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KMU-Exportindikator 3. Quartal 2011: Starker Franken verlangsamt Export-wachstum

Der starke Franken macht den Schweizer KMU zunehmend zu schaffen. Zwar sind sie weiterhin optimistisch und erwarten für das 3. Quartal 2011 erneut einen Anstieg der Exporte. Das Wachstum dürfte sich allerdings verringern, zumal sich die Konjunkturaussichten im Ausland eingetrübt haben. Die grosse Mehrheit der KMU ist zudem mit einem Margendruck konfrontiert. Das sind die wichtigsten Befunde des KMU-Exportindikators der Credit Suisse und der Osec.

Der Schweizer Franken hat im Verlauf des 2. Quartals 2011 gegenüber den Währungen in den wichtigsten Exportregionen nochmals an Stärke gewonnen. Das hinterlässt bei den Schweizer KMU Spuren: Zwei Drittel (67%) der im Rahmen der KMU-Exportperspektiven der Osec befragten Unternehmen erwarten, dass sich ihr Exportwachstum als Folge des starken Frankens verlangsamen wird. In den Vorquartalen waren es etwas mehr als die Hälfte (Q2/2011: 55%; Q1/2011: 58%). Insbesondere die Präzisionsindustrie (78%), die Metallin-dustrie (75%) und die Chemie/Pharma (74%) sind von der Wechselkursentwicklung stark betroffen. Resistenter sind die Sektoren Dienstleistungen und Elektrotechnik (je 57%).

Sogar 78% der KMU geben an, dass sich der starke Franken negativ auf ihre Gewinnmargen auswirkt. Darunter leiden vor allem die Präzisionsindustrie (89%), die Chemie/Pharma (87%), die Metallindustrie (85%) und die Elektrotechnik (83%). Die 22% der KMU, die keinen Margendruck befürchten, geben als Gründe an, dass sie Preiserhöhungen durchsetzen
können und sich gegen Kursveränderungen absichern.

Die Zeichen stehen nach wie vor auf Expansion
Das Exportbarometer der Credit Suisse, das die ausländische Nachfrage nach Schweizer Produkten abbildet, notiert auf einem Stand von 0.4. Die Exportaussichten haben sich somit zwar abgeschwächt, liegen aber noch immer über der Wachstumsschwelle von -1. Auch die KMU-Exportperspektiven der Osec, für die über 200 Schweizer KMU regelmässig befragt werden, bilden eine leichte Abkühlung der Exportstimmung ab: Gegenwärtig wird ein Wert von 65,6 Punkten erreicht, nach 69,7 Punkten im Vorquartal. Dieser Wert errechnet sich aus der Exportstimmung der KMU für das 3. Quartal 2011 sowie den Exporten im Vorquartal. Auf der von 0 bis 100 reichenden Skala signalisieren Werte über 50 ein Exportwachstum.

Optimismus in der Präzisionsindustrie
Bezüglich der Exporterwartungen nach Sektoren kommen die Credit Suisse und die Osec zum selben Schluss: Zwar gehen alle Branchen für das kommende Quartal von einem An-stieg der Exporte aus, die Wachstumskurve flacht allerdings spürbar ab. Gemäss den KMU-Exportperspektiven der Osec sind dennoch einige Sektoren überdurchschnittlich positiv für das 3. Quartal 2011. Besonders augenfällig ist der Optimismus in der Präzisionsindustrie, die zu Beginn des 2. Quartals 2011 noch verhaltener in die Zukunft geblickt hatte. Ebenfalls mit deutlichen Zuwächsen rechnen die Unternehmen aus den Sektoren Metallindustrie, Elektro-technik und Maschinenbau und in etwas geringerem Ausmass die Konsumgüter- und die Papierindustrie. Diese positive Stimmung erstaunt angesichts der Frankenstärke. Die Unter-nehmen, die höhere Exporte erwarten, führen dies vor allem auf eigene Anstrengungen
zurück, nämlich auf Produktinnovation (49% der Nennungen; Mehrfachnennungen möglich) und verstärktes Marketing (47%).

