Anton und Markus Borer Borer Chemie AG  CS Unternehmensnachfolge Unternehmer Erfolgsgeschichte

Borer Chemie AG: Wenn die Chemie stimmt

Reinen Tisch machen. Eine Metapher, die auch im wahrsten Wortsinn perfekt zur Borer Chemie AG passt. Das Familienunternehmen schaffte die Übergabe an die zweite Generation nahezu reibungslos.

«Stimmt’s in der Familie, stimmt’s auch in der Firma, pflegte mein Vater jeweils zu sagen. Ich habe das früher nie verstanden. Jetzt weiss ich, was er damit meinte.» Markus Borer sagt diese Worte auf die ihm eigene ruhige und besonnene Art. Der mittlere von drei Söhnen übernahm 2010 die Geschäftsleitung und ist Mehrheitsaktionär der Firma, die sein Vater, Anton Borer, 1965 gründete. Dass aus dem Einmannbetrieb ein blühendes Unternehmen mit 80 Mitarbeitenden, Vertriebspartnern auf allen Kontinenten und einer Tochtergesellschaft in China werden würde, war zu Beginn alles andere als absehbar. Wie so oft bei Gründergeschichten wirkte der Zufall auch bei der Familie Borer kräftig mit.

Start in einem Coiffeursalon

Ein scheinbar harmloses Abendessen mit einem Geschäftskollegen endete vor 50 Jahren damit, dass Anton Borer am nächsten Tag nach Brüssel flog und zwei Tage später mit der Lizenz für eine revolutionäre Formel für die Reinigung zurückkehrte. In einem ehemaligen Coiffeursalon in Solothurn gründete er die Firma PMC, Produkte für Medizin und Chemie. Da er zu diesem Zeitpunkt noch Inhaber eines Elektronik-Unternehmens war, übergab er die Leitung von PMC einem geeigneten Geschäftsführer, der die Firma aufbaute. Nach dessen unerwartetem Tod entschied Anton Borer 1978, die Geschäftsführung selbst zu übernehmen. «Als Nicht-Chemiker musste ich mich schnellstens in die Materie einarbeiten», erinnert sich der ambitionierte Unternehmer und fügt lachend hinzu: «Ich entführte die Chemie-Bücher meines Sohnes Carlo, der damals ins Gymnasium ging, und eignete mir im Selbststudium die nötigen Fachkenntnisse an.» Mit Erfolg! Die deconex®-Produktlinie, die heute im hauseigenen Labor weiterentwickelt wird, geht auf den Erfindergeist des Patrons zurück. Das erfolgreiche Tüfteln ist mit ein Grund, weshalb die Borer Chemie AG heute in drei komplett verschiedenen Bereichen tätig ist. Bediente man zu Beginn mit Produkten für die Laborglasreinigung hauptsächlich die chemische Industrie, weitete sich das Angebot durch Anfragen aus der in der Westschweiz stark verankerten Uhrenindustrie rasch in einen zweiten, den Industriesektor, aus. Parallel dazu steigerten sich die Aktivitäten in den Spitälern, woraus der Bereich Medical entstand. Nach der Jahrtausendwende wurde auch der Pharmasektor – ein Teil des Bereichs Life Sciences – aufgebaut.

