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«Es gab nie eine andere Option»

Yann Sommer; Nationalteam; Fussball; Nationalmannschaft; Nati

Nach 2016 wurden Sie zum zweiten Mal zum «Credit Suisse Player of the Year 2018» gewählt. Was ist schwieriger: Die Premiere oder die Bestätigung?
Beides war schwierig, denn die Konkurrenz ist hart. Ich habe mich auch dieses Jahr sehr darüber gefreut und es ist eine Bestätigung, dass ich vieles richtig gemacht habe. Aber ohne starke Vorderleute, bist Du also Goalie aufgeschmissen. Deshalb geht dieser Preis auch an das ganze Team.

Das Schicksal des Torwarts gleicht jenem des Schiedsrichters: Jeder Fehler hat gravierende Folgen und man gerät unter Beschuss. Umso schwieriger ist es, eine solche Auszeichnung zu gewinnen. 
Vielleicht. Hätte ich an der WM viermal gefloppt, dann würde ich diese Trophäe wohl nicht in den Händen halten. Aber Fehler gehören dazu. Sie bieten auch eine Chance, dass du besser wirst.

Sehnen Sie sich manchmal nach dem unbeschwerten Leben des Feldspielers? Nach dem Glück des Stürmers, der ein Tor erzielt und von den Mitspielern gefeiert wird?
Nein. Es gab nie andere Option für mich. Ich wollte von klein auf nur eines: ins Tor stehen und die Bälle fangen. Das ist vielleicht genetisch bedingt. Schon mein Vater und Onkel waren Torhüter.

Sie wurden vom Fachmagazin «Kicker» zum besten Goalie der Bundesliga-Rückrunde gewählt. Ist der aktuelle Yann Sommer besser als jener von 2016?
Ich denke schon, dass ich dank der zusätzlichen Erfahrung nochmals zulegen konnte. Ich bin heute ruhiger, kann besser mit Druck umgehen. Und es zahlt sich aus, dass ich jetzt noch professioneller lebe als früher. Ich esse sehr bewusst, pflege meinen Körper, hole mir Unterstützung vom Osteopathen. Ich versuche einfach alles herauszuholen, was mein Körper hergibt.

Was war die beste Parade der letzten Saison?
Ich denke, das war beim WM-Match gegen Costa Rica. Da gelang es mir, einen platzierten Kopfball aus kürzester