Strukturierte Produkte bieten hervorragende Möglichkeiten
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Strukturierte Produkte bieten hervorragende Möglichkeiten

Investieren mit strukturierten Produkten fasziniert viele Privatanleger. Dennoch sind die Bedenken bezüglich Risiken und Transparenz teils gross. Roland Theiler erstellt bei der Credit Suisse massgeschneiderte Lösungen für Vermögende Kunden. Im Interview sagt er, worauf Anleger achten müssen, wenn sie mit strukturierten Produkten investieren wollen.

Für wen sind strukturierte Produkte geeignet?

Roland Theiler*: Sie sind für alle Anleger geeignet. Strukturierte Produkte sind nichts anderes als eine Kombination von einem Basiswert und einer derivativen Komponente. Sie machen eine spezifische Strategie investierbar. Dabei ist es egal, ob der Anleger die Marktentwicklung seitwärts, steigend oder fallend erwartet. Denn man kann strukturierte Produkte auf die eigenen Bedürfnisse massschneidern.

Strukturierte Produkte werden oft mit erhöhtem Risiko assoziiert. Können auch vorsichtige Anleger von den Möglichkeiten profitieren?

Ja, denn es gibt verschiedene Kategorien von strukturierten Produkten. Zum Beispiel gibt es kapitalgeschützte Varianten, bei denen das eingesetzte Kapital am Ende garantiert zurückgezahlt wird. Konservative Anleger können mit diesen an der Entwicklung der Märkte partizipieren, ohne hohe Risiken einzugehen. Daneben gibt es auch risikoreichere Produkte. Ein grosser Vorteil von strukturierten Produkten liegt in der vielfältigen Ausgestaltung. Damit weiss der Anleger von Anfang an, wie hoch das Risiko für ihn ist.

Bei Kapitalschutzprodukten ist die Rendite begrenzt. Lohnen sich diese tatsächlich?

Mit Kapitalschutzprodukten versuchen Anleger immer, mehr Rendite zu erzielen als festverzinste Anlagen. Werden die Markterwartungen erfüllt, lohnen sie sich also. Zudem ist bei strukturierten Produkten der Basiswert flexibel, was zusätzliche Möglichkeiten eröffnet. Zum Beispiel sind auch synthetische Bonds (fiktive, künstliche Anleihe), sogenannte Credit Linked Notes möglich. Es gibt viele Marktsituationen, in denen mit strukturierten Produkten mehr verdient werden kann, als mit dem direkten Kauf einer Anleihe.

Es muss zwingend darauf geachtet werden, dass im Portfolio Einzeltitel und Emittenten gut diversifiziert sind

Roland Theiler

Nicht eliminiert werden kann das Emittenten-Risiko. Was raten Sie diesbezüglich?

Das Risiko kann begrenzt werden, indem der Anleger bei der Auswahl eine Konzentration desselben Herausgebers von Produkten vermeidet. Klumpenrisiken entstehen aber auch bezüglich Basiswerte. So beinhalten viele Barriere Reverse Convertibles in Kundenportfolios gleiche Einzelaktien. Dies war auch in der Finanzkrise der Fall, bei der in strukturierten Produkten überdurchschnittlich oft Bankenaktien drin waren. Es muss deshalb zwingend darauf geachtet werden, dass im Portfolio die Einzeltitel und die Emittenten gut diversifiziert sind.

Was muss ich beachten, wenn ich mit strukturierten Produkten anlegen möchte?

Das wichtigste ist, die persönliche Risikotoleranz und die eigenen Markterwartungen zu kennen. Davon lässt sich ableiten, welche Produkte in Frage kommen. Erst danach stellt sich die Frage nach dem geeigneten Basiswert: Welcher macht Sinn? Wie sieht die aktuelle Situation aus? Will der Anleger einen höheren Betrag in strukturierte Produkte investieren, lohnt es sich zudem, dies gestaffelt über mehrere Monate oder Quartale zu tun. Denn die Höhe der Coupons von strukturierten Produkten ist wesentlich von der Volatilität abhängig. Ist die Unsicherheit an den Märkten hoch, kann der Coupon mehr als doppelt so hoch sein wie bei stabilen Märkten.

Welche weiteren taktischen Ratschläge haben Sie?

