Chancen und Gefahren für Start-ups in der Schweiz

«Um erfolgreich zu sein, reicht es nicht, eine Idee zu patentieren.»

Selber hat Michele Blasucci schon mehrere Firmen gegründet, darunter das Gründer-Portal startups.ch, wodurch er selber zum Start-up-Experten wurde. Im Interview spricht er über die Branchen mit dem höchsten Erfolgspotenzial und führt aus, warum auch die beste Idee scheitern kann.

Wie hat sich die Schweizer Start-up-Landschaft in den letzten Jahren entwickelt?

Sie ist in Bewegung. Das Modell, dass man sich mit einer eigenen Firma eine Existenz aufbauen kann, ist aus den USA zu uns hinübergeschwappt. Kleinere Unternehmen sind agiler und können Ideen schneller umsetzen als Konzerne. Und manchmal ist damit viel Geld zu verdienen.

Ist es nur der US-amerikanische Einfluss, der in der Schweiz zu mehr Neugründungen führt?

Nein, das ist auch auf die Hochschulen zurückzuführen, die ihre Hausaufgaben gemacht haben, speziell die ETH und die EPFL. Aus der wissenschaftlichen Arbeit heraus werden heute viel schneller Start-ups generiert. Sie können Probleme lösen, wo grössere Unternehmen nicht so dynamisch unterwegs sind. Und die Hochschulen begleiten sie in diesem Prozess.

Wie unterscheiden sich Schweizer Start-ups von ausländischen? Unterscheiden sie sich überhaupt?

Da gibt es schon Unterschiede, und es kommt sehr auf die Branche an. Ideal sind die Voraussetzungen in der Schweiz für Unternehmen im Bereich Medtech oder Biotech. Für diese gilt der Standort Schweiz nach aussen noch immer als Gütesiegel. In diesen Branchen entstehen derzeit Firmen, die in kürzester Zeit sehr hoch bewertet werden. Warum? Weil sie globale Probleme lösen. In der Umwelttechnologie und in anderen naturwissenschaftlichen Bereichen ist es ähnlich. Schwierig ist die Schweiz für Start-ups, die an die Sprache, das Finanzsystem oder eine andere Gesetzgebung gebunden sind: 8 Millionen Einwohner und drei Sprachen – das kann ein grosses Hindernis sein.

Vermutlich entsteht aber nicht aus jeder Neugründung ein hoch bewertetes Jungunternehmen …

Nein, etwa 90 % der Gründungen sind einfach solche, die sich als Ein-Mann- oder Ein-Frau-Betrieb selbstständig machen. Da ist der Architekt, die Ingenieurin, der Marketing- oder Kommunikationsexperte, die Informatikerin oder der Werber. Viele gründen eine kleine Agentur; oftmals ist das mit einer Übergangsphase verbunden, in der sie erst auf 80 % reduzieren, dann auf 60 %, bis sie sich schliesslich ganz der Selbstständigkeit verschreiben. Durch die Digitalisierung ist eine Reihe neuer Tätigkeitsfelder entstanden. Um das Thema Online-Marketing ist eine ganze Industrie entstanden.

In welchen Branchen sehen Sie die meisten Neugründungen?

Das ist klar dort, wo die Gründungskosten – die sogenannten Eintrittsbarrieren – am geringsten sind. Etwa im erwähnten Online-Marketing und in der Kommunikation: Hier benötigen Sie ein Büro, einen Computer, ein Telefon, fertig. Das kann man sich relativ schnell leisten. Branchen, die etwas produzieren, sind sehr viel schwieriger, weil die Grundinvestitionen schon sehr hoch sind.

Michele Blasucci, CEO und Gründer von Startups.ch

Wo besteht das grösste Erfolgspotenzial?

Richtig viel Potenzial sehe ich bei international ausgerichteten Projekten auf Basis der Blockchain-Technologie. Damit lassen sich Barrieren niederreissen. Auch bei den Hochschul-Spin-offs gibt es viele interessante Projekte. Manche haben geniale Gedanken. Doch um Erfolg zu haben, reicht es nicht, Forscher zu sein und eine Idee patentieren zu lassen. Es braucht auch ein Unternehmertalent. Das ist nicht immer gegeben. Ich habe schon Projekte gesehen, bei denen ich dachte: Genial, genial! Aber am Ende schafften sie die Kommerzialisierung nicht. Oder waren zu langsam.

Ich habe schon Projekte gesehen, bei denen ich dachte: Genial, genial! Aber am Ende schafften sie die Kommerzialisierung nicht.

Michele Blasucci, Gründer von startups.ch

Sind die Schweizer generell eher langsam, wenn es um Start-ups geht?

