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Das müssen Sie über die Inflation wissen

Inflation ist wie Zahnpasta. Einmal aus der Tube, bekommt man sie nur schwer wieder hinein. Inflation entsteht, wenn Wettbewerb fehlt. Dann senkt sie unsere Kaufkraft und verzerrt die Signalwirkung von Preisen. Deshalb ist es wichtig, Inflation zu vermeiden. Sie ist eine wichtige Zielgrösse der Geld- und Strukturpolitik.

Wie entsteht Inflation?

Investoren fürchten sich vor Inflation. Sie haben Angst vor Wertverlust und unkontrollierbaren Aktienmärkten. Doch ist Inflation zu Recht das Schreckgespenst der Anleger? Welche Auswirkungen hat Inflation auf Anlagen?

Um diese Fragen zu beantworten, müssen wir erst einmal verstehen, wie es zu einer Inflation bzw. Teuerung kommt. Einerseits entsteht Inflation durch eine stärkere Nachfrage auf der Konsumentenseite. Zu Inflation kommt es andererseits auch, wenn die Produktion von Waren teurer wird, beispielsweise weil Rohstoffe mehr kosten oder die Löhne steigen. Beides führt zu höheren Preisen von Gütern.

Inflation ist besser als Deflation

Eine leichte Inflation ist von Politik und Wirtschaft gewünscht. So strebt beispielsweise die US-Notenbank Fed eine Inflationsrate von 2 Prozent an. Denn Inflation sorgt für Wachstum. In Erwartung höherer Preise investieren Unternehmen. Weil es den Firmen gut geht, können sie zudem höhere Löhne zahlen. In der Folge kaufen Konsumenten mehr ein. Beides sind wichtige Voraussetzungen für eine gesunde Wirtschaft.

Zudem schützt eine leichte Inflation vor einer Deflation, die das Wirtschaftswachstum blockieren und gar zu einer Wirtschaftskrise führen könnte. Eine zu hohe Inflation kann allerdings das Wirtschaftswachstum bremsen. Denn diese würde die Kaufkraft übermässig schmälern und Investitionen wiederum unattraktiv machen.

Notenbanken steuern mit den Leitzinsen die Inflation

Aus diesen Gründen sind die Notenbanken bestrebt, eine stabile Inflation aufrechtzuerhalten. Dafür nutzen sie insbesondere das Mittel der Zinsen. Ist die Inflation tiefer als erwünscht, senken die Notenbanken den Leitzins. Dadurch kommen Unternehmen günstiger an Kredite. Investitionen werden attraktiv und das Wirtschaftswachstum wird angekurbelt, was sich auch auf die Stimmung der Konsumenten sowie die Inflation auswirkt.

Droht die Inflation dagegen aus dem Ruder zu laufen, erhöhen Notenbanken ihre Leitzinsen. In der Folge müssen für Kredite höhere Zinsen gezahlt werden, was die Investitionstätigkeit der Unternehmen sowie die Konsumfreudigkeit von Privaten dämpft. Die sinkende Nachfrage wirkt sich auf die Teuerung aus.

Solange wir den freien Wettbewerb nicht einschränken, müssen wir uns wenig Sorgen vor Inflation machen.

Burkhard Varnholt, CIO Swiss Universal Bank / Deputy Global CIO

Folgen der Inflation für die Börse

Auch auf dem Finanzmarkt bleiben Inflation und insbesondere steigende Leitzinsen nicht ohne Folgen. Bei Aktien ist entscheidend, wie hoch die Inflation ausfällt. Eine moderate Inflation, die einhergeht mit gesundem Wirtschaftswachstum, unterstützt die Kursentwicklung von Aktien. Ein Zuviel an Inflation führt dagegen zu Sorgen in der Wirtschaft. Unsicherheit bis hin zu panikartigen Verkäufen können an der Börse die Folge sein.

