Vorsicht bei Altersvorsorge von Frauen bei Teilzeitarbeit und Erwerbspausen
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Frauen: Bei Teilzeitarbeit und Erwerbspausen an die Altersvorsorge denken

Teilzeitarbeit und Erwerbsunterbrüche sind wesentliche Gründe, warum Frauen weniger in die Säule 3a investieren, so eine aktuelle Studie der Credit Suisse. Ein stärkeres Engagement in dieser Säule wäre aber besonders wichtig für sie, um Einbussen der AHV- und BVG-Rente zu kompensieren, die wegen der reduzierten Beiträge entstehen.

In der Schweiz arbeiten sechs von zehn Frauen im Teilzeitpensum. Manche von ihnen steigen mehrere Jahre ganz aus dem Berufsleben aus. Beides reduziert das Erwerbseinkommen und führt dazu, dass Frauen weniger in die Säule 3a einzahlen, so das Ergebnis der aktuellen Vorsorgestudie der Credit Suisse «Mind the Gap: Teilzeit, Auszeit, Vorsorgelücke».

Frauen arbeiten deutlich häufiger Teilzeit als Männer

Beschäftigungsgrad (in%)  von Frauen und Männern im Vergleich (2018)

Quelle: BFS – Schweizerische Arbeitskräfteerhebung (SAKE)

Frauen arbeiten dreimal häufiger im Teilzeitpensum als Männer

Flexible Arbeitsformen sind besonders bei Frauen verbreitet. Sie arbeiten rund dreimal häufiger im Teilzeitpensum als Männer. Die Gründe sind oftmals familiärer Natur. Neben karrieretechnischen Nachteilen führen berufliche Teil- und Auszeiten auch zu einem niedrigeren Einkommen. Dieses hemmt aber nicht nur die Möglichkeiten zur privaten Vorsorge, sondern hat vor allem massive Auswirkungen auf die AHV- und die BVG-Rente. Die entstehenden Vorsorgelücken sind eklatant. Werden sie nicht rechtzeitig geschlossen,  beeinträchtigen sie massgeblich die Altersrente und den Lebensstandard nach der Pensionierung.

Rechenbeispiel: Auswirkungen von Mutterschaftspause und Teilzeitarbeit auf Rente

Macht zum Beispiel eine 30-jährige Lehrerin eine 6-jährige Familienpause und arbeitet danach acht Jahre im 60%-Pensum, hat dies gravierende Auswirkungen auf ihre Rente. Im Vergleich zu einer durchgehenden 100%-Anstellung reduziert sich ihr Pen­sionskassenvermögen um rund CHF 95’000, ihr 3a-Guthaben um rund CHF 80’000. Aufgrund von Erwerbspause und Teilzeitarbeit muss die Lehrerin nach ihrer Pensionie­rung eine Reduktion ihres Bruttoeinkommens von 14 % hinnehmen.

Entwicklung Säule 3a und Pensionskassenvermögen ohne Erwerbsunterbruch

Vermögensentwicklung ohne Erwerbsunterbruch

Vermögensentwicklung in der 2. und 3. Säule bei einer Lohnentwicklung von CHF 70’000 bis CHF 100’000. Basis bilden eine jährliche Einzahlung von CHF 6’826 in die Säule 3a sowie ein Durchschnittszins/Rendite von 2 Prozent jährlich.

Quelle: Studie «Mind the Gap: Teilzeit, Auszeit, Vorsorgelücke», Hrsg. Credit Suisse, 2019.

Auswirkungen von Erwerbsunterbruch und Teilzeitarbeit auf Säule 3a und Pensionskasse

Erwerbspause und Teilzeitarbeit bremsen Aufbau des Altersguthabens markant

Angenommen dieselbe Person wie im Beispiel oben legt eine 6-jährige Erwerbspause ein und arbeitet anschliessend acht Jahre 60 Prozent, reduziert sich das Alterskapital markant.

