Wohnsitzwechsel nach Pensionierung
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Umzug nach der Pensionierung – das gilt es zu beachten

Die Kinder sind ausgezogen, das Einfamilienhaus ist zu gross geworden. Mit der Pensionierung rückt bei vielen Paaren der Wunsch nach einer kleineren, altersgerechten Wohnung in den Vordergrund. Angehende Pensionäre sollten sich gründlich informieren, welche finanziellen Konsequenzen ihr Umzug in einen anderen Kanton haben kann.

Für Martha Senn wurde das grosse Einfamilienhaus immer mehr zur Belastung. Ihr Mann Ernst war beruflich oft unterwegs. Deshalb führte sie neben ihrer 80-Prozent-Stelle als Reisefachfrau den Haushalt weitgehend alleine. Nachdem auch die jüngste Tochter ausgezogen war, brachte Martha die Idee vor, das Haus an die Kinder zu übergeben und in eine kleinere Wohnung zu ziehen. Ernst meinte, dass er sich einen Umzug nach seiner Pensionierung durchaus vorstellen könnte, in zwei Jahren also.

Günstige Eigentumswohnung, aber höhere Steuern

Schon bei der ersten Suche im Internet stiess das Paar auf eine Eigentumswohnung im Nachbarkanton, die beide spontan begeisterte – besonders ihr Preis. Martha Senn war es, die ihrem Glück nicht ganz trauen mochte und vorschlug, doch noch mit einem Experten zu sprechen. Eine gute Idee, wie sich herausstellte. Die Freude am günstigen Objekt wäre aufgrund der hohen örtlichen Steuerbelastung wohl spätestens bei der nächsten Steuerrechnung getrübt gewesen.

Steuerberater klärt auf

Der beigezogene Steuerberater riet dem Paar eindringlich, nicht dem Reiz des günstigen Kaufpreises zu erliegen. Er zeigte auf, dass sich der Umzug in einen steuergünstigen Kanton aus finanzieller Sicht deutlich mehr lohnen würde, selbst wenn das Objekt dort 50 Prozent mehr kostete. Die Einsparungen beim Bezug der Vorsorgegelder und bei der Einkommens- und Vermögenssteuer wären im Vergleichskanton so hoch, dass bereits nach zehn Jahren der Mehraufwand beim Kaufpreis ausgeglichen wäre. Das Gespräch dauerte nur knapp eine Stunde, war aber für das weitere Leben von Martha und Ernst Senn eine bedeutende Weichenstellung. Heute wohnen sie in einem steuergünstigen Seekanton in einer Eigentumswohnung, die dem ersten Objekt in nichts nachsteht.

Fünf Dinge, die man bei einem interkantonalen Wohnsitzwechsel beachten muss

  1. Für die Steuern ist der Wohnort per 31. Dezember massgebend. Wer im November umzieht, ist am neuen Wohnort steuerpflichtig und bezahlt die Steuern zum örtlichen Tarif für das ganze Kalenderjahr.
  2. Quellensteuerpflichtige Personen müssen sich am neuen Wohnort über ihre Steuerpflicht erkundigen. Die Regelung ist von Kanton zu Kanton verschieden.
  3. Für die örtliche Besteuerung der Kapitalbezüge aus der Pensionskasse oder der Säule 3a ist der Stichtag der Fälligkeit bzw. der Zahlung massgebend.
  4. Für die Veranlagung der Erbschaftssteuer ist der letzte Wohnsitz des Erblassers massgebend. Das gilt auch für die Schenkungssteuer: Bei Schenkungen und Erbvorbezügen zählt der Wohnsitz des Schenkers. Die kantonalen Unterschiede sind gross. Die höchsten Steuersätze gelten in den Kantonen Tessin, Schaffhausen und St. Gallen, während Schwyz gar keine Erbschaftssteuer erhebt.
  5. Bei der Schenkungs- und Erbschaftssteuer gibt es eine Ausnahme: Für Grundeigentum ist jener Kanton bezugsberechtigt, in dem sich das Grundeigentum befindet.