Paying into the second and third pillars improves retirement provision. Both pillars have advantages and disadvantages.
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Freiwillige Vorsorge: in die 2. oder in die 3. Säule einzahlen?

Wer seine Altersvorsorge aufbessern will, hat in der Regel zwei Möglichkeiten: Einzahlungen in die 2. Säule (berufliche Vorsorge nach BVG) oder in die 3. Säule (private Vorsorge). Beide Varianten haben Vor- und Nachteile. Welcher Weg sinnvoller ist, hängt von der persönlichen Situation ab.

Die Schweizer Bevölkerung wird immer älter, und die Leistungen der AHV und insbesondere der Pensionskassen geraten immer stärker unter Druck. Aus diesem Grund zahlen Herr und Frau Schweizer jedes Jahr viel Geld zusätzlich freiwillig in die Altersvorsorge ein. Vier Milliarden sind es bei der Pensionskasse (2. Säule). Und gar sechs Milliarden bei der Säule 3a. Welche Variante sinnvoller ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab und muss von Fall zu Fall geprüft werden.

Wer freiwillig in die 2. oder 3. Säule einzahlt, verhindert finanzielle Engpässe nach der Pensionierung und profitiert von attraktiven Steuervorteilen: Die Summe, die jemand während eines Jahres in die 2. oder 3. Säule einzahlt, kann bei der Steuererklärung vollumfänglich vom Einkommen abgezogen werden. Die Zinserträge müssen auch nicht versteuert werden, solange das Geld in der Vorsorge verbleibt. Und selbst das angesparte Vermögen muss in der Steuererklärung nicht aufgeführt werden. Steuern fallen sowohl bei der 2. wie bei der 3. Säule erst an, wenn Sie das Geld beziehen.

Die 3. Säule gibt es als Konto- oder Wertschriftenvorsorge.

Wenn Sie in die Säule 3a einzahlen, liegt Ihr Geld auf einem Vorsorgekonto. Es bietet Ihnen gegenüber einem normalen Sparkonto einen Vorzugszins. Daneben haben Sie die Möglichkeit, Ihr Geld in eine oder mehrere Wertschriftenlösungen zu investieren, die sich hauptsächlich in ihrem Aktienanteil unterscheiden. So partizipieren Sie am Erfolg der Finanzmärkte und sichern sich die Chance auf höhere Renditen.

Die 2. Säule bietet Ihnen meist keine Möglichkeit, die Anlageform selbst zu bestimmen – die Anlagestrategie wird vom Stiftungsrat der Pensionskasse festgelegt. Eine Ausnahme sind sogenannte 1e-Pläne, die manche Pensionskassen ab einem Jahreseinkommen von CHF 127’980 anbieten. Dafür bieten Pensionskassen einen anderen Vorteil: Sie sind gesetzlich dazu verpflichtet, einen Mindestzins zu garantieren. Der Zinssatz wird jedes Jahr vom Bundesrat festgelegt. 2018 beträgt er 1 %. Das ist mehr, als die meisten Banken bei einem 3a-Konto bieten. Das Pensionskassenguthaben vergrössert sich also auch bei einer Börsenbaisse. Das gilt jedoch nur für den obligatorischen Teil der Pensionskassengelder. Beim überobligatorischen Teil können die Pensionskassen den Zins selbst bestimmen.

Die 2. Säule bietet mehr Möglichkeiten bei den Einzahlungen.

Sowohl die Pensionskasse wie die Säule 3a werden als «gebundene Vorsorge» bezeichnet. Ist das Geld einmal einbezahlt, können Sie nicht mehr frei darüber verfügen. Sie können – abgesehen von ein paar wenigen Ausnahmen wie dem Kauf eines Hauses oder einer Wohnung – erst nach der Pensionierung wieder darauf zugreifen.

Bei den jährlichen Einzahlungen gibt es grosse Unterschiede zwischen der 2. und der 3. Säule: Haben Sie in einem Jahr kein Geld für Einzahlungen in die 3. Säule zur Verfügung, ist die Chance vertan – Sie können die verpasste Zahlung nicht nachholen. Bei der 2. Säule besteht diese Einschränkung nicht: Sie können sich bis zur individuellen Einkaufslimite in die Pensionskasse einkaufen, wann immer Sie möchten. Und auch einmal ein Jahr auslassen.

In die 2. Säule können häufig grössere Beträge eingezahlt werden.

Arbeitnehmer, die einer Pensionskasse angeschlossen sind, können 2019 maximal CHF 6’826 in die Säule 3a einzahlen. Dieser Höchstbetrag wird jährlich vom Bundesrat festgelegt. Wie viel Geld Sie maximal in Ihre Pensionskasse einzahlen können, hängt von verschiedenen Faktoren wie Ihrem Alter, Ihrem Lohn und Ihrem Guthaben bei der Pensionskasse ab. Diese individuelle Einkaufslimite finden Sie auf Ihrem Pensionskassenausweis. Die allermeisten Arbeitnehmer können deutlich mehr Geld in die 2. Säule als in die 3. Säule einzahlen. Aus steuerlichen Gründen lohnt es sich meistens, die Einkäufe auf mehrere Jahre zu verteilen.

