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Anlagen verpfänden statt verkaufen. Der Lombardkredit verschafft Liquidität.

Wer dringend liquide Mittel benötigt, verkauft in der Regel einen Teil seiner Wert­schriften. Anleger können stattdessen auch einen Lombardkredit aufnehmen. So können sie weiterhin vom Renditepotenzial ihres Portfolios profitieren. Was dabei beachtet werden muss.

Lombardkredit erhöht die Liquidität

Ist der Wunsch vorhanden, eine Immobilie zu kaufen oder eine attraktive Anlagechance wahrzunehmen, wird meist eine Hypothek aufgenommen oder es werden bestehende Anlagen verkauft. Doch auch ein Lombardkredit kann dazu dienen, die kurzfristige Liquidität zu erhöhen und Engpässe zu überbrücken.

Bei einem Lombardkredit werden leicht handelbare Vermögenswerte wie Aktien, Obli­gationen oder Fonds verpfändet. Sie dienen als Sicherheit. Dafür erhält der Anleger von der Bank eine Kreditlimite, die jederzeit im Umfang des Belehnungswerts der Verpfän­dung beansprucht werden kann. Die Höhe des Belehnungswerts hängt wesentlich von der Art der Wertpapiere, deren Qualität und der erwarteten Volatilität ab. Auch die Währung und die Handelbarkeit der hinterlegten Vermögenswerte spielen beim Beleh­nungssatz eine Rolle, ebenso die Diversifikation über das gesamte Portfolio. Der Be­lehnungssatz wird durch die Bank festgelegt und regelmässig überprüft.

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Beispiel für die Berechnung der maximalen Höhe des Lombardkredits

Quelle: Credit Suisse

Einsatzmöglichkeiten eines Lombardkredits

Der Lombardkredit kann vielseitig eingesetzt werden und bietet sich an, wenn die Renditeerwartung auf den verpfändeten Vermögenswerten die Kreditkosten übersteigt. Typischerweise wird ein Lombardkredit dann aufgenommen, wenn zusätzliche Liquidität gebraucht wird, aber kein investiertes Kapital veräussert werden soll.

So beispielsweise beim Kauf oder bei der Renovierung eines Ferienhauses im Ausland, das nicht über eine Hypothek finanziert werden kann. Auch für den Einkauf in die Pensions¬kasse oder für die Vergabe eines Erbvorbezugs kann es sinnvoll sein, einen Lombardkredit aufzunehmen. Ein Lombardkredit kann aber auch für den Kauf weiterer Wertschriften verwendet werden, um die Rendite zu erhöhen oder das bestehende Portfolio zusätzlich zu diversifizieren.

Lombardkredit unterliegt dem Marktrisiko

Die Vorteile des Lombardkredits liegen auf der Hand: Anleger profitieren weiterhin von den Renditechancen des investierten Kapitals und von einem günstigen Zinssatz. Diese Art von Darlehen ist zudem sehr flexibel und kann bezüglich Höhe und Laufzeit an die individuellen Bedürfnisse angepasst werden. Gleichzeitig behält der Anleger weiterhin die Kontrolle über seine Wertpapiere. Solange der Kredit gedeckt ist, kann das Portfolio trotz Verpfändung jederzeit verändert werden.

Allerdings unterliegt die Sicherstellung des Lombardkredits dem Marktrisiko. Verliert das Portfolio an Wert oder werden einzelne Anlagen aufgrund von Ereignissen als risikoreicher als zuvor eingestuft, wirkt sich das auf den Belehnungssatz aus. Wird dieser überschritten, müssen zusätzliche Sicherheiten eingebracht oder die Kreditbenutzung reduziert werden. Sollte dies jedoch nicht möglich sein, darf die Bank im Notfall verpfändete Wertschriften verkaufen.
 

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Unterdeckung des Lombardkredits bei sinkendem Marktwert

Quelle: Credit Suisse

Rendite trotz Kredit

Trotz der Risiken kann der Lombardkredit sehr attraktiv sein. Er lohnt sich grundsätzlich, wenn der Anleger überzeugt ist, dass seine Investitionen mehr Rendite abwerfen, als der Kredit an Zinsen kostet. Der gewählte Lombardkredit sollte aber stets an das eigene Risikoprofil bzw. die Risikofähigkeit und die Risikobereitschaft angepasst sein. Eine entsprechende Beratung ist daher empfehlenswert. 

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