Andreas Gerber (links) und Hans-Ulrich Mueller (rechts) an der Mitgliederversammlung von Swiss Venture Club.

Swiss Venture Club: Stabübergabe an Andreas Gerber

Am 6. September 2017 wurde Andreas Gerber, Leiter des Schweizer KMU-Geschäfts der Credit Suisse, an der Mitgliederversammlung des Swiss Venture Club (SVC) im Bellevue Palace in Bern zum neuen SVC Präsidenten gewählt.

Andreas Gerber löst den Gründer und langjährigen Präsidenten Hans-Ulrich Müller ab, der in Pionierarbeit, mit viel Herzblut und Engagement den Swiss Venture Club zum laut BILANZ «erfolgreichsten Unternehmerclub der Schweiz» aufgebaut hat. Heute zählt der SVC 2800 Mitglieder, und die Credit Suisse (Schweiz) AG ist seit über zehn Jahren stolze strategische Partnerin des KMU-Vereins.

Andreas Gerber und Hans-Ulrich Mueller

Andreas Gerber (links) und Hans-Ulrich Mueller (rechts) an der Mitgliederversammlung von Swiss Venture Club, am 6. September 2017 im Hotel Bellevue Palace in Bern.

Foto: PPR/Manuel Lopez

Andreas Gerber, Sie wurden zum neuen Präsidenten des SVC gewählt. Was werden Sie beim SVC ändern?

Andreas Gerber: Es gibt keinen Grund, am Erfolgsrezept SVC etwas zu ändern. Wir werden aber Akzente setzen mit der Fokussierung auf den Prix SVC, der bewussten Einbindung von Jungunternehmerinnen und -unternehmern sowie dem Ausbau unseres Tätigkeitsbereiches «Politik». Ich bin überzeugt, dass mit den fünf neuen Vorstandsmitgliedern neue Ideen in den SVC einfliessen werden.

In zehn Jahren soll der SVC als ein noch grösseres und noch stärkeres Netzwerk dastehen, das in der ganzen Schweiz in allen Bevölkerungsschichten bekannt ist und eine hohe Strahlkraft besitzt. Im Kern aber ist der SVC ein Verein, der hochwertige Kontakte und gemeinsam erlebte Emotionen ermöglicht.

Hans-Ulrich Müller, mit der Gründung des SVC haben Sie Pionierarbeit geleistet. Wieso haben Sie vor 16 Jahren den SVC gegründet – was war Ihre Hauptmotivation?

Hans-Ulrich Müller: Die Gründung des SVC war ein Statement für mehr Zusammenhalt in der Schweizer Wirtschaft, für mehr Engagement zugunsten von KMU und für mehr Austausch unter den Unternehmern. Schon in den 90er Jahren erlebte ich das Gespräch mit den Firmenkunden nicht nur als ein Verkaufsgespräch oder eine Frage der Risiko-Absicherung seitens der Bank. Ich sah auch, was die KMU-Wirtschaft bewegt. Mit dem SVC wollten meine Mitgründer und ich eine Plattform schaffen für all die kleinen und mittleren Unternehmen. Ihnen die Chancen einer höheren Visibilität und eines intensiveren Erfahrungsaustausch bieten, denn Vernetzung ist nicht alles, aber ohne Vernetzung ist alles nichts.

Wie haben sich die Bedürfnisse der Unternehmen in den Jahren seit der Gründung verändert und wie werden sie sich in Zukunft verändern?

Hans-Ulrich Müller: Die Globalisierung war einschneidend. Für die KMU-Wirtschaft brachte sie sowohl neue Chancen wie auch neue Risiken mit sich. Insgesamt gesehen ist die Schweiz dynamischer und innovationsfreudiger geworden. Auch hier leistet der SVC einen Beitrag, indem er zusammen mit der Credit Suisse die SVC – AG für KMU Risikokapital (SVC AG) geschaffen hat. Diese stellt kleinen und mittleren Unternehmen sowie Jungunternehmerinnen und Jungunternehmern Risikokapital in der Gesamthöhe von rund 100 Millionen Schweizer Franken zur Verfügung. Doch neben den innovativen Lokomotiven gibt es heute auch KMU, die Probleme haben. Das hängt mit Themen wie dem Frankenkurs, dem Zugang zu internationalen Märkten und dem Fachkräftemangel zusammen. Insbesondere bei der Digitalisierung haben wir noch viel Potenzial, wir dürfen nicht unterschätzen, was da noch auf uns zukommt. Der Elan und der Aufbruchsgeist der jungen Unternehmer sind jedoch beeindruckend und ich bin zuversichtlich, dass die Qualität und Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes auch in Zukunft top sein werden.