Die 3. Säule erlaubt zusätzliche Versicherungsleistungen.

Die Säule 3a bei einer Versicherung bietet die Möglichkeit, einen zusätzlichen Schutz bei Tod und Invalidität einzubauen. Eine solche Versicherung macht Sinn, wenn die Risiken nicht bereits mit anderen Policen abgedeckt sind. Allerdings bedeutet der Wunsch nach einem Versicherungsschutz nicht automatisch, dass die 3. Säule die bessere Lösung ist. Denn es gibt Pensionskassen, die bei freiwilligen Einzahlungen die Leistungen bei Tod und Invalidität automatisch erhöhen. Wer bei einer solchen Pensionskasse versichert ist, kommt im Vergleich zur Säule 3a zu einer Art «Gratis-Versicherung».

Einzahlungen in die Säule 3a werden im Todesfall gemäss der gesetzlich vorgegebenen Begünstigtenordnung ausbezahlt. Bei der 2. Säule ist das unter Umständen nicht der Fall.

Freiwillige Einzahlungen in die 2. Säule und die Säule 3a

Aspekt Säule 3a
2. Säule
Steuern sparen Ja Ja
Maximalbetrag 2019 CHF 6’826 mit Pensionskasse
CHF 34’128 ohne Pensionskasse
Hängt von verschiedenen Faktoren ab (individuelle Einkaufslimite gemäss Pensionskassenausweis).
In der Regel deutlich höher als bei der Säule 3a.
Anlageform Vorsorgekonto oder Portfolio mit Wertschriften
Alterskapital, bei 1e-Vorsorgeplänen Portfolio mit Wertschriften.
Zins Vorzugszins auf dem 3a-Konto Garantierter Mindestzins auf dem obligatorischen Teil (zurzeit 1 %).
Versicherung Möglich, je nach Anbieter Möglich, je nach Pensionskasse
Bezug Bezug als Kapital, bei Leibrentenversicherungen
als Rente
Als Kapital oder als Rente
Bezug vor dem ordentlichen Rentenalter 5 Jahre vor dem Erreichen des AHV- Alters Je nach PK-Reglement, frühestens mit 58 Jahren
Gestaffelter Bezug Ja, sofern mehrere Konten bestehen Ja (je nach PK-Reglement)
Bezug nach dem ordentlichen Rentenalter Ja, sofern weiterhin erwerbstätig bis zum Alter von 69 (Frauen) und
70 (Männer). Bis zu diesem Zeitpunkt können Sie weiterhin steuerbegünstigt in die 3. Säule einzahlen.
Ja, falls im PK-Reglement vorgesehen
Todesfall Auszahlung gemäss Begünstigtenordnung Auszahlung gemäss Begünstigtenordnung, sofern im PK-Reglement vorgesehen

Die 3. Säule bietet mehr Möglichkeiten, das Geld zu beziehen.

Bei der Pensionierung müssen die Pensionskassen auf Wunsch mindestens 25 % des obligatorischen Altersguthabens als Kapital auszahlen. Einige Pensionskassen gehen sogar noch weiter als die gesetzlichen Vorschriften und zahlen bis zu 100 % des Guthabens als Kapital aus. Die 2. Säule bietet also die Möglichkeit, das angesparte Geld als Einmalzahlung oder als monatliche Rente zu beziehen – oder eine Mischform zu wählen und sich einen Teil als Kapital und den anderen Teil als Rente auszahlen zu lassen.

Das Geld als Rente zu beziehen, ist bei der Säule 3a ausser bei Leibrentenversicherungen nicht möglich. Dafür bietet die Säule 3a einen anderen Vorteil: Wer will, kann das Vorsorgeguthaben bereits fünf Jahre vor der Pensionierung beziehen. Personen, die mit 65 noch weiterarbeiten möchten, können die Auszahlung bis 5 Jahre nach der Pensionierung hinausschieben. Zu welchem Zeitpunkt Sie das Geld auch beziehen wollen: Aus steuerlicher Sicht ist es sinnvoll, sich nicht die ganze Summe aufs Mal auszahlen zu lassen, sondern die Bezüge auf mehrere Jahre zu verteilen. In diesem Punkt ist die Säule 3a flexibler als die 2. Säule. Damit Sie von diesem Vorteil profitieren können, sind mehrere Konten notwendig. Es lohnt sich also, mehr als ein 3. Säule Vorsorgekonto einzurichten. Das zuständige Steueramt teilt Ihnen mit, wie die genaue Praxis im Kanton aussieht.