Detailhandel Schweiz: Digitalisierung verstärkt den Wettbewerb

Schweizer Detailhandel ist keine Insel. Wettbewerbsdruck nimmt zu.

Der internationale Wettbewerbsdruck auf den Schweizer Detailhandel ist gross. Verstärkt wird er zunehmend durch die Digitalisierung. Wieso ausländische Konkurrenz aber nicht nur Risiken, sondern auch Chancen birgt, zeigt der diesjährige Retail Outlook der Credit Suisse.

Detailhandel konnte in der Schweiz 2018 kaum wachsen

Der Umsatz im Schweizer Detailhandel wuchs 2018 um rund 0,4 Prozent. Das zeigt der Retail Outlook der Credit Suisse. Unterstützung bekam die Branche aus der Wirtschaft. Sowohl im Ausland wie auch in der Schweiz beschleunigte sich die Konjunktur. Trotzdem lag die Konsumentenstimmung 2018 nur leicht über dem langjährigen Schnitt. Das mag mit den Negativschlagzeilen aus dem In- und Ausland zusammenhängen. Ebenso dämpfte aber die allgemeine Teuerung kombiniert mit relativ geringem Lohnwachstum die Kauflust. Zum zweiten Mal in Folge büssten die Schweizer Konsumenten an Kaufkraft ein.

Positiv für den Schweizer Detailhandel war dagegen die Entwicklung des Wechsel-kurses. In der ersten Jahreshälfte wertete sich der Franken gegenüber dem Euro ab. Einkaufen im Ausland war dadurch weniger attraktiv als noch im Vorjahr. Verstärkt wurde dieser Effekt dadurch, dass die Preise für Konsumgüter im angrenzenden Ausland stärker stiegen als in der Schweiz. Die Preisdifferenz ist zwar immer noch gross, sie hat sich im Vergleich zum Höhepunkt des Jahres 2015 aber etwas verringert.

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Auslandeinkäufe verloren 2018 erneut an Attraktivität

Schweizer Preisaufschlag für einen durchschnittlichen im jeweiligen Land erworbenen Warenkorb
Quelle: Eurostat, BFS, GfK, Datastream, Credit Suisse; 2018: Schätzung Credit Suisse

Digitalisierung im Detailhandel verstärkt den Wettbewerb

Obwohl der Einkaufstourismus im angrenzenden Ausland etwas an Attraktivität verloren hat, ist die Zunahme ausländischer Konkurrenz für den Schweizer Detailhandel deutlich spürbar. Jeder zweite Händler gibt heute an, wichtige Wettbewerber aus dem Ausland zu haben – vor zehn Jahren war es noch jeder dritte. Gewachsen ist einerseits die ausländische Konkurrenz, die in der Schweiz physisch präsent ist. Prägend waren hierbei die Markteintritte von Aldi und Lidl. Im Zuge des Einkaufstourismus stieg andererseits der Konkurrenzdruck gegenüber Händlern im Ausland.

Zuletzt am meisten zugenommen hat die Konkurrenz ausländischer Onlinehändler. Die Digitalisierung des Detailhandels lässt die Landesgrenzen verschwinden und erhöht die Reichweite ausländischer Anbieter. Die Zahl der Konsumenten, die online grenzüberschreitend einkaufen, ist in den letzten Jahren stark gestiegen.

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Verschiedene Arten ausländischer Konkurrenz

Umsatz nach Anbietergruppe in Milliarden Schweizer Franken
Quelle: GfK, VSV, Credit Suisse. * Nur Anbieter mit identifizierbaren und schätzbaren Umsätzen. ** 2005, 2010 und 2017: Schätzungen mit hoher Unsicherheit. *** Inkl. Zalando.

Wettbewerb als Chance für den Schweizer Detailhandel

Es ist davon auszugehen, dass der Wettbewerb in den nächsten Jahren intensiv bleiben wird. Beispielsweise hängt der Markteintritt von Amazon in der Schweiz weiterhin wie ein Damoklesschwert über den Köpfen des Schweizer Detailhandels. Ebenfalls noch völlig unklar ist, wie sich die wachsende Onlinekonkurrenz aus Fernost auswirken wird. Dem Detailhandel stehen herausfordernde Zeiten bevor.

Diese bringen aber auch Chancen mit sich. Der intensive internationale Wettbewerb könnte wie ein Fitnessprogramm wirken, ähnlich wie es die Exportindustrie erlebte. Bereits heute zeigt die KMU-Umfrage der Credit Suisse, dass Händler mit auslän-discher Konkurrenz in den letzten Jahren deutlich häufiger Massnahmen ergriffen haben, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, als jene ohne internationalen Wettbewerbsdruck. Unter anderem investierten sie in neue Produkte, Märkte und Kundengruppen sowie in die Digitalisierung. Die Schwierigkeiten der letzten Jahre scheinen sich also positiv auf die Innovationsbemühungen des Schweizer Detailhandels auszuwirken.

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Ausländische Konkurrenz zwingt zum Handeln

Anteil Händler-KMU, welche die entsprechenden Massnahmen zur Sicherung/ Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit in den letzten drei bis fünf Jahren ergriffen haben; unterteilt nach Betroffenheit vom internationalen Wettbewerb
Quelle: Credit Suisse KMU-Umfrage 2018

Digitalisierung des Detailhandels setzt sich fort

Auch 2019 dürfte die Konjunktur den Schweizer Detailhandel stützen. Gleichzeitig gehen die Ökonomen der Credit Suisse davon aus, dass die Kaufkraft dank stärker wachsenden Löhnen und einer leicht tieferen Inflation erstmals nach zwei Jahren wieder steigen wird. Für das Food-/Near-Food-Segment erwarten sie deshalb ein nominales Umsatzwachstum von 1,3 Prozent.

Im Non-Food-Segment ist dagegen 2019 erneut mit einem Umsatzrückgang zu rechnen, der aber deutlich geringer ausfallen dürfte als 2018. Insbesondere dürfte sich der Kaufkraftabfluss an ausländische Onlinehändler wie Zalando und vermehrt auch Amazon weiter fortsetzen. Insgesamt ergibt sich für den Schweizer Detailhandel wieder ein schwaches Umsatzwachstum von lediglich 0,6 Prozent – trotz des prinzipiell stützenden wirtschaftlichen Umfelds.

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Non-Food-Segment dürfte auch 2019 nicht wachsen können

Non-Food-Segment: Umsatz und Preise, Veränderung ggü. Vorjahr
Quelle: GfK, BFS, Credit Suisse; 2018/2019: Schätzung/Prognose Credit Suisse