Die Logistik erobert die Stadt

Citylogistik gewinnt an Bedeutung. Einerseits wohnen immer mehr Menschen in Städten und deren Agglomeration. Andererseits bestellen sie Artikel immer häufiger im Internet. Um die Logistik in der Stadt effizient zu bewerkstelligen, sind innovative Lösungen notwendig.

Die Stadtflucht der 80er- und 90er-Jahre ist Geschichte. Die Menschen zieht es wieder stärker in die Städte. Heute wohnen rund 3,6 Millionen und damit 43 Prozent der insgesamt 8,4 Millionen Einwohner der Schweiz in einer der fünf Grossagglomerationen des Landes – Tendenz steigend.

Vor allem die Agglomerationsgemeinden der Grosszentren dürften bis 2030 überdurchschnittlich stark expandieren. Das zeigt die Studie zum Schweizer Immobilienmarkt 2018 der Credit Suisse.

Onlinehandel und Anzahl Pakete nimmt zu

Der Trend ist für die Logistik-Branche eine Herausforderung. Erst recht, da auch der Onlinehandel immer wichtiger wird. 2017 wurden bereits 8,3 Prozent des inländischen Detailhandelsvolumens online abgewickelt. Das Wachstumspotenzial bleibt dabei gross. Die Gesamtzahl der im Schweizer Markt beförderten Pakete hat seit 2013 um rund 20 Millionen auf den Rekordstand von 165 Millionen zugenommen.

Dabei versuchen sich die Onlinehändler nicht nur über das Angebot und die Preise von ihren Mitbewerber abzuheben, sondern auch über Zusatzdienstleistungen und Lieferkonditionen wie beispielsweise schnellere Liefergeschwindigkeiten. So werden bei der Schweizerischen Post immer mehr Pakete prioritär versendet. Deren Anteil ist von 27 Prozent im Jahr 2005 auf 53 Prozent im Jahr 2017 gestiegen.

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Beförderte Pakete in der Schweiz

Veränderung der Anzahl Pakete in Mio. gegenüber dem Vorjahr (Schätzung)
Quelle: Schweizerische Post, Credit Suisse

Alternativen für die Citylogistik gesucht

Konzepte zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit im städtischen Güterverkehr und zur Bewältigung der letzten Meile werden seit einigen Jahren in Fachkreisen rege diskutiert und unter dem Begriff «Citylogistik» (oder «Urban Logistics») zusammengefasst. Im Wesentlichen setzen diese Konzepte an vier Punkten an:

Erstens werden Alternativen zur klassischen Auslieferung per LKW/Kleintransporter vorgeschlagen (E-Fahrzeuge, autonome Fahrzeuge, Drohnen usw.). Zweitens werden neue Lieferungsmodelle eingeführt oder getestet (zum Beispiel Abholpunkte und Paketboxen an zentralen Standorten). Ein dritter Ansatz für eine effizientere Citylogistik setzt auf Kooperation: Logistiker, Paketdienstleister und Händler sollen ihre Transport- und Lagerkapazitäten, aber auch ihre Daten teilen und so die Ressourceneffizienz steigern.

Spannendes Urban Logistics-Projekt in Genf

Ein vierter Konzeptstrang setzt bei den Immobilien an. Als ideal gilt diesbezüglich ein System mit Lager in der Agglomeration sowie einem Netz aus kleineren Distributionszentren respektive Mikrodepots in der Stadt. Ein solches Konzept soll die Same-Day oder Same-Hour-Delivery auf breiterer Basis ermöglichen. Für die innerstädtische Logistik lassen sich beispielsweise Büroflächen oder Verkaufsflächen umnutzen.

Ein aktuelles Projekt, das einen interessanten Ansatz verfolgt, ist das Espace Tourbillon in Genf – eine grosse Arealentwicklung, in deren Rahmen hauptsächlich flexibel nutzbare Gewerbe- und Industrieflächen entstehen. Geplant ist dabei ein unterirdisches, auch schweren Lastwagen zugängliches Logistikterminal, das mit allen Gebäuden verbunden ist.

Logistik-Schwerpunkte bleiben in der Agglomeration

Trotz Innovationen bleiben in der Schweiz jedoch die klassischen Standorte an den Autobahnkreuzen ausserhalb der Agglomeration geografische Schwerpunkte der Logistik. Das zeigt sich exemplarisch im Raum Zürich. In der Stadt selbst sind insbesondere Post- und Kurierdienste vertreten.

Die grösseren Lager- und Logistikflächen konzentrieren sich hingegen auf einige verkehrstechnisch ideal gelegene Standorte in der Agglomeration, wie zum Beispiel die Flughafenregion und das Limmattal. Auch bezüglich geplanter Logistikflächen befinden sich die Schwerpunkte ausserhalb der Zentren.

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Logistikstandort Zürich: Beschäftigungsdichte/Bauprojekte im Logistikbereich

Beschäftigungsdichte in logistiknahen Branchen (2015), Baugesuche nach Branche des Bauherrn (Ab einem Baukostenvolumen von CHF 1 Mio; Kreisgrösse = Baukosten)
Quelle: Bundesamt für Statistik, Baublatt, Credit Suisse, Geostat