Quelle: Studie «Mind the Gap: Teilzeit, Auszeit, Vorsorgelücke», Hrsg. Credit Suisse, 2019.

Staatliche Vorsorge: Teilzeit schmälert die AHV-Rente

Um eine volle AHV-Rente von CHF 2’370 zu erhalten, benötigen Versicherte einen durchschnittlichen Jahresverdienst von CHF 85’320 und müssen lückenlos eingezahlt haben. Das erreichen nur die wenigsten Teilzeitbeschäftigten. Insbesondere Versicherte ohne Kinder laufen Gefahr, im Alter nur die AHV-Minimalrente von CHF 1’185 zu erhalten.

Erziehungs-und Betreuungsgutschriften erhöhen AHV-Rente

Eltern oder Betreuende von Familienangehörigen können Erziehungs- und Betreuungsgutschriften anrechnen lassen. Sie sind so hoch wie die dreifache jährliche AHV-Minimalrente zum Zeitpunkt der Pensionierung – im Jahr 2019 sind das CHF 42’660. Mit diesen wird die AHV-Rente erhöht, ohne dass Beiträge gezahlt werden müssen, allerdings höchstens bis zur im Jahr der Pensionierung aktuellen Maximalrente. Während Erziehungsgutschriften automatisch angerechnet werden, müssen Betreuungsgutschriften bei der kantonalen Ausgleichskasse am Wohnsitz der pflegebedürftigen Person angemeldet werden.

Wichtig: Vermeiden Sie Beitragslücken

Wer nicht arbeitet oder ein sehr kleines Pensum hat, muss den jährlichen AHV-Mindestbeitrag von CHF 482 einzahlen. Jedes fehlende Jahr kürzt die AHV-Rente um 2,27 %. Verlangen Sie bei der Ausgleichskasse einen Auszug Ihres individuellen AHV-Kontos. Falls Sie eine Beitragslücke feststellen, können Sie diese innerhalb von fünf Jahren nach deren Entstehen noch schliessen.

Berufliche Vorsorge (BVG): Teilzeitbeschäftigte sind im Nachteil

Je geringer Teilzeitpensum und Lohn, desto gravierender sind die Auswirkungen auf das Alterseinkommen. Dies gilt insbesondere für das Sparen in der 2. Säule. Arbeitgeber müssen ihre Angestellten erst ab einem jährlichen Einkommen von min­destens CHF 21’330 in die Pensionskasse aufnehmen (Eintrittsschwelle). Ebenfalls grosse Auswirkungen auf die BVG-Rente von Teilzeitbeschäftigten hat der sogenannte Koordinationsabzug, der zurzeit bei CHF 24’885 liegt und von etwa der Hälfte der Schweizer Pensionskassen angewandt wird. Er wird vom Lohn abgezogen, bevor dieser beitragspflichtig wird. 

Rechenbeispiel: die Auswirkungen des Koordinationsabzugs

Der Koordinationsabzug führt dazu, dass sich die Pensionskassenleistungen von Teil­zeitbeschäftigten überproportional verringern. Bezieht zum Beispiel ein Vollzeitbeschäf­tigter ein Jahresgehalt von CHF 70’000, steht dem ein versicherter BVG-Lohn von CHF 45’115 gegenüber (CHF 70’000 minus Koordinationsabzug von CHF 24’885). Bei einem 50%-Pensum sind dagegen nur CHF 10’115 versichert. Während sich der tatsächliche Lohn also um die Hälfte reduziert, verringert sich der versicherte Lohn um gut drei Viertel.

