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Die Ernährungsrevolution befindet sich auf dem Vormarsch

In den letzten 20 Jahren hat sich die Ernährung in unseren Gesellschaften einen festen Platz als wichtiger Faktor für ein gesünderes Leben erobert. Das dürfte spannende Anlagemöglichkeiten bieten.

Immer mehr Verbraucher, aber auch Anleger interessieren sich für Ernährungsthemen, die eine der Facetten der allgemeinen Entwicklung hin zu mehr Gesundheitsbewusstsein darstellen.

Der Klimawandel schreitet immer schneller voran und wir stehen vor der grossen Herausforderung, eine stetig wachsende Bevölkerung mit zunehmend knappen Ressourcen zu ernähren.

Es steht ausser Frage, dass wir anders produzieren, verteilen und konsumieren müssen – und das so bald wie möglich. Und wie jede grosse Veränderung bringt diese Ernährungsrevolution für Unternehmen und Anleger sowohl neue Herausforderungen als auch Chancen mit sich.

Die Welt steht vor einer Agrar- und Ernährungsrevolution

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Landwirtschaft mit einer stark wachsenden Bevölkerung konfrontiert und musste sich auf deren veränderte Bedürfnisse einstellen. Im Laufe der nächsten Jahrzehnte nahmen die landwirtschaftlichen Erträge stark zu, in erster Linie dank Pestiziden, Düngemitteln und der fortschreitenden Mechanisierung der Betriebe.

Heute liegt eine weitere Agrarrevolution vor uns und auch sie ist durch eine steigende Nachfrage gekennzeichnet. Diesmal stehen wir aber vor zusätzlichen Problemen. Unser aktuelles Ernährungssystem ist in seiner Gesamtheit hochgradig ineffizient. Drastischer formuliert: Es stellt eine Gefahr für unsere Gesundheit und unseren Planeten, aber auch für unsere Wirtschaft dar.

Mehrere Gründe sprechen für einen nachhaltigen Konsum

Die Gesundheit ist dabei der Aspekt, der sich am direktesten auf uns auswirkt. Für fast zwei Milliarden Menschen ist Ernährungsunsicherheit eine Realität, während 1,8 Milliarden von Übergewicht oder Adipositas betroffen sind. Eine zu kalorien- und zuckerhaltige Ernährung mit zu vielen tierischen Lebensmitteln ist der Hauptgrund für Adipositas. Diese schlechten Ernährungsgewohnheiten kommen der Wirtschaft teuer zu stehen. Allein in den USA werden jährlich 50 Milliarden US-Dollar für die Behandlung ernährungsbedingter Krankheiten aufgewendet.

Auch die Erde leidet an den Folgen dieser Ernährungsweise. Eine Verringerung der Auswirkungen von Lebensmitteln auf die Umwelt ist daher unabdingbar. Das Ernährungssystem ist für 26 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich – wobei die Hälfte der Viehwirtschaft anzulasten ist. Ein weiteres alarmierendes Beispiel: 90 Prozent des weltweiten Süsswasserverbrauchs sind der Erzeugung und dem Konsum von Lebensmitteln zuzurechnen.

Das Konsumverhalten wirkt sich auch auf Volkswirtschaften aus, was sich anhand der Verluste durch Lebensmittelverschwendung gut veranschaulichen lässt: Im Jahr 2019 wurden Lebensmittel im Wert von 408 Milliarden US-Dollar nicht verkauft oder verbraucht. Insbesondere Obst und Gemüse landen oft im Müll.

Verschiedene Ansätze für einen nachhaltigen Konsum

Im Kampf gegen Umweltzerstörung, gesundheitliche Risiken und Lebensmittelverschwendung sind verschiedene Lösungen denkbar, die auch der steigenden Bevölkerungszahl gerecht werden. In jedem Fall müssen wir Ernährung von der Erzeugung bis zum Konsum von Lebensmitteln radikal neu denken – und zwar ab sofort. Unser Denken und Handeln sollte sich dabei an drei unterschiedlichen Ansätzen orientieren.

