Sieben Tipps für den Jahresabschluss 2020

Ein Geschäftsjahr geprägt von Corona. 7 Tipps für den Jahresabschluss. 

Das Geschäftsjahr 2020 stand ganz im Zeichen des Coronavirus. Mit der Vergabe von COVID-19-Krediten konnten Liquiditätsengpässe zwar in vielen Fällen aufgefangen werden, die wirtschaftliche Unsicherheit aber ist geblieben. Sieben Fragen und Antworten zu steuerlichen und rechtlichen Themen, die im Jahresabschluss beachtet werden sollten.

1) Welche Änderungen bringt das neue COVID-19-Solidarbürgschaftsgesetz mit sich?

Am 19. Dezember 2020 ist das COVID-19-Solidarbürgschaftsgesetz in Kraft getreten, das die vom Bundesrat unter Notrecht erlassene COVID-19-Solidarbürgschaftsverordnung vom 25. März 2020 ablöst. Das Gesetz enthält insbesondere folgende Neuerungen: Verlängerung der Laufzeit der COVID-19-Kredite von fünf auf acht Jahre (im Härtefall Verlängerung um weitere zwei Jahre), Zulässigkeit der Verwendung der Kreditmittel auch für Neu- bzw. Erweiterungsinvestitionen (bisher nur Ersatzinvestitionen erlaubt) sowie explizite Erlaubnis von Umstrukturierungen gemäss Fusionsgesetz (FusG) unter bestehendem COVID-19-Kredit.

Unverändert ist hingegen die Regelung betreffend Mittelentnahmen durch den Aktionär oder ihm nahestehende Personen, d. h. Dividendenausschüttungen sowie Darlehensgewährung bleiben verboten, solange eine COVID-19-Solidarbürgschaft besteht.

2) Wie ist ein COVID-19-Kredit zu bilanzieren?

Je nach Zinsregelung sind COVID-19-Kredite als «verzinsliche» (falls > CHF 500’000) oder «übrige» Verbindlichkeiten auszuweisen. Ob sie dem kurzfristigen oder langfristigen Fremdkapital zuzuweisen sind, hängt von der entsprechenden COVID-19-Kreditvereinbarung mit der Bank ab. Im Anhang zur Jahresrechnung sollte zudem deren Inhalt (Betrag, Amortisationsregelung und Verzinsung) offengelegt werden.

3) Was ist steuerlich bezüglich Wertkorrekturen oder Rückstellungen zu beachten?

Einzelne Kantone wie Zug, Wallis oder Aargau liessen für den Jahresabschluss 2019 auf Ebene der Kantons- und Gemeindesteuern zusätzliche steuerliche COVID-19-Rückstellungen zu. Diese Rückstellungen waren in der Regel auf ein Jahr begrenzt. Soweit ein Unternehmen davon Gebrauch gemacht hat, muss es diese Rückstellungen gemäss den kantonalen Vorschriften nun im Jahresabschluss 2020 wieder auflösen. Die kantonalen Einzelheiten sind dabei massgebend.

4) Wie werden Mietreduktionen im Geschäftsvermögen steuerlich qualifiziert?

Bei einer Mietreduktion wird auf Mieterseite ein höherer steuerbarer Gewinn bzw. kleinerer Verlust erzielt (auf der Vermieterseite verhält es sich umgekehrt). Falls die Mietreduktion durch eine nahestehende Person gewährt wird und kein Drittvergleich vorhanden ist, bedarf es allenfalls einer Abklärung durch einen Steuerexperten.

Von einem Tatbestand der Schenkungssteuer ist gemäss ersten Rückmeldungen der Steuerverwaltungen nicht auszugehen, da bei einer Mietreduktion die Sicherung des langfristigen Mietvertrags und kein Schenkungswille im Vordergrund steht (der konkrete Sachverhalt bleibt vorbehalten).

5) Welche Pflichten obliegen dem Verwaltungsrat bei einer Verschlechterung der finanziellen Lage des Unternehmens?