Nordamerika und Asien gewinnen an Gewicht
Dass die Exporterwartungen verhaltener sind, ist gemäss der Credit Suisse auf mässige Konjunkturaussichten in den wichtigsten Exportländern der Schweiz zurückzuführen. Insbe-sondere in den USA, aber auch in europäischen Ländern wie Deutschland und Frankreich sowie in China ist mit einer schwächeren Nachfrage zu rechnen. Mit Ausnahme von China liegt die erwartete Nachfrage aber noch immer über dem langjährigen Durchschnitt.

Gemäss der Osec rechnen die Schweizer KMU nicht damit, dass die Nachfrageschwäche
in den USA auf ihre Exporte durchschlägt. Vielmehr erwarten sie, dass die Region Nord¬amerika in den kommenden sechs Monaten (3./4. Quartal 2011) an Gewicht zulegt: 42% der befragten Schweizer KMU geben an, dass sie im nächsten Halbjahr in diese Region exportieren, gegenüber nur 35% im Vorquartal (Mehrfachnennungen möglich). Ungeachtet von Frankenstärke und Eurokrise bleibt Europa die bei weitem bedeutendste Absatzregion für Schweizer Ausfuhren. 88% der KMU beabsichtigen, in den kommenden sechs Monaten nach Europa zu exportieren, gegenüber 90% im Vorquartal. 57% der KMU werden im nächsten Halbjahr in die Region Asien / Pazifik exportieren, 33% in die Region Naher Osten / Afrika und 25% nach Südamerika.

Methodik Credit Suisse Exportbarometer
Das Credit Suisse Exportbarometer nutzt die Abhängigkeit der Schweizer Exporte von der Nachfrage auf den ausländischen Exportmärkten. Zur Konstruktion des Exportbarometers werden wichtige Vorlaufindikatoren für die Industrie in den 28 wichtigsten Abnehmerländern zusammengetragen. Diese Indikatoren haben in der Regel einen Prognosehorizont von ungefähr einem bis zwei Quartalen. Die Werte dieser Vorlaufindikatoren werden mit dem Exportanteil des jeweiligen Landes gewichtet. Das Exportbarometer verdichtet diese Informationen zu einem einzigen Indikator. Da es sich um standardisierte Werte handelt, wird das Exportbarometer in Standardabwei-chungen angegeben. Die Nulllinie entspricht dem langfristigen Durchschnittswachstum der Schweizer Exporte von 4,8% seit 1985. Die Wachstumsschwelle liegt dementsprechend unter der Nulllinie bei etwa -1.
Für ausführlichere Informationen: Credit Suisse (2009), Aussenhandel Schweiz – Fakten und Trends, Swiss Issues Branchen, verfügbar unter www.credit-suisse.com/research

Methodik Osec-KMU-Exportperspektiven
Die KMU-Exportperspektiven basieren auf der quartalsweisen Befragung eines festen Panels von über 200 Schweizer KMU, welche die Branchen Pharma / Chemie, Maschinenbau, Konsumgüter, Metallindustrie, Papier, Elektrotechnik, Präzisionsindustrie und Dienstleistungen repräsentieren. Die KMU geben an, ob sie für das lau-fende und für das kommende Quartal einen Zuwachs, eine Stagnation oder einen Rückgang ihrer Exporte erwar-ten. Der KMU-Exportindikator kann einen Wert zwischen 0 und 100 erreichen, wobei Werte zwischen 0 und 50 einen erwarteten Rückgang der Exporte und Werte von 50 bis 100 ein erwartetes Exportwachstum signalisieren. Über die Angaben zum Exportvolumen hinaus liefern die Teilnehmer weitere Informationen, beispielsweise zu den Gründen für die Veränderung ihres Exportvolumens, den Exportmärkten, etc. Diese Angaben liefern ein aussagekräftiges Bild über die Exportaktivitäten der Schweizer KMU.