Andreas Gerber: Das sehe ich auch so. Die Globalisierung und Digitalisierung beeinflussen die Unternehmen in der Schweiz nachhaltig und führen zu einer neuen Dynamik in den Unternehmen und an den Märkten. Wenn man sich den veränderten Bedürfnissen stellt, sehe ich für die Unternehmen nur Chancen.

Andreas Gerber, in der Öffentlichkeit ist der SVC am besten bekannt für die Vergabe der Prix SVC-Unternehmerpreise. Die Auszeichnung hat eine wichtige Signalwirkung in der Schweizer KMU-Landschaft. Wie werden die Preisverleihungen unter Ihnen weiterentwickelt?

Andreas Gerber: Einerseits gibt der Prix SVC unseren Unternehmern eine Plattform und ist zugleich Bindeglied zwischen Wirtschaft und Gesellschaft. Den Spirit, welchen ich zurzeit in den Schweizer Unternehmen spüre, wollen wir weiterhin in die Öffentlichkeit tragen. Schweizer Unternehmen müssen sich nicht verstecken. In internationalen Innovations-Rankings ist die Schweiz führend und das müssen wir auch in der Schweiz zeigen. Dafür steht der Prix SVC und daran halten wir fest.

Und andererseits ist die Wirkung bei den Firmen intern, die sich als Preisträger qualifizieren, nicht zu unterschätzen. Aus persönlichen Erlebnissen kann ich bestätigen, dass die Finalqualifikation bei vielen Teilnehmern zu einem positiven Ruck, einer neuen Dynamik und einer neuen Identifikation mit dem Unternehmen geführt hat.

Andreas Gerber, die Schweiz ist das oft zitierte «Land der KMU». Digitalisierung, Automatisierung und Industrie 4.0 sind in aller Munde. Bahnt sich hier eine grundsätzliche Veränderung in der Schweizer Wirtschaft, im Schweizer Arbeitsmarkt an?

Andreas Gerber: Die Digitalisierung verändert den Markt, kreiert neue Geschäftsmodelle und zwingt bestehende Firmen, ihre Strukturen anzupassen. Schon bei der Globalisierung hat die Schweiz früh Absatzmärkte im Ausland gesucht und sich gegenüber der weltweiten Konkurrenz durchgesetzt. Ich bin überzeugt, dass die Digitalisierung eine riesige Chance für die ressourcenarme Schweiz ist.

Mit der Digitalisierung und Automatisierung werden sich natürlich die Tätigkeitsprofile verändern und es werden neue Berufe entstehen, welche nach einer geeigneten Antwort im Bildungswesen rufen. Gemäss unserer neulich erschienenen Studie «Strategie gegen den Fachkräftemangel» können die längerfristigen Auswirkungen der neuen digitalen Technologien im Moment nur ungenau abgeschätzt werden. Bereits heute setzen KMU auf Digitalisierung und Automatisierung, um dem Fachkräftemangel in der Schweiz entgegenzuwirken und um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können.

Doch nebst der Digitalisierung und dem Fachkräftemangel müssen sich viele Schweizer KMU in den nächsten Jahren auch mit der Unternehmensnachfolge auseinandersetzen. Deshalb wollen wir mit dem SVC künftig auch diese neue Generation stärker fördern und branchenübergreifend vernetzen.

Hans-Ulrich Müller, wie wir Sie kennen, bleiben Sie nach Ihrem Rücktritt sicherlich in der KMU-Szene aktiv. Können Sie schon mehr sagen?

Hans-Ulrich Müller: Der SVC ist und bleibt für mich eine Herzensangelegenheit. Ihm werde ich stets verbunden bleiben und seine Weiterentwicklung mit grossem Interesse verfolgen.

Ich werde mich weiter meinen unternehmerischen Projekten widmen. Dazu zählt der Verpackungshersteller Mopac, den ich im letzten Winter übernommen habe und die Schlossberg Thun AG, welche das Mobiliar Forum Thun, eine Ideenwerkstatt für KMU, beherbergt und Räumlichkeiten für Seminare samt Restaurant betreibt. Mein grösstes Engagement gilt dem Bernapark in Deisswil: die alte Kartonfabrik, welche ich übernommen habe, wird zu einem Wohn- und Gewerbepark umgebaut. In den nächsten zehn Jahren soll ein topmodernes Stadtquartier entstehen – es geht mir um die Schaffung von Arbeitsplätzen und Wohnraum. Hier kommt sehr vieles zusammen, was in meinem Berufsleben wichtig war und ich freue mich, auch weiterhin Projekte zum Wohl der KMU und des Werkplatzes Schweiz anzustossen.