Börsenzyklen: Wie Anleger von Bullenmärkten profitieren
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Börsenzyklen kennen – von Bullenmärkten profitieren

Nach globalen Krisen sind Bullenmärkte keine Seltenheit. Die stark gestiegenen Börsenkurse nach der Coronakrise sind ein eindrückliches Beispiel. Eine Erklärung dafür finden sich in den Börsenzyklen. Wer von zukünftigen Bullenmärkten profitieren will, sollte die Phasen eines Börsenzyklus kennen.

Déjà-vu: Börsenzyklen wiederholen sich

Die grossen Zyklen der Börsen, mit ihren Booms und Blasen, stellen einen faszinierenden Spiegel menschlichen und gesellschaftlichen Verhaltens dar. Das grosse Auf und Ab an den Börsen lernt man aus Erfahrung. Genau darin liegt möglicherweise das Privileg der erfahrenen Anleger. Sie verstehen grosse Börsenzyklen manchmal besser, können länger an der Hausse teilhaben und dennoch vor den anderen aussteigen.

Einen Anhaltspunkt für das Verständnis solcher Zyklen bieten die Phasen spekulativer Börsenzyklen des amerikanischen Nationalökonomen Charles Kindleberger:

Phase 1: Es entsteht ein neues Marktnarrativ. Technologisch-wirtschaftlichen Umbrüchen folgt oft die Entstehung eines neuen, relevanten Narrativs. Dieses beflügelt erst langsam, dann immer mehr die Phantasie vieler Marktteilnehmer. Solche Marktnarrative sind keineswegs nur Wunschträume. Sie verweisen vielmehr auf relevante Entwicklungen – sonst wären sie nur von kurzer Dauer.

Phase 2: Ein Boom setzt ein. Das neue Marktnarrativ wird zunehmend akzeptiert und eingepreist. Es schafft gewissermassen eine sich selbst erfüllende Prophezeiung, zieht immer weiteres Kapital an und initiiert damit – zunächst unbemerkt – einen Börsenboom. Gelegentliche Korrekturen verleihen dem Boom zusätzliche Resilienz und verlängern ihn gleichermassen. Denn sie bestätigen Anlegern, dass der Markt noch «gesund» und eben nicht «abgehoben» ist.

Phase 3: Es kommt zu Euphorie und Gewinnmitnahmen. In der dritten Phase richten sich alle Augen auf die Börsen. Jeder will auf den fahrenden Zug aufspringen – eine typische Falle für unerfahrene Anleger: Sie steigen zu spät ein und aus. Gier und unrealistische Versprechungen schaukeln den Prozess hoch.

Während erfahrene Anleger mit Gewinnen aussteigen, wollen unerfahrene weiter abwarten, obwohl diverse Signale bereits andeuten, dass der Höhepunkt überschritten ist. Doch die unerfahrenen Investoren hauchen der bereits absterbenden Blase mit Stützkäufen einen letzten Atem ein.

Phase 4: Es folgen Panik und Kapitulation. In der Endphase versiegt die bis dato endlos scheinende Liquidität. Dann geht alles rasend schnell. Kapitalkosten steigen sprunghaft. Immer mehr Unternehmen erleben eine Kreditklemme. Börsengänge werden abgesagt. Weitere Dominosteine fallen – und plötzlich suchen alle Anleger den Ausgang.

Doch wenn alle verkaufen wollen, ist es bereits zu spät. Die Börse befindet sich im freien Fall, Anleger kapitulieren. Jetzt ist König, wer über Cash und Nerven verfügt. Denn die besten Investments gelingen bekanntlich in der dunkelsten Stunde der Kapitulation.

Die vier Phasen eines Börsenzyklus

Die vier Phasen eines Börsenzyklus

Quelle: Variant Perception

Warum Börsenkurse steigen

Die Krise und der Stimulus nach der Coronakrise haben weltweit zu einer fast schwindelerregenden Vermögensinflation geführt. Und sie erhält unvermindert Auftrieb durch folgende Einflüsse:

  • Globale Liquiditätsflut der Notenbanken
  • Unverminderter Anlagenotstand fast aller Pensionskassen
  • Rekordkurs von Gewinnen und Margen
  • Rekordhohe private Finanzvermögen in Industrieländern
  • Anhaltende Erholung bei Aktienrückkäufen

Gerade weil ein Abflauen dieser starken Triebkräfte kaum absehbar sein dürfte, erscheint die aktuelle Finanzmarkthausse immer noch intakt und nicht abgehoben.

Wie Anleger einen Bullenmarkt nutzen sollten

Auch wenn alle Phasen eines Börsenzyklus interessant sind, hat besonders die Hausse nach der Coronakrise eine berechtigte Frage aufgeworfen: Was ist eigentlich heute noch billig? Sind Preis und Wert überhaupt noch relevante Kategorien? Gewiss. Sie sind es. Wichtiger scheint aber dennoch, dass überhöhte Anleihebewertungen fast zwangsläufig die Bewertungen von Aktien nach sich ziehen. Doch glücklicherweise sind die Aktienbörsen bislang weniger von Bewertungen als vom Gewinnwachstum getragen. Deshalb sollten Anleger in einem Bullenmarkt sollten drei Dinge beherzigen:

  1. Der beste Weg, um vom aktuellen Boom zu profitieren, führt über Disziplin, Diversifikation und eine passende Strategie.
  2. Marktkorrekturen stärken die Resilienz von Märkten. Anleger sollten sie nutzen, um freie Liquidität in passende Strategieanlagen zu investieren.
  3. Wenn Anleihen billig sind, ist die Hausse wahrscheinlich am höchsten Punkt.

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