Bei Anleihen ist das Bild zweiteilig. Ihre Entwicklung hängt zudem weniger von der Inflation als vielmehr von der Entwicklung der Leitzinsen ab. So verlieren bisherige Anleihen im Portfolio an Wert, sobald für neu ausgegebene Obligationen höhere Zinsen geboten werden. Wer dagegen zum richtigen Zeitpunkt in neu emittierte Anleihen investiert, profitiert von höheren Zinsen für die gesamte Laufzeit.

Fünf aktuelle Fragen zur Inflation

Die Fragen beantwortete Burkhard Varnholt, CIO Swiss Universal Bank / Deputy Global CIO der Credit Suisse.

  1. Mit welcher Inflationsquote ist 2018 und 2019 zu rechnen?
    Unsere Inflationsprognose für die Schweiz liegt bei etwa 0,5 Prozent, also sehr niedrig. In den USA dürfte die Inflation hingegen höher ausfallen – wir erwarten 2,3 Prozent. Das hat insbesondere mit dem schwachen Doller und dem hohen Leistungsbilanzdefizit zu tun, über das die USA automatisch in einem höheren Mass als die Schweiz Inflation «importieren».
  2. Ist die Furcht vor hoher Inflation begründet?
    Inflation wird meist von Menschen verursacht. Ihr ärgster Feind ist der freie Wettbewerb. Wenn Unternehmen Preise setzen, dann hat das in der Regel weniger mit der herrschenden Geldpolitik als mit dem kompetitiven Preisdruck zu tun. Man kann auch sagen, dass Globalisierung und Digitalisierung die meisten Unternehmen zu «Preisnehmern» machen. Solange wir den freien Wettbewerb nicht einschränken, müssen wir uns in solchen Märkten wenig vor Inflation sorgen. Inflation findet hingegen in all jenen Branchen statt, in denen der freie Wettbewerb eingeschränkt wird. Das gilt beispielsweise für das Gesundheitswesen oder auch für die Landwirtschaft. Dort zahlen Konsumenten Mehrpreise, weil der politische Souverän keinen ganz freien Wettbewerb zulassen will.
  3. Welche Risikofaktoren könnten zu einer hohen Inflation führen?
    In erster Linie eine Umkehrung der vorherigen Faktoren. Jede Einschränkung des freien Wettbewerbs – und darin liegt natürlich ein Risiko der aktuellen Handelsspannungen – erhöht das Inflationsrisiko.
  4. In welchem Ausmass sollten die Leitzinsen der Fed, EZB und SNB steigen?
    Die Leitzinsen stehen in einem engen Zusammenhang mit dem Wirtschaftswachstum. Wächst die Wirtschaft stark, so steigt auch die Kapitalnachfrage. Ist dies der Fall, sollten die Leitzinsen angehoben werden. Hinzu kommt, dass wir in einer Phase mit ungewöhnlich tiefen Leitzinsen stecken, die immer noch durch die Finanzkrise von 2008 geprägt ist. Das Zinsniveau sollte sich normalisieren, denn auf Dauer kann keine Wirtschaft gut mit negativen Zinsen umgehen.
  5. Welche Auswirkungen hat die erwartete Inflation auf Aktien und Anleihen?
    Inflation führt meist zu einem Anstieg der Kapitalmarktrenditen. Diese setzen sich immer aus zwei Komponenten zusammen: einem Inflationsausgleich und dem Realzins. Bei Anleihen mit fester Verzinsung löst jeder Zinsanstieg einen Kursverlust aus. Man darf aber nicht übersehen, dass ein Zinsanstieg auch die Reinvestitionsmöglichkeiten für Anleger verbessert.

    Der Einfluss auf Aktien ist weniger eindeutig als der Einfluss auf Anleihen. Eine moderate Inflation unterhalb von 3 bis 4 Prozent kann zu Umschichtungen von Anleihen in Aktien führen. Deshalb gehen eine moderate Inflation und steigende Aktiennotierungen oft Hand in Hand. Ab einer gewissen Schwelle beginnt die Inflation jedoch den Wert von Aktien zu untergraben.