Neben der Überwachung der Liquidität gehört die Beurteilung des Eigenkapitals zu den zentralen Pflichten des Verwaltungsrats. Insbesondere folgende zwei Konstellationen erfordern dringenden Handlungsbedarf:

  1. Die Hälfte des Aktienkapitals und der gesetzlichen Reserven ist nicht mehr gedeckt (Kapitalverlust nach Art. 725 Abs. 1 OR).
  2. Neben dem ganzen Eigenkapital ist auch das Fremdkapital nicht mehr voll gedeckt (Überschuldung nach Art. 725 Abs. 2 OR).

Liegt ein Kapitalverlust vor, hat der Verwaltungsrat unverzüglich Sanierungs-massnahmen in die Wege zu leiten. Bei einer festgestellten Überschuldung (sowohl zu Fortführungs- als auch zu Liquidationswerten) kann die Benachrichtigung des Gerichts nur noch durch Rangrücktritte von Gesellschaftsgläubigern im Rahmen der Unterdeckung abgewendet werden (die Pflicht zur Einleitung von Sanierungsmassnahmen bleibt jedoch auch dann bestehen).

Hinweis: Ein allfälliger COVID-19-Kredit gemäss Art. 3 der COVID-19-Solidarbürgschaftsverordnung (bis CHF 500’000) wird bei der Berechnung eines Kapitalverlusts bzw. einer Überschuldung nicht zum Fremdkapital gezählt.

6) Zu welchen Werten muss im Jahresabschluss 2020 bilanziert werden: Unternehmensfortführungswerte oder Liquidationswerte?

Erfährt ein Unternehmen wesentliche wirtschaftliche Beeinträchtigungen durch COVID-19, kann dies auch Auswirkungen auf die anwendbaren Bilanzierungsvorschriften haben. Gemäss Obligationenrecht ist bei der Bewertung von Fortführungs- auf Liquidationswerte zu wechseln, wenn eine Einstellung der Unternehmenstätigkeit innert 12 Monaten ab dem Bilanzstichtag wahrscheinlich oder unabwendbar ist. Zu erwähnen ist, dass eine Umstellung auf Liquidationswerte zu grösseren Reduktionen der Anlagewerte bzw. des Eigenkapitals und im schlechtesten Fall zu einer Überschuldung führen kann.

7) Auf was ist bei einer Sanierung aus steuerlicher Sicht zu achten?

Eine Unternehmung ist gemäss Praxis der Eidgenössischen Steuerverwaltung sanierungsbedürftig, wenn sie über keine offenen und/oder stillen Reserven verfügt, welche die ausgewiesenen Verluste abdecken können. Dabei ist zu beachten, dass die einzelnen Sanierungsleistungen steuerlich unterschiedliche Folgen haben können. Bei der Gewinnsteuer wird in diesem Zusammenhang zwischen sogenannten echten und unechten Sanierungserträgen unterschieden: Echte Sanierungserträge (z. B. aus Forderungsverzichten oder À-fonds-perdu-Leistungen durch Dritte) unterliegen grundsätzlich der Gewinnsteuer – im Gegenzug können sie zeitlich unbeschränkt mit Verlusten aus früheren Jahren verrechnet werden (anstelle der sonst üblichen Begrenzung auf sieben Jahre). Unechte Sanierungserträge (z. B. aus Kapitalherabsetzung mit anschliessender Wiedererhöhung oder À-fonds-perdu-Leistungen durch Gesellschafter) sind demgegenüber gewinnsteuerneutral.

Aufgrund der Komplexität der steuerlichen Regelungen ist es ratsam, im Rahmen einer Sanierung bereits im Vorfeld Fachleute beizuziehen.

Wie kann mich die Credit Suisse weiter unterstützen?

Bei Bedarf können unsere erfahrenen Steuerexperten im Bereich Unternehmenssteuerrecht Sie bei diesen Fragestellungen unterstützen und Sie gegebenenfalls mit weiteren Spezialisten in Verbindung bringen.

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