Auswirkungen des Koordinationsabzugs bei Vollzeit- und Teilzeitpensum

Der Koordinationsabzug wirkt sich bei einem Teilzeitpensum stärker aus

Quelle: Credit Suisse, 2019 

Mehrere Teilzeitstellen: Pensionskassen zusammenlegen

Die berufliche Altersvorsorge nimmt besonders dann Schaden, wenn jemand in zwei oder mehreren kleineren Pensen bei verschiedenen Arbeitgebern angestellt ist. In diesem Fall wird der Koordinationsabzug gleich mehrfach fällig oder der Jahreslohn erreicht oftmals nicht einmal die Eintrittsschwelle. Je nach Pensionskassenreglement ist es bei einigen Einrichtungen jedoch möglich, die verschiedenen geringen Löhne zusammenzulegen, sofern sie kumuliert über der Eintrittsschwelle liegen. Auf diese Weise fällt der Koordinationsabzug nur einmal an und der versicherte Lohn ist entsprechend höher. Besteht diese Möglichkeit nicht, können sich Teilzeitbeschäftigte der Stiftung Auffangeinrichtung BVG anschliessen.

Eine allfällige Vorsorgelücke kann auch durch einen Einkauf in die Pensionskasse gemindert werden. Die Höhe des möglichen Betrags ist allerdings begrenzt und hängt wiederum vom derzeit versicherten Lohn ab.

Erwerbspausen blockieren den Aufbau der 2. Säule und der Säule 3a

Im Vergleich zur Teilzeitbeschäftigung ist es bei einem Erwerbsunterbruch nicht mög­lich, in die 2. Säule und die Säule 3a einzuzahlen. Wer nirgends angestellt ist und keiner selbstständigen Erwerbstätigkeit nachgeht, kann lediglich den AHV-Mindest­betrag einzahlen. Selbst ein noch so geringes Pensum ermöglicht es dagegen, durch Einzahlungen in die Säule 3a wenigstens einen geringen Beitrag an die Altersvorsorge zu leisten. Erwerbstätige ohne Pensionskasse können gleich wie Selbständigerwerbende bis zu 20% des Nettoerwerbseinkommens (nach Abzug von AHF/IV/EO/ALV) einzahlen, maximal aber CHF 34‘128 pro Jahr. Bei einem Nettoerwerbseinkommen von z.B. CHF 15‘000 können also maximal CHF 3000 pro Jahr in die Säule 3a einbezahlt werden. Falls der eigene Lohn dafür nicht ausreicht, kann möglicherweise ein besser verdienender Partner helfen.

Vorsorgelücken kompensieren mithilfe der Säule 3a

Teilzeitarbeit wirkt sich ganz direkt auf die spätere Rente aus AHV und BVG aus, was vor allem Frauen betrifft. Um ihren gewohnten Lebensstandard im Alter beibehalten zu können, wäre es daher für teilzeitbeschäftigte Frauen umso wichtiger, die Optionen der privaten Vorsorge bestmöglich auszuschöpfen. Je früher sie mit dem 3a-Sparen beginnen, desto stärker profitieren sie von einem langen Anlagehorizont und dem späteren Zinseszinseffekt. Zusätzlich lassen sich auf diesem Weg Steuern sparen. Selbst kleinere regelmässige Einzahlungen lohnen sich.

Die Auswirkungen von Erwerbspausen und Teilzeitarbeit auf die Altersvorsorge bei Doppelverdiener-Paaren ohne Kinder 

Jan Schüpbach, Co-Autor der Vorsorgestudie «Mind the Gap: Teilzeit, Auszeit, Vorsorgelücke», über die Resultate der Studie.

AHV und BVG unter Druck

Die Berücksichtigung der 3. Säule für die Altersvorsorge wird nicht zuletzt auch deswegen immer wichtiger, weil die staatliche und die berufliche Vorsorge zunehmend unter Druck geraten. Schon heute wird das Leistungsziel der obligatorischen Vorsorge, dass AHV und Pensionskasse zusammen rund 60 % des letzten Lohnes abdecken, oft nicht erreicht. Um den gewohnten Lebensstil weiterführen zu können, sind gemäss Faustregel sogar 80 % des letzten Einkommens notwendig – dieses Ziel wird vor allem bei höheren Einkommen selbst bei konsequenter Einzahlung des 3a-Maximalbetrags oft nicht erreicht. Und der Trend zu sinkenden Umwandlungssätzen im überobligatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge hält an.