Im Vergleich zu den US-Amerikanern schon. Die kommen viel schneller zu Geld. Die Schweizer kommen nicht vorwärts mit der Arbeit, weil sie so lange mit Geldsammeln beschäftigt sind. Das ist ein Problem. Denn wenn man eine gute Idee hat, sollte das Kapital im Idealfall sofort verfügbar sein. Wenn man vier Jahre darauf warten muss, hat sich die Technologie schon wieder geändert.

Was genau ist in den USA denn anders, dass Gründer rascher zu Kapital kommen?

Es ist die Mentalität, die Risikofreude. Und die Summen, die Venture-Capital-Unternehmen vergeben, sind nicht vergleichbar mit den unseren. Wenn dem Board eine Idee wirklich gefällt, kann man innerhalb von drei Monaten 200 Millionen zusammenhaben.

Ein ganz anderes Thema: Gründen ähnlich viele Frauen wie Männer Firmen? Oder besteht hier ein Gender Gap?

Den gibts auf jeden Fall: 75 % der Firmengründungen erfolgen durch Männer, 25 % durch Frauen. Die Frauen sind im Durchschnitt aber ein bisschen älter, besser vorbereitet, organisiert und strukturiert. Die Kehrseite ist, dass manche Frauen eher zu lange planen und überlegen, ob sie den Schritt wirklich wagen wollen – und es am Ende vielleicht doch nicht tun.

Das erste Jahr ist ja besonders kritisch. Was sind aus Ihrer Sicht die Erfolgsfaktoren – was muss stimmen, damit man das erste Jahr erfolgreich übersteht?

Es ist matchentscheidend, ob man eine solide Kundenbasis hat. Der Architekt, der schon mit zwei, drei Aufträgen beginnt, wird eher überleben als einer, der sagt: «Ich schaue dann mal.» Ein weiterer Faktor ist das Team: Es gibt viele, die aufgeben, weil sie in Streit geraten. Insbesondere, wenn es drei Gründer sind – das funktioniert selten.
Dann gibt es administrative Probleme wie eine schlecht geführte Buchhaltung, nicht erledigte Mehrwertsteuerabrechnungen. Oder was auch vorkommt: Die Idee funktioniert nicht, der Markt ist zu klein, die Kunden haben zu wenig Interesse. Es gibt Unternehmen, die mit zwei bis vier Personen perfekt funktionieren, und dann wachsen sie, erreichen zehn Mitarbeitende – und plötzlich sind sie nicht mehr rentabel. Bei dieser Grösse muss anders geplant werden. Es braucht ein Controlling, eine professionelle Buchhaltung, eine Liquiditätsplanung, man benötigt mehr Zeit fürs Personal und, und, und … Wachsen ist nicht immer ein Vorteil.

Die Credit Suisse ist eine Universalbank, das ist ein grosser Vorteil für ein Start-up: Von der Gründung bis zur Nachfolgeregelung kann man alles über die Credit Suisse abwickeln.

Michele Blasucci, Gründer von startups.ch

Startups.ch arbeitet ja mit verschiedenen Partnern zusammen, einer davon ist die Credit Suisse. Welche Vorteile hat das für ein Start-up?

Die Credit Suisse ist eine Universalbank, das ist ein grosser Vorteil für ein Start-up: Von der Gründung bis zur Nachfolgeregelung kann man alles über die Credit Suisse abwickeln. Es beginnt ganz simpel mit einem Geschäftskonto, später benötigt man vielleicht einen Kredit, man handelt mit Firmen im Ausland, und es werden Devisenlösungen wichtig, möglicherweise auch Währungsabsicherungen. Manche brauchen ein Leasing für Fahrzeuge oder Maschinen – bei einigen wenigen geht es bis zur Börsenkotierung. Mit der Credit Suisse hat man von Anfang an alle Karten in der Hand für ein Wachstum in jede Richtung – auch über unsere Landesgrenzen hinaus.

Sie haben selber schon mehrere Firmen gegründet. Über welche Tipps wären Sie im Nachhinein froh gewesen?

Einen Coach oder Mentor zu haben, mit dem man sich austauschen kann, finde ich extrem wertvoll. Das kann ein Treuhänder sein, ein Unternehmer, eine Unternehmerin mit Erfahrung, vielleicht auch ein Berater oder eine Beraterin der Credit Suisse. Diese Person kann einem zuhören, bei Weichenstellungen eine Einschätzung abgeben, vielleicht auch Kontakte spielen lassen. Arbeiten muss man am Ende aber immer selber – und das nicht wenig.

Die Credit Suisse berät Sie gerne in jeder Phase Ihres Unternehmens – von der Neugründung bis zur Nachfolgeregelung.

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