Kann ich mir eine Frühpensionierung leisten?
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Kann ich mir eine Frühpensionierung leisten?

Können Sie sich eine Frühpensionierung leisten? Und falls Ja, wann ist der frühestmögliche Zeitpunkt? Erfahren Sie, worauf Sie achten müssen und wie Ihnen die finanzielle Umsetzung dieses Vorhabens gelingt – zum Beispiel mit Überbrückungsrenten, einer gestaffelten Pensionierung und der privaten Vorsorge. 

Die Lebenserwartung nimmt zu, doch wir werden nicht nur immer älter. Zählten noch vor 20, 30 Jahren damals 70-jährige Menschen zum alten Eisen, so bezeichnet sich heute noch mancher 80-Jährige als fit, rüstig und unternehmungslustig. Wen wundert’s, befassen sich heute immer mehr Menschen mit einem frühzeitigen oder gestaffelten Rückzug aus dem Erwerbsleben: Zwei von drei Schweizern möchten sich frühzeitig pensionieren lassen. Sie wollen nach intensiven Berufsjahren mehr Zeit mit Enkeln, dem Lebenspartner und ihren Hobbys verbringen. Das ist schnell gesagt und hört sich einfach an. Wesentlich komplizierter ist die finanzielle Umsetzung dieses Vorhabens. Die grösste Herausforderung besteht darin, alle Facetten der Vorsorge zu erfassen und die verschiedenen Elemente untereinander zu koordinieren. 

Vorbezug bedeutet Rentenkürzung

Aus der 1. Säule, der obligatorischen staatlichen Vorsorge, wird die AHV-Rente erstmals bei Erreichen des ordentlichen Rentenalters ausbezahlt. Ein Vorbezug der AHV-Rente um maximal zwei Jahre ist möglich. Doch aufgepasst: Ein solcher Vorbezug führt zu einer lebenslangen Rentenkürzung, die momentan 6,8 Prozent pro Vorbezugsjahr beträgt.

Auch bei der 2. Säule, der obligatorischen beruflichen Vorsorge (BVG), ist ein vorzeitiger Bezug möglich. Eine vorzeitige Pensionierung kann frühestens ab dem vollendeten 58. Altersjahr erfolgen. Gemäss dem aktuellen Reformpapier von Bundesrat Alain Berset soll diese Barriere künftig für AHV und BVG auf 62 Jahre vereinheitlicht werden. Früher als mit 62 lassen sich heute schon nur wenige pensionieren, denn die Rentenkürzungen sind enorm.

Weniger lang sparen ergibt weniger Zinsen

Eine Faustregel besagt, dass pro Jahr der vorzeitigen Pensionierung die Rente lebenslang um 5 bis 8 Prozent kleiner wird. Der Grund: Es wird einerseits weniger lang Alterskapital gespart sowie verzinst. Und dieses kleinere Kapital muss erst noch länger ausreichen – und zwar um die Dauer der vorzeitigen Pensionierung. Weil ein längerer Rentenbezug entsteht, rechnet die Vorsorgeeinrichtung nämlich mit einem kleineren Umwandlungssatz.

Flexible Lösungen in der 2. Säule

Doch all das muss nicht sein. Verschiedene Pensionskassen bieten Frühpensionierten eine Überbrückungsrente an. So können diese die Zeit zwischen der Frühpensionierung und dem Start der AHV-Rentenzahlungen finanziell überbrücken. Finanziert wird dies aber meist aus dem angesparten Pensionskassenkapital, was wiederum zu einer tieferen Altersleistung führt.

Eine weitere Variante: Seit Anfang 2011 können Pensionskassen aufgrund einer Gesetzesänderung eine vorzeitige Teilpensionierung attraktiver machen. Versicherte, die sich teilpensionieren lassen, aber noch mindestens 50 Prozent des bisherigen Lohns verdienen, können weiterhin die vollen Pensionskassenbeiträge einzahlen. Das hat einen grossen Vorteil: So bleibt die Rente in ihrer ursprünglichen Höhe erhalten.

Gestaffelte Pensionierung – ein Gewinn für alle

Auch wer sein Arbeitspensum schrittweise herunterfährt (gestaffelte Pensionierung), kann die finanzielle Einbusse einer Frühpensionierung verringern. Laut einer Studie des Bundesamts für Sozialversicherungen gewinnt der gleitende Übergang vom Erwerbsleben in die Pension an Bedeutung. Viele Firmen sind an älteren Mitarbeitenden mit spezifischen Kenntnissen und Know-how interessiert. Solche flexiblen Lösungen können somit eine Win-win-Situation für den Arbeitnehmer und für die Firma sein.

Private Vorsorge füllt Einkommenslücke

Oft ist es aber bei einer tatsächlichen Frühpensionierung notwendig, die Einkommenslücke mit Ersparnissen zu füllen. Bestens geeignet sind dafür Guthaben der 3. Säule, der sogenannten privaten Vorsorge. Diese Sparvariante kann gezielt für individuelle Vorsorgelücken genutzt werden, die bei einer Frühpensionierung entstehen können. Eine weitere Möglichkeit ist der steuerlich begünstigte frühzeitige Einkauf von Beitragsjahren in die Pensionskasse, mit dem sich die verminderten Altersleistungen teilweise oder ganz kompensieren lassen.