Ehe und Konkubinat im Vergleich
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Was sind die Unterschiede zwischen Ehe und Konkubinat?

Renten- und Erbansprüche von Ehegatten sind gesetzlich umfassend geregelt. Für das Zusammenleben ohne Trauschein gibt es keine rechtlichen Grundlagen: Konkubinatspaare können vieles, aber nicht alles so regeln, dass sie Ehepartnern annähernd gleichgestellt sind.

Die Ehe wird im Schweizerischen Zivilgesetzbuch als Teil des Familienrechts umfassend geregelt. Obwohl auch das Konkubinat weitverbreitet ist, existiert für das Zusammenleben ohne Trauschein bis heute keine rechtliche Grundlage. Die Gerichte stützen sich deshalb meist auf die Normen der einfachen Gesellschaft und des Auftragsrechts. Das Problem dabei: Diese Bestimmungen sind nicht dazu gedacht, das Zusammenleben zweier Personen zu regeln. Konkubinatspaare sollten deshalb mit Vorteil einen Konkubinatsvertrag abschliessen.

Die Unterschiede bei der 1. Säule: Staatliche Vorsorge

Verheiratete Paare profitieren bei der AHV-Rente von den Beiträgen des anderen: Dank dem Beitragssplitting bekommt der weniger verdienende Partner eine höhere Rente. Ehepaare erhalten allerdings maximal das Eineinhalbfache der maximalen Einzelrente.
Stirbt eine Person, erhält die/der Hinterbliebene eine Witwen- bzw. Witwerrente. Sogar geschiedene Personen haben unter bestimmten Voraussetzungen Anrecht auf eine AHV-Rente.

  • Frauen erhalten eine Witwenrente, wenn sie zum Zeitpunkt der Verwitwung mindestens ein Kind haben oder älter als 45 Jahre sind und mindestens fünf Jahre verheiratet waren.
  • Männer erhalten eine Witwerrente, solange sie Kinder unter 18 haben.

Die AHV sieht keine Leistungen für Konkubinatspaare vor. Ist ein Konkubinatspartner erwerbstätig und der andere nicht, profitiert die nichterwerbstätige Person nicht von den Beiträgen des erwerbstätigen Partners. Auch werden die Altersrenten nicht auf das Eineinhalbfache wie bei Ehepaaren begrenzt. Im Todesfall hat der überlebende Partner zudem kein Anrecht auf Leistungen.

Die Unterschiede bei der 2. Säule: Berufliche Vorsorge (Pensionskasse)

Im Todesfall erhält der hinterbliebene Ehegatte eine Witwen- bzw. Witwerrente,

  • wenn sie/er unterhaltspflichtige Kinder hat,
  • wenn sie/er älter als 45 Jahre ist und die Ehe mindestens fünf Jahre dauerte.

Auch geschiedene Personen haben unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf eine Rente aus der Pensionskasse. Kommt es zu einer Scheidung, wird das Vorsorgeguthaben aufgeteilt.

Konkubinatspartner bauen unabhängig voneinander die berufliche Vorsorge auf. Die Vorsorgestiftung kann im Todesfall Leistungen an Konkubinatspartner entrichten, sie muss es aber nicht. Entscheidend ist das Leistungsreglement der jeweiligen Vorsorgestiftung. Kommt es zu einer Trennung, wird das angesparte Guthaben nicht geteilt, wie das bei verheirateten Personen der Fall ist.

Die Unterschiede bei den Freizügigkeitsgeldern

Wer vorübergehend oder dauerhaft keiner Pensionskasse angehört, kann das angesparte Geld auf einem Freizügigkeitskonto verwalten. Verstirbt eine verheiratete Person mit einem Freizügigkeitskonto, geht das Geld in erster Linie an den Ehepartner. Ebenfalls begünstigt sein können Waisen, Pflegekinder und allenfalls geschiedene Ehegatten. Konkubinatspartner können in eingeschränktem Umfang begünstigt werden.

