Wirtschaftliche Erholung läuft – aber nicht in jedem Sektor

Das BIP der Schweiz hat sein Vorkrisenniveau mittlerweile wieder erreicht, die Wirtschaftskrise scheint gemeistert. Trotzdem dürften die Corona-Pandemie und ihre Folgen gewisse Branchen noch länger beschäftigen – und Sand ins Getriebe der wirtschaftlichen Erholung streuen.

BIP der Schweiz wächst dank Lockerung der Corona-Massnahmen stark

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Schweiz ist im zweiten Quartal 2021 um 1,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen. Zu verdanken ist diese Expansion der auf breiter Front erfolgten Lockerung der COVID-19-Eindämmungsmassnahmen, die im Zuge des Lockdowns im ersten Quartal 2021 verhängt worden waren. Gleichzeitig sorgt eine weltweit hohe Nachfrage nach Gütern für einen zusätzlichen Aufschwung.

 

Der Vergleich mit anderen Ländern zeigt: Die Schweiz ist offensichtlich gut durch die Krise gekommen. Nur in den USA, wo der Staat das Wirtschaftswachstum massiv stimulierte, und in Schweden, wo die Corona-Massnahmen weniger streng waren, lag die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal 2021 im Vergleich zum Vorkrisenniveau höher.

Einige Branchen hinken bei der wirtschaftlichen Erholung hinterher

Auch wenn das Schweizer BIP sein Vorkrisenniveau gemäss dem wöchentlichen Wirtschaftsindikator des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO in den letzten Wochen sogar wieder übertroffen hat, dürfte der Wohlstandsverlust infolge der Pandemie beträchtlich sein. Die Experten der Credit Suisse schätzen die pandemiebedingten BIP-Einbussen der Schweiz auf rund 57 Milliarden Franken, das entspricht 8 Prozent des BIP von 2019.

 

Zudem verläuft die Erholung der Wirtschaftsbranchen uneinheitlich. Während einige Branchen wie die Industrie, der Fahrzeughandel oder Versicherungs- und Finanzdienstleistungen sogar über dem Vorkrisenniveau zugelegt haben, liegen beispielsweise der Tourismus oder das Transportgewerbe noch weit darunter.

Monitor Schweiz Q3 2021

Die Teuerung in der Schweiz wird in den nächsten Monaten auf 1 Prozent ansteigen, bevor sie sich 2022 wieder bei unter 1 Prozent einpendelt. Die Inflationsrate dürfte sowohl 2021 als auch 2022 im Durchschnitt 0,5 Prozent betragen. Welche Güter Haupttreiber des derzeit beschleunigten Preisauftriebs sind, lesen Sie im Monitor Schweiz Q3.

27/07/2023

Branchenunterschiede bremsen wirtschaftliche Erholung

Nichtsdestotrotz dürfte die wirtschaftliche Erholung in den kommenden Monaten andauern. Denn der von der Credit Suisse in Zusammenarbeit mit procure.ch erstellte Einkaufsmanagerindex (PMI) für die Industrie notiert weiterhin nahe seinem historischen Rekordstand. Und sein Pedant für den Dienstleistungssektor liegt ebenfalls deutlich in der Wachstumszone. Doch bis die Pandemie nicht vollständig unter Kontrolle ist, dürfte die Erholung lediglich gebremst verlaufen.

 

Zum einen, da Bereiche wie der interkontinentale Tourismus, die Gastronomie und Freizeitbetriebe wiederholt punktuell eingeschränkt werden. Zum anderen sorgen weitverbreitete Lieferengpässe in der Industrie für längere Lieferfristen und steigende Einkaufspreise. Angesichts besagter Verzögerungen dürfte die Güternachfrage länger anhalten als zunächst prognostiziert, könnte dann aber durch eine künftige Sättigung einbrechen. Letzteres ist bereits im Markt für langlebige Konsumgüter der Fall.

Wirtschaftliche Erholung dürfte Mitte 2022 alle Branchen erfassen

Für Mitte 2022 erwarten die Experten der Credit Suisse eine deutliche Abschwächung der Industriedynamik bei gleichzeitig höherem Angebot, wodurch sich die Lage hinsichtlich der Lieferfristen und Preise entspannen sollte. Die Erholung dürfte dann auch jene Branchen erfassen, die derzeit noch unter Einschränkungen leiden. Während das Schweizer BIP in diesem Jahr um insgesamt 3,5 Prozent expandieren sollte, dürfte sich das Wachstumstempo im kommenden Jahr auf 2,5 Prozent verlangsamen.