Export Schweiz: So spüren Schweizer KMU den Protektionismus

«Schweizer KMU müssen lernen, mit Protektionismus umzugehen»

Protektionismus ist derzeit nicht nur im Geschäftsalltag, sondern auch in den Medien ein geläufiger Begriff. Doch Protektionismus ist kein neues Phänomen, so Alfonso Orlando, Leiter ExportHelp bei S-GE. Im Interview spricht er über den Export der Schweiz und verrät, wie Schweizer KMU mit Hürden umgehen können.

Protektionismus fordert Schweizer KMU heraus

45 Prozent des Schweizer Exports stammen von KMU. Zwar zeigen sich diese zu einem grossen Teil zufrieden mit den eigenen Exportgeschäften. Dennoch sind die Herausforderungen im Export infolge von Handelsschranken und Zollhürden in den letzten Jahren gewachsen, nicht zuletzt aufgrund des globalen Protektionismus.

Seit 2009 wurden über 1000 protektionistische Massnahmen neu eingeführt. Das zeigen die aktuellsten Daten des Global Trade Alert der Universität St. Gallen, der jährlich die Entwicklung des Welthandels erfasst. «Protektionistische Massnahmen dienen als Instrumente eines Staates, um die eigenen Märkte zu schützen und die Wirtschaft sowie die Produktion im eigenen Land zu stärken», erklärt Alfonso Orlando. Dem Leiter ExportHelp bei Switzerland Global Enterprise liefert der Global Trade Alert wichtige Informationen für seine tägliche Arbeit.

Protektionismus ist weitverbreitet

Wer gehört zu den Tätern und wer ist vom Protektionismus am stärksten betroffen? Die Schweiz ist nicht nur Opfer, sondern trifft auch andere Staaten mit eigenen handelsver­zerren­den Massnahmen. Welche Länder Täter und Opfer der Handelshemmnisse sind, erfahren Sie in unserer interaktiven Karte.

Alfonso Orlando über Protektionismus und den Export der Schweiz

Herr Orlando, wie erklären Sie sich den zunehmenden Protektionismus?

Alfonso Orlando*: Protektionismus hat es schon immer gegeben. Das ist kein neues Phänomen. Dieses Thema wird seit der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der Vereinigten Staaten jedoch vermehrt von den Medien in den Vordergrund gerückt. Deshalb auch der Anschein, es sei was Neues. Schweizer Unternehmen müssen lernen und haben in der Vergangenheit bereits gelernt, mit solchen Massnahmen umzugehen.

Die USA und auch Deutschland setzen gemäss Global Trade Alert überdurchschnittlich viele handelsverzerrende Massnahmen ein. Spüren das Schweizer KMU?

Die Studie «KMU-Exportperspektiven» ergab dazu im Frühjahr sehr interessante Daten. 31 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, eine Zunahme von Handelshürden in den USA zu spüren, 21 Prozent in China. Russland, Brasilien und Deutschland wurden ebenfalls häufig genannt, auch die Türkei. Ungefähr 10 Prozent gaben an, der Handel in die Türkei sei erschwert. Verallgemeinern kann man dies jedoch nicht. Es kommt immer auf die Branche und das Produkt an.  

Inwiefern können Freihandelsabkommen der Schweiz den Unternehmen den Export in diese Staaten erleichtern?

Das Ziel der Freihandelsabkommen ist ein möglichst hindernisfreier Zugang zu interna­tionalen Märkten: Zölle und andere Handelshemmnisse sollen damit abgebaut werden. Darum sind sie ein gutes Instrument, protektionistischen Tendenzen entgegenzu­wir­ken. Die Schweiz verfügt heute – neben dem EFTA-Übereinkommen und dem Frei­handels­abkommen mit der Europäischen Union – über ein Netz von 30 Freihandels­abkommen mit 40 Partnern ausserhalb der EU. Neue Abkommen werden laufend ausgehandelt. Unter anderem führt die Schweiz Gespräche mit den USA und die Ver­handlungen über ein Abkommen mit den Mercosur-Staaten sind vor Kurzem in der Substanz abgeschlos­sen worden.

ExportHelp von S-GE ist die erste Anlaufstelle für Schweizer KMU bei administrativen Exportfragen. Wie kann Ihr Team die KMU unterstützen?

Auf Importbeschränkungen oder Importformalitäten sollten Unternehmen sich gut vor­bereiten, damit es am Zoll nicht zu Überraschungen kommt. Dazu stellen wir Schweizer KMU ein kostenloses Onlinetool zur Verfügung. Diese Datenbank bietet ihnen eine Übersicht, beispielsweise über Zolltarife in den einzelnen Exportdestinationen. Weiter profitieren KMU von unserem weltweiten Netzwerk. So können wir Fragen und Anlie­gen der KMU bei ihren Exporttätigkeiten klären. Über verschiedene Kanäle, wie News­letter oder Social Media, kommunizieren wir zudem aktuelle Entwicklungen oder Gesetzesänderungen.

KMU sollten sich gut auf die Gegebenheiten der verschiedenen Märkte vorbereiten.

Alfonso Orlando

Wie können sich Schweizer KMU vor Handelshürden und Protektionismus schützen?

Grundsätzlich kann sich ein Unternehmen nicht vor Handelshemmnissen schützen. KMU können aber lernen, damit umzugehen. Wichtig ist, dass man die Gegebenheiten auf den verschiedenen Märkten kennt und weiss, was auf einen zukommt. Darauf beruhen die Entscheide. Will ich den Markt angehen mit allen Vorteilen und Heraus­forderungen? Dies ist auch eine Frage der Risikobereitschaft.

Gibt es auch Lichtblicke? Märkte, in denen sich für Schweizer KMU neue Chancen bieten?

Sicher, es gibt interessante Märkte. Darunter die klassischen Märkte wie Europa und die USA, aber auch China. Das Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und China ist seit dem 1. Juli 2014 in Kraft. Zudem gibt es in China eine wachsende Mittelschicht. Interessant sind aber auch Indonesien und ganz besonders der afrika­nische Kontinent. Afrika zeigt vielseitiges Potenzial mit neuen Projekten, sowohl in den Bereichen Infrastruktur und Gesundheit als auch in der Konsumgüterbranche. Chancen bieten sich beispielsweise in Nigeria, der stärksten Wirtschaftsmacht Afrikas. Dies sollten KMU nicht ausser Acht lassen.

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