Fair Value: Frankenstärke ist kein Jahrhundertphänomen

Schwacher Franken, starker Franken: Wertkonzepte im Fokus

Wertkonzepte wie der «Fair Value» oder der altbekannte «Big-Mac-Index» dienen zur Bemessung des Wertes einer Währung. Gemäss dem Fair-Value-Modell ist der Schweizer Franken gegenüber dem Euro überbewertet. Dabei macht die Frankenstärke manchen Schweizer Unternehmen zu schaffen. Dass dem aber nicht schon immer so war, zeigen die Daten des Big-Mac der vergangenen Jahre.

Frankenstärke erschwert Exporteuren den Geschäftserfolg

Ein starker Franken ist insbesondere den Exporteuren ein Dorn im Auge. Seit geraumer Zeit wertet der Schweizer Franken gegenüber dem Euro tendenziell auf. Das lässt sich in erster Linie darauf zurückführen, dass die Preise in der Schweiz langsamer steigen als in der Eurozone. Gemäss den Berechnungen von Ökonomen der Credit Suisse ist der Schweizer Franken gegenüber dem Euro derzeit um rund 10 Prozent über­bewertet. Dem war aber nicht immer so, wie die Schätzungen mittels der Bemessungsgrundlage «Fair Value» zeigen.

Den Wert einer Währung bemessen: Big-Mac-Index

Zur Berechnung des Wertes einer Währung gibt es verschiedene Konzepte. Eines der bekanntesten ist unbestritten der Big-Mac-Index. Dieser Index wurde 1986 von der britischen Wochenzeitung «The Economist» ins Leben gerufen und hat sich seither zu einem bekannten Indikator der Kaufkraft verschiedenster Währungen entwickelt.

Die Berechnungen des Big-Mac-Index beruhen auf der Annahme, dass sich der Wech­selkurs zwischen zwei Währungen auf lange Sicht hin zur Kaufkraftparität bewegt. Diese liegt dann vor, wenn mit einer Währungseinheit in beiden Währungsräumen derselbe Warenkorb, wie beispielsweise ein Big Mac, erworben werden kann.

Kosten für einen Big Mac in ausgewählten Ländern

Der Data Race bildet die Entwicklung des Big-Mac-Index zwischen 1986 und 2019 auf Datenbasis von bigmacindex.org ab.

Quelle: Credit Suisse

Den Wert einer Währung bemessen: Fair Value

Ähnlich dem Big-Mac-Index setzt die Credit Suisse zur Bemessung des Fair Value eben­falls bei der Kaufkraftparität an. Jedoch ziehen die Ökonomen weitere wichtige Fak­toren hinzu. Denn die Kräfte, welche die Wechselkurse in Richtung der Kaufkraftparität verschieben, sind verhalten. Gründe dafür sind, dass …

  1. die Haushalte weit mehr als die Hälfte ihrer Konsumausgaben für nicht handelbare Güter und Dienstleistungen aufwenden. So beispielsweise für Haarschnitte, Mieten oder Gesundheitsleistungen. Bei diesen findet die internationale Preisarbitrage nur sehr bedingt oder gar nicht statt.
  2. Währungen auch als Finanzanlagen beliebt sind. Die Risiko- und Ertrags­einschätzungen der Anleger nehmen dabei Einfluss auf den Wert einer Währung.

Um jegliche Bestimmungsfaktoren der Risiko- und Ertragsprämien einer Währung zu berücksichtigen, nutzt die Credit Suisse zur Berechnung des Fair Value ein erweitertes Kaufkraftparitätsmodell. Dieses besagt, dass der faire Wert des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro momentan bei 1.22 liegt. Der Euro-Franken-Kurs hingegen bewegt sich seit Jahren um 1.10. Demnach ist der Franken derzeit gegenüber dem Euro um rund 10 Prozent überbewertet.

Frankenstärke ist ein neueres Phänomen

Dass der Franken seit jeher zu teuer ist, bleibt aber ein Mythos. Denn im Zeitraum zwischen 2003 und 2010 lag der Euro-Franken-Kurs deutlich höher, als dem damaligen Fair Value entsprechend angemessen gewesen wäre. Der Franken war folglich gegen­über dem Euro jahrelang unterbewertet.

Der faire Euro-Franken-Wechselkurs nimmt ausserdem in der Tendenz verstärkt ab. Um rund 20 Prozent ist dieser seit 2002 gesunken. Das ist insbesondere der stärkeren Teuerungsentwicklung in der Eurozone gegenüber der Schweiz sowie dem Abklingen des substanziellen Aufwertungsdrucks auf den Schweizer Franken zu verdanken.

Fair Value dürfte zukünftig sinken

Grundsätzlich ist auch weiterhin eine tiefere Inflation in der Schweiz als in der Euro­zone zu erwarten. Dies bietet beste Voraussetzungen dafür, dass der Schweizer Franken gegenüber dem Euro zulegen und der Fair Value des Euro-Franken-Kurses weiterhin graduell sinken dürfte. In rund fünf Jahren wäre somit ein Fair Value zu erwarten, der dem heutigen Euro-Franken-Wechselkurs entspricht.