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Krisenresistente Schweizer Exportindustrie – fit für die Herausforderungen der Zukunft?

Neue Studie der Credit Suisse zur Schweizer Exportindustrie

Die Schweizer Exportindustrie hat zwar stark unter der jüngsten Rezession gelitten, hat sich aber im internationalen Vergleich schnell erholt. Als Erfolgsfaktor erwies sich insbesondere das vergleichsweise wenig zyklische Branchenportfolio. Mittelfristig ist das Gros der Exportbranchen gut positioniert, wie die Ökonomen der Credit Suisse in ihrer aktuellen Studie zur Schweizer Exportindustrie aufzeigen. Die im Schweizer Aussenhandel zentralen Branchen wie die Pharma-, die Maschinen- und die Uhrenindustrie verfolgen eine ausgeprägte Qualitätsstrategie, dank der sie im internationalen Wettbewerb erfolgreich bestehen können. Entsprechend trifft der gegenwärtig starke Schweizer Franken diese Güter kaum. Darüber hinaus zeigt sich, dass die Nachfrage nach Schweizer Exporten kurzfristig wesentlich stärker von der Weltkonjunktur als vom Wechselkurs abhängt. In Zukunft wird der zunehmende Trend von einer tripolaren hin zu einer multipolaren Welt die Agenda der Schweizer Exporteure bestimmen.

Die Schweiz verdient heute mehr als jeden zweiten Franken im Ausland. Der Aussenhandel trägt damit in bedeutendem Mass zu unserem Wohlstand bei. Vertiefte Kenntnisse über die Schweizer Exportindustrie sind deshalb sehr wichtig und aufschlussreich. Die neuste Studie der Credit Suisse analysiert die Bedeutung der Schweizer Warenexporte für die Volkswirtschaft und untersucht dabei die Struktur des Branchenportfolios, die Qualitätsorientierung eines Grossteils der Schweizer Produzenten sowie die geografische Diversifizierung der verschiedenen Branchen. Weiter beleuchtet die Studie Chancen und Risiken für die mittel- bis langfristige Zukunft der Exportindustrie.

Hohe Bedeutung der Schweizer Exporte für den Wohlstand im Inland
Die Exporte von Waren und Dienstleistungen haben in den vergangenen 20 Jahren den Wohlstand in der Schweiz wesentlich mitbestimmt. Ohne Exporttätigkeit wäre das Bruttoinlandprodukt von 1990 bis 2010 geschrumpft. Dank der ausländischen Nachfrage resultierte jedoch ein Wachstum von durchschnittlich 1,5% pro Jahr. Über die Hälfte der Schweizer Warenexporte geht in die EU-15-Länder, die Mitgliedstaaten der Europäischen Union vor der sogenannten Osterweiterung. Mit einem Anteil von knapp 20% ist Deutschland der wichtigste Handelspartner der Schweiz. Als Abnehmer stark an Bedeutung gewonnen haben die BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China): Jeder zehnte Exportfranken wird in einem dieser vier Schwellenländer verdient. Damit kommt dieser Ländergruppe neuerdings sogar eine leicht grössere Bedeutung zu als den USA.

Tiefe Volatilität der Schweizer Exporte
Das Branchenportfolio der Schweizer Exporte zeigt sich im Vergleich zu demjenigen Deutschlands, Frankreichs, Italiens, Grossbritanniens und der USA weniger volatil und ist damit einer der Faktoren, die in der jüngsten Rezession dafür sorgten, dass die Schweizer Warenexporte die Turbulenzen vergleichsweise gut gemeistert haben. Die unterdurchschnittliche Volatilität verdankt die Schweiz massgeblich dem hohen Gewicht der nur schwach zyklischen Pharmaindustrie und dem geringen Anteil des Fahrzeugbaus an den Schweizer Exporten.