Der Apfel fällt zur rechten Zeit

Firmengründer fangen in der Regel bei null an. Oftmals sind es kreative Autodidakten, die mit viel Begeisterung und Charisma das Unternehmen vorantreiben. Entsprechend schwer fällt es ihnen, ihr «Baby» irgendwann loszulassen. Anton Borer ging 2005 mit 70 Jahren offiziell in Pension. Seitdem steckt er als Verwaltungsratspräsident trotzdem noch mit einem Fuss in der Firma. «Die Nachfolgeregelung in einem Familienbetrieb darf nicht unterschätzt werden. Es ist für beide Seiten kein einfacher Prozess», weiss Markus Borer aus eigener Erfahrung. Als der Vater ihm 2005 den Posten des Geschäftsführers anbot, lehnte er ihn nach reiflichen Überlegungen ab. «Ich war damals 38 Jahre alt und fühlte mich dieser verantwortungsvollen Aufgabe noch nicht gewachsen. Ausserdem war ich verliebt in den Industriesektor und wollte die Leitung dort beibehalten.» Rückblickend war es für Markus Borer der richtige Entscheid: «Eine Übernahme zu diesem Zeitpunkt hätte mich regelrecht verbraten.» Die Interimsleitung durch einen externen Geschäftsführer brachte ihm dann auch den Vorteil, einen weiteren Führungsstil beobachten und erleben zu können. Der Vater hat dabei nie Druck auf den Sohn ausgeübt. Dafür ist Markus Borer ihm bis heute dankbar. Dennoch musste er lernen, mit Leistungsdruck und den eigenen hohen Ansprüchen umzugehen, denn der Drang, sich beweisen zu wollen, sei gross. Es habe in der Vergangenheit durchaus Momente gegeben, in denen er gern die Rolle mit dem Vater getauscht und etwas Eigenes auf die Beine gestellt hätte, gibt er unumwunden zu. «Freie Wahl zu haben, war ein entscheidender Faktor für die erfolgreiche Übernahme. Aber auch, dass ich das Geschäft von der Pike auf gelernt habe und die gesamte Familie, also auch meine beiden Brüder und vor allem meine Frau, hinter mir stehen», fasst er zusammen.

Starke Partnerschaft

Ein wichtiger Partner ist auch die Credit Suisse. Sie begleitet die Borer Chemie AG seit 35 Jahren als Hausbank und konnte die Firma immer wieder mit wertvollen Impulsen unterstützen. An einem Seminar auf dem Bocken beispielsweise wurde Markus Borer für den komplexen Prozess der Nachfolgeregelung sensibilisiert. «Mit 15 Jahren müsse man im Schnitt rechnen. Das ist mir geblieben», erinnert er sich. Das Vertrauen in die Bank konnte auch in Krisenzeiten, wie der weltweiten Finanzkrise 2009, stets erhalten bleiben. Vor allem die hervorragende Leistung der Kundenberater wird von Markus Borer sehr geschätzt: «Das sind geerdete Leute, so wie ich. Sie verstehen etwas von ihrem Gebiet und drängen sich nicht auf.» Dazu gehört auch eine ehrliche Beratung auf Augenhöhe: «Die Nachfolgeregelung wollten wir mit eigenen Mitteln finanzieren. Die Credit Suisse hat unser Bestreben nach Autonomie von Anfang an unterstützt.» Und wie steht es um aktuelle Herausforderungen wie etwa dem zunehmenden Regulariendruck oder der Frankenstärke? «Gesetzliche Schranken bedeuten einen hohen administrativen Aufwand, zusätzliche Stellen und Einschränkungen in der Handlungsfreiheit», gibt Markus Borer zu bedenken. Das sei herausfordernd, aber auch eine Chance, mit den neuen Anforderungen zu wachsen. Die Frankenstärke spüre man bei einem Exportanteil von 80 Prozent natürlich deutlich. Meistern lasse sich das zum einen mit innovativen Produkten und Prozesslösungen, die perfekt auf die Bedürfnisse des Kunden zugeschnitten sind, aber auch mit strategischen Massnahmen, wie etwa dem Ausbau des Direktvertriebs in der Schweiz. Essenziell seien aber loyale Mitarbeitende, die in diesen schwierigen Zeiten zum Unternehmen und zum Chef stehen.

Mit einer guten Prise Humor im Gepäck

Das Ruder der Borer Chemie AG liegt nun seit fünf Jahren in den Händen der zweiten Generation. Mit Tugenden wie Wertschätzung, Respekt, Loyalität, Verlässlichkeit und Transparenz führt Markus Borer das Lebenswerk seines Vaters in die Zukunft und hat dabei stets ein offenes Ohr für kritische Fragen der Mitarbeitenden, seiner Brüder oder des Vaters. Im Rucksack dieser bemerkenswerten Familie wandert dabei stets eine gute Prise Humor mit. Als der Patron gegen Ende des Gesprächs etwas trotzig konstatiert: «Mir gehört nichts mehr in dieser Firma. Nicht einmal mehr der Stuhl, auf dem ich sitze», antwortet der Sohn gelassen: «Dafür kannst du ihn dir leisten», worauf beide herzhaft lachen. Man sieht und spürt: Bei den Borers stimmt die Chemie auf allen Ebenen.