wie hoch ihr Guthaben bei der Eheschliessung ist. Wer vor 1995 geheiratet und allenfalls mehrmals die Stelle gewechselt hat, zieht mit Vorteil eine Fachperson bei, um das Guthaben korrekt zu ermitteln.

Wichtig ist zudem, dass Ausgleichszahlungen im Rahmen der Scheidung in der beruflichen Vorsorge verbleiben müssen und nicht bar ausgezahlt werden können.

Unterschiede bei den Vorbezügen

Bezüge für den Kauf von Wohneigentum während der Ehe werden bei der Berechnung des Vorsorgeausgleichs dazugezählt. Hier muss zudem berücksichtigt werden, welcher Ehepartner die Liegenschaft nach der Scheidung behält. Barauszahlungen, zum Beispiel für die Aufnahme einer beruflichen Selbstständigkeit, werden hingegen für den Vorsorgeausgleich nicht herangezogen, da der andere Ehepartner beim Bezug zustimmen müsste. Sind diese Gelder noch vorhanden, werden sie grundsätzlich im Rahmen des Ehegüterrechts bei der Teilung des freien Vermögens berücksichtigt.

Neues Gesetz seit 1. Januar 2017

Seit 1. Januar 2017 gilt in der Schweiz ein neues Gesetz. Es stellt sicher, dass Guthaben aus der beruflichen Vorsorge gerechter aufgeteilt werden. Besonders Personen, die während der Ehe Betreuungsaufgaben wahrgenommen haben, konnten in der Vergangenheit unter Umständen benachteiligt werden. Neu wird das Vermögen auch dann aufgeteilt, wenn ein Ehegatte zum Zeitpunkt der Scheidung bereits pensioniert oder invalid ist. Für die Auszahlung gibt es zwei Varianten: Entweder wird die hypothetische Austrittsleistung berechnet und geteilt oder die vorhandene Rente wird geteilt und in eine lebenslange Rente für die nicht invalide oder nicht pensionierte Person umgerechnet. Aktuelle Renten aus bisherigen Scheidungsurteilen können bis zum 31. Dezember 2017 unter bestimmten Voraussetzungen in Vorsorgerenten nach neuem Recht umgewandelt werden. Eine weitere, wichtige Neuerung: Als Zeitpunkt für die Abrechnung gilt neu der Start des Scheidungsverfahrens und nicht das Ende. In der Vergangenheit musste das Abrechnungsdatum möglichst nahe beim Urteilsdatum liegen, damit die finanziell schwächere Person nicht benachteiligt wurde. Neu ist das nicht mehr notwendig.

3. Säule: Private Vorsorge

Hat ein Ehepaar keine Gütertrennung vereinbart, werden Guthaben der Säule 3a, die während der Ehe angespart wurden, untereinander aufgeteilt. Ob das Geld in Form eines Bankkontos oder einer Versicherungspolice vorliegt, spielt keine Rolle. Die Aufteilung des Guthabens muss in der Scheidungsvereinbarung festgehalten werden. Das Scheidungsurteil muss auf jeden Fall richterlich in Kraft gesetzt und als rechtskräftig erklärt sein. Ein Entwurf reicht nicht aus. Das Geld muss in der Säule 3a bleiben oder an eine Vorsorgeeinrichtung der beruflichen Vorsorge überwiesen werden, sofern kein Barauszahlungsgrund nach Art. 3 BVV3 vorliegt. Gelder der Säule 3b (freie Vorsorge) zählen zur gemeinsamen Errungenschaft und werden ebenfalls geteilt.