Hohe Qualitätsorientierung der meisten Schweizer Exportbranchen als Erfolgsrezept
Wie die Ökonomen der Credit Suisse in ihrer Studie zeigen, positioniert sich die Mehrheit der Schweizer Exporteure im Qualitäts- und nicht im Preiswettbewerb. Die Analyse der Wettbewerbsfähigkeit bestätigt, dass die Ausrichtung auf den Qualitätswettbewerb die richtige Strategie ist. Schweizer Produkte sind generell teurer, ihre hohe Qualität rechtfertigt aber einen entsprechenden Preisaufschlag. Im Preiswettbewerb gelingt den Schweizer Produzenten hingegen nur selten eine erfolgreiche Positionierung. Eine Qualitätsführerschaft muss aber fortlaufend neu erarbeitet werden.

Aufholbedarf in Bezug auf die geografische Diversifizierung
Verbesserungspotenzial weisen die Schweizer Exporteure bei der geografischen Diversifizierung auf. Obwohl gemäss der aktuellen Studie alle Schweizer Branchen besser diversifiziert sind als der Durchschnitt der OECD-Staaten, besteht gegenüber den grossen Nachbarländern sowie Grossbritannien und den USA Nachholbedarf. Besonders gross ist dieser beispielsweise in der Medizinaltechnik und der Metallindustrie. Geografisch gut diversifiziert zeigen sich hingegen die Pharma- und die Uhrenindustrie. Eine breite geografische Diversifizierung ermöglicht Exporteuren, von den Wachstumsimpulsen in möglichst vielen Ländern zu profitieren und hilft ihnen, Währungsschwankungen abzufedern.

Multipolare Welt führt zu Umwälzungen im Schweizer Exportportfolio
Im Zuge der fortschreitenden Globalisierung gewinnen die Schwellenländer rasch an wirtschaftlicher und politischer Bedeutung. Die Analysen der Credit Suisse deuten insbesondere in den BRIC-Ländern auf ein überdurchschnittliches Wachstumspotenzial für die heimischen Warenproduzenten hin. Neben diesen Staaten werden der südostasiatische Raum sowie die Golfstaaten für Schweizer Exporteure sehr attraktive Wachstumschancen bieten. Sie wachsen zwar weniger stark als die BRIC-Staaten, zusätzlicher Wohlstand führt in diesen Ländern aber zu einem überdurchschnittlich starken Anstieg der Nachfrage nach Schweizer Produkten. Westeuropa verliert in Zukunft relativ an Bedeutung, wird aber aufgrund der hohen Exportvolumina das Rückgrat der Schweizer Exportindustrie bleiben.

Begrenzte Auswirkungen der Frankenstärke
In der jüngsten Vergangenheit warnten viele Auguren vor negativen Konsequenzen des starken Schweizer Frankens in Form von gesunkenen Gewinnmargen oder rückläufigen Verkaufszahlen. Da Güter im Qualitätswettbewerb aber weniger preiselastisch sind und der Wechselkurs entsprechend eine untergeordnete Rolle spielt, dürften die Auswirkungen des starken Schweizer Frankens insgesamt eher gering ausfallen. Zudem hängt die Nachfrage nach Schweizer Exportgütern kurzfristig wesentlich stärker von der Weltkonjunktur als vom Wechselkurs ab. Die preisliche Wettbewerbsfähigkeit, welche vor allem für sich im Preiswettbewerb befindende Exporteure von unmittelbarer Bedeutung ist, gewinnt im Qualitätswettbewerb erst mittel- bis langfristig an Bedeutung. Zudem stehen Exporteure der Frankenstärke nicht tatenlos gegenüber, sondern ergreifen Massnahmen zur Ertragssteigerung oder Kostensenkung, welche mittel- bis langfristig Wirkung haben dürften. Die häufigsten Reaktionen sind gemäss einer Umfrage der Credit Suisse Einkäufe in Fremdwährungen, Investitionen in die Erschliessung neuer Märkte und natürliches Hedging.