Die Barriere bei Barriere Reverse Convertibles sollten Anleger immer gleich lassen. Insbesondere nach Marktkorrekturen tendieren Investoren dazu, die Barriere als Sicherheitspuffer zu senken. Dabei ist es wichtig, seine vorher definierten Ziele auch in einer Phase von unsicheren Märkten beizubehalten. Typischerweise wäre genau dann auch die Entschädigung höher, auf die jedoch mit einer tieferen Barriere verzichtet wird. Dies gilt auch im umgekehrten Fall. Auch wenn die Coupons tief sind, sollte die Barriere nicht immer weiter erhöht werden. Mein zweiter Ratschlag ist ein aktives Monitoring während der Laufzeit. Der Anleger muss bereit sein, ein Produkt vorzeitig zu verkaufen, notfalls auch mit Verlust, falls das Produkt nahe an die Barriere kommt und der Ausblick des Basiswertes negativ ist. Umgekehrt kann es sich je nach Marktentwicklung auch lohnen, ein Produkt zu verkaufen, welches weit weg von der Barriere ist, falls mit einem anderen mehr Rendite möglich ist.

Wie erkennt der Anleger den richtigen Zeitpunkt?

Ein wichtiges Signal, um die eigenen Investments zu überdenken, ist Unsicherheit respektive höhere Volatilität an den Märkten. Dann lohnt es sich zu prüfen, ob ein anderes Produkt mehr rentiert und ein bestehendes allenfalls vorzeitig zu verkaufen. Typische Events sind Sitzungen von Notenbanken, Wahlen oder Abstimmungen, welche bereits im Vorfeld für höhere Volatilität sorgen können. Unternehmensspezifisch eignet sich der Zeitpunkt vor der Präsentation von Quartals- oder Jahreszahlen. Wir von der Credit Suisse weisen Kunden aktiv auf Chancen und Ideen hin.

Welche Möglichkeiten gibt es, um mit strukturierten Produkten systematisch zu investieren?

Eine Möglichkeit dafür ist mit Barriere Reverse Convertibles, dem klassischen strukturierten Produkt schlechthin. Hierbei ist wichtig möglichst Basiswerte zu wählen, die nicht unter die Barriere fallen werden. Zusammen mit Research definieren wir jeden Monat die „Best Picks“: Titel, die in den nächsten 18 Monaten gemäss unseren Erwartungen nicht mehr als 40 Prozent sinken dürften. Kombiniert mit einem höheren Coupon kann dies ein Erfolg versprechendes System sein. Für Anleger, die sich dafür interessieren, bieten wir einen Research-Alert an.

Welchen Stellenwert sollten strukturierte Produkte im Portfolio maximal haben?

Es gibt keine maximale Obergrenze. Diese hängt vom Anleger ab und von der Gesamtstrategie. Weil man die ganze Bandbreite spielen kann, wäre theoretisch ein Anteil von 100 Prozent möglich. In der Realität werden jedoch meist nur ein Teil des Fixed Income Bereichs sowie Aktienpositionen mit strukturierten Produkten abgedeckt. Denn oft bevorzugen Anleger Direktanlagen wie Aktien und Obligationen und nutzen strukturierte Produkte für spezielle Szenarien, wie zum Beispiel um bei seitwärts tendierenden Märkten eine zusätzliche Rendite zu erzielen.

Wieso sind strukturierte Produkte trotz der vielen Möglichkeiten nur Nischenprodukte?

Vor der Finanzkrise wuchs der Bereich stark. Die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers hat das Vertrauen aber erschüttert. Die immer komplexeren Produkte, bei denen Anleger zuletzt die Struktur nicht mehr verstanden, brachten die Anlageklasse in Verruf. Seit einigen Jahren können aber wieder vermehrtes Interesse und steigende Volumen beobachtet werden. Ein Grund dafür ist sicher, dass die Produkte wieder einfach verständlich und kostentransparent sind.

Strukturierte Produkte bieten hervorragende Möglichkeiten, schnell eine Strategie umzusetzen und schon mit kleinen Beträgen in massgeschneiderte Produkte zu investieren.

Roland Theiler

Wie hoch ist der Stellenwert bei der Credit Suisse?

Meiner persönlichen Meinung nach haben strukturierte Produkte in Wertschriftenportfolios generell einen zu kleinen Stellenwert. Sie bieten hervorragende Möglichkeiten, schnell eine Strategie umzusetzen und schon mit sehr kleinen Beträgen in massgeschneiderte Produkte zu investieren. Deshalb haben wir von der Credit Suisse eine offene Plattform, um unabhängig vom Produkteherausgeber zusammen mit Kunden die optimale Strategie zu finden und umzusetzen.

Können Privatanleger strukturierte Produkte selber handeln?

Der informierte Anleger könnte Produkte selber kaufen. Allerdings würde ich das nicht empfehlen, gerade weil die Möglichkeiten so vielfältig sind. Vielleicht lässt sich die Rendite mit einer anderen Barriere verbessern oder es passt ein anderer Basiswert noch besser ins Portfolio. Die Beratung ist wichtig, zum Beispiel auch bezüglich des Zeitpunkts der Investition.