Die Unterschiede bei der 3. Säule: Private Vorsorge

Bei einer Scheidung kann der Ehepartner auf eine Teilung des Säule-3a-Vermögens bestehen, sofern das Paar keine Gütertrennung vereinbart hat und das Geld nicht aus vorehelichen Ersparnissen oder Erbschaften besteht.

Im Todesfall geht das Geld der gebundenen Vorsorge an die gesetzlich vorgeschriebenen Begünstigten, das sind:

  1. Ehepartner oder eingetragener Partner,
  2. a) direkte Nachkommen und natürliche Personen, die von der verstorbenen Person in erheblichem Masse unterstützt worden sind, oder
    b) die Person, die mit der verstorbenen Person in den letzten fünf Jahren bis zu ihrem Tod eine ununterbrochene Lebensgemeinschaft geführt hat, oder
    c) die Person, die für den Unterhalt eines oder mehrerer gemeinsamer Kinder aufkommen muss,
  3. Eltern,
  4. Geschwister,
  5. übrige Erben.

Im Todesfall stehen Konkubinatspartner gemeinsam mit den Kindern der verstor¬benen Person an zweiter Stelle der Begünstigtenordnung. Auf Platz eins liegen allfällige Ehepartner oder eingetragene Partner. Innerhalb der Ziffer 2 kann jedoch der Vorsorgenehmer die Begünstigen und deren Ansprüche näher bezeichnen. Fragen Sie Ihre Versicherung oder Ihre Bank nach den erforderlichen Formularen.

Bei einer Trennung der Konkubinatspartner bleibt das Geld vollumfänglich beim Inhaber.

Vermögen der Säule 3b wird ehe- und erbrechtlich wie das übrige Vermögen behandelt. Die restlichen Vermögenswerte, ausgenommen Versicherungen, werden gemäss Erbrecht und bei verheirateten Personen gemäss Ehegüterrecht an die Erbberechtigten übertragen. In Versicherungen der freien Vorsorge kann die Begünstigung frei gewählt werden. Massgebend ist dort somit die Begünstigungsregelung in der Police.

Die Unterschiede bei der Nachlassplanung

Bei verheirateten Personen kommt im Todesfall zuerst das Güterrecht zum Zug. Ohne Ehevertrag gilt die Errungenschaftsbeteiligung: Das Ehevermögen besteht aus dem Eigengut und der Errungenschaft jedes Ehepartners. Die hinterbliebene Person erhält ihr Eigengut und die Hälfte der Errungenschaften. Der Rest fällt in den Nachlass. An diesem Nachlass ist die verwitwete Person erbberechtigt. Ehegatten kommen also bei der Verteilung des ehelichen Vermögens zweimal zum Zug.

Überlebende Konkubinatspartner gelten als «nicht verwandt» und somit nicht als gesetzliche Erben. Sollen sie begünstigt werden, muss das mit einem Testament oder mit einem Erbvertrag geregelt werden, was aufgrund von pflichtteilsberechtigten Erben nicht immer vollumfänglich möglich ist. Denn nur so können Streitigkeiten mit den gesetzlichen Erben (zum Beispiel Kindern der verstorbenen Person) vermieden werden.

Die Unterschiede bei den Steuern

Bei den Einkommens- und Vermögenssteuern werden die Einkommen und das Vermögen von Verheirateten zusammengezählt. Besonders bei den Bundessteuern führt dies zu einer höheren Steuerbelastung für doppelt verdienende Ehepaare.

Konkubinatspaare werden individuell besteuert.

Bei Erbschaften und Schenkungen sind Ehepaare im Vorteil, weil sie in allen Kantonen von der Steuer befreit sind. Erbschaften und Schenkungen an Konkubinatspartner haben immer Erbschafts- und Schenkungssteuern zur Folge. Einzelne Kantone sehen eine privilegierte Besteuerung vor.