Der erste Ansatz sieht einen Wandel der Erzeugung vor, die nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch effizienter werden muss. So geht man beispielsweise davon aus, dass die vertikale Landwirtschaft sehr viel ertragreicher ist als die traditionelle Landwirtschaft. Sie könnte auch eine Antwort auf das Problem des Abflusses von Pestiziden sein und würde eine konsumentennahe Produktion ermöglichen.

An zweiter Stelle ist die Förderung einer nachhaltigen Ernährung zu nennen, der im Hinblick auf die Produktion stärker kontrollierter, besser verpackter und stärker an den Konsumentenbedürfnissen ausgerichteter Lebensmittel – und damit im Kampf gegen Lebensmittelverschwendung – eine Schlüsselrolle zukommt. Um hier Fortschritte zu erzielen, arbeiten bereits mehrere Unternehmen an Lösungen für eine bessere Überwachung der Kühlkette und die optimierte Nachverfolgung von Lebensmitteln mittels Blockchain-Technologie.

Beim dritten Ansatz geht es um den Konsum gesünderer, nährstoffreicherer und nachhaltigerer Lebensmittel. Trotz der damit verbundenen Vorteile wollen nicht alle Insekten oder Laborfleisch auf dem Teller haben. Fest steht jedoch, dass eine Entwicklung in Richtung neuer Produkte im Gange ist, die gesünder und nährstoffreicher sind.

Laut einer Studie von Global Industry Trends könnte der Markt für gesunde Bio-Lebensmittel 2030 ein Volumen von 570 Milliarden US-Dollar haben und der Pflanzenmilch-Markt bis 2027 auf 38,9 Milliarden US-Dollar anwachsen.

Innovative Unternehmen sind attraktiv für Anleger

Es drängt sich die Frage auf, wie realistisch ein solch grundlegender Wandel der Ernährungsgewohnheiten ist. Denn auch wenn durch Ziel 2 der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) – den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern – der Weg klar vorgegeben wird, kann die Umsetzung komplexe Fragen für Anleger aufwerfen, die von den Entwicklungen profitieren möchten.

Immerhin wird die Lebensmittelbranche zu einem sehr grossen Teil von einer Reihe von Grosskonzernen dominiert, die ihren Umsatz und ihre Positionierung Produkten und Produktionsmethoden verdanken, die im Rahmen der Ernährungsrevolution zunehmend infrage gestellt werden.

Diese Branchenriesen sehen sich nun mit innovativen Unternehmen konfrontiert, die als Wegbereiter und Akteure einer Ernährungstransformation fungieren, welche die Erde dringend braucht. Anleger sind gut beraten, ihre Aufmerksamkeit auf diese Unternehmen zu richten, denn hier findet sich eine grosse Zahl von Pure-Play-Unternehmen, bei denen mindestens 50 Prozent der Umsätze oder der Geschäftsaktivitäten auf diesen Bereich entfallen.

So können sie die mit dem Kauf von Titeln von Large-Cap- oder Mega-Cap-Unternehmen verbundene Gefahr einer Verwässerung vermeiden, wobei davon auszugehen ist, dass sich einige der etablierten Akteure geschickt als Vorreiter der Wende positionieren werden.

Die Ernährungsrevolution steht noch am Anfang

Die Entwicklung in diesem Bereich steht natürlich noch ganz am Anfang, doch dieses Thema passt perfekt zu den «Supertrends» der Credit Suisse – langfristigen gesellschaftlichen Entwicklungen, die mit Herausforderungen verbunden sind, denen wir uns heute stellen müssen.

Die Weltbevölkerung wächst und mit ihr die Nachfrage nach nahrhaftem und gesundem Essen, die einer konstanten Entwicklung unterworfen ist. Um ihr gerecht werden zu können, müssen wir Ernährung von der Erzeugung bis zum Konsum radikal neu denken. Für die Erde stellt dies eine Notwendigkeit dar.

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