Rente oder Kapital
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Rente oder Kapital?

Das Pensionskassenguthaben ist oft das grösste Vermögen. Und vor der Pensionierung stellt sich die Frage: Soll man es sich auszahlen lassen oder lebenslang eine sichere Rente beziehen? Die individuelle Lösung ist immer die beste.

Mindestens ebenso wichtig wie der Lohnausweis für die Steuererklärung ist der Pensionskassenausweis. Dort ist berechnet, wie hoch die Rente und das Alterskapital bei der Pensionierung voraussichtlich sind. Gesetzlich hat jeder Versicherte das Recht, mindestens ein Viertel des obligatorischen BVG-Altersguthabens in Kapitalform zu beziehen. Bei etwa der Hälfte aller Kassen darf man sogar alles herausnehmen. Wer sich für den Kapitalbezug entscheidet, muss dies je nach Pensionskasse bis zu drei Jahre im Voraus mitteilen. Und man muss felsenfest von diesem unwiderruflichen Entschluss überzeugt sein, den man nur einmal im Leben trifft.

Die zwei Möglichkeiten im zeitlichen Verlauf

Die zwei Möglichkeiten im zeitlichen Verlauf

Rente oder Kapital: Alles auf einmal, oder sichere Renten bis zum Lebensende?

Wichtig: Bei der Frage Kapital oder Rente gibt es kein «richtig oder falsch». Die Antwort hängt von verschiedensten Faktoren ab, beispielsweise auch von der gesundheitlichen Verfassung. Wählt jemand die bis zum Tod garantierte Rente und stirbt kurz nach der Pensionierung, verbleibt das Guthaben unter Umständen bei der Kasse. Wer schon vor der Pensionierung ernsthafte gesundheitliche Probleme hat, sollte diesen Umstand bei der Entscheidung berücksichtigen.

Kommt hinzu: Das Bundesgesetz über die berufliche Vorsorge (BVG) ist ein Minimalgesetz. Es deckt nur gewisse Minimalanforderungen ab, das als BVG-Obligatorium bezeichnet wird. So sind beispielsweise nur Jahreseinkommen von 21’150.– bis 84’600.– Franken zwingend versichert. Und nur für diesen Teil gilt der gesetzlich festgelegte Umwandlungssatz von aktuell 6,8 Prozent. Ein so genanntes überobligatorisches Altersguthaben entsteht zum Beispiel, wenn bei Gutverdienern höhere Löhne versichert sind. Dieses Altersguthaben darf die Pensionskasse u. a. zu einem tieferen Umwandlungssatz verrenten und tiefer verzinsen.

Den Entscheid sorgfältig abwägen

  BVG-Rentenbezug
Kapitalbezug
Einkommen
Regelmässig, bis ans Lebensende, abhängig vom Umwandlungssatz
Unregelmässig, je nach Anlagerendite
Anlageentscheide
Fällt die Vorsorgeeinrichtung
Werden individuell gefällt
Flexibilität
Keine Flexibilität
Flexible Verfügbarkeit
Kapitalverzehr
Systematisch
Nach Bedarf
Todesfall (Vererbbarkeit)
Allenfalls reduzierte Leistung (Ehegattenrente), keine Leistung für nicht verheiratete Hinterbliebene
Restkapital fällt in den Nachlass
Steuern
Rente zu 100 % steuerpflichtig
Einmalige Besteuerung zum Vorsorgetarif (kantonal unterschiedlich), Anlageerträge steuerpflichtig

Vor- und Nachteile bei Kapitalbezug

Anders beim Kapitalbezug: Der Bezüger kann frei über sein gesamtes Guthaben verfügen, das Geld anlegen, damit eine Hypothek amortisieren oder sich ein teures Hobby finanzieren. Und beim Tod geht das Geld nicht wie bei der Rente verloren, es kann mit dem sonst vorhandenen Vermögen auch vererbt werden. Doch wenn der Kapitalbezüger sehr alt wird und das Kapital verbraucht ist, muss er sich mit der AHV und allenfalls Ergänzungsleistungen zufriedengeben.

Immer mehr Menschen wählen deshalb eine Mischform: eine Rente, die zusammen mit der AHV für eine sichere Basis sorgt und die Fixkosten deckt, und den teilweisen Kapitalbezug, der Spielraum für individuelle Bedürfnisse lässt. Zusätzlich zur persönlichen Situation müssen auch rechtliche und regulatorische Rahmenbedingungen beachtet werden.

Neben den Gesetzen ist das vor allem das Reglement der Pensionskasse. Dort ist festgehalten, wie viel Geld bezogen werden darf und bis wann die Absicht der Kasse gemeldet werden muss. Auch die steuerliche Situation gilt es zu berücksichtigen: Eine Rente muss als Einkommen versteuert werden, der Kapitalbezug wird einmal zu einem reduzierten Steuersatz besteuert, danach sind nur noch das Vermögen und die Erträge daraus steuerpflichtig.

Vor- und Nachteile beim BVG-Rentenbezug

Vorteile
  • Regelmässig
  • Sicher
  • Kein Aufwand
  • Rente für Hinterbliebene
Nachteile
  • Unflexibel
  • Im Todesfall geht nicht als Rente ausbezahltes Geld an PK

Vor- und Nachteile beim Kapitalbezug

Vorteile
  • Frei verfügbar
  • Im Todesfall kann Geld vererbt werden
Nachteile
  • Anlagerisiken/Wertschwankungen
  • Langlebigkeitsrisiko

Massgeschneiderte Losungen

Ob sich jemand für Flexibilität und Steuervorteile oder für Sicherheit und wenig Aufwand entscheidet, hängt also u. a. von den Familienverhältnissen (alleinstehend, Kinder), der Wohnsituation (Hypotheken), der Gesundheit und den persönlichen Vermögensverhältnissen ab. Nur mit einer Analyse, einem Budget und einer Planung ist eine individuelle und massgeschneiderte Lösung möglich. Bestenfalls lässt man sich das erste Mal etwa zehn Jahre vor der Pension beraten. Und weil es sich um eine einmalige Entscheidung handelt, sollten neben dem Bauch vor allem Zahlen und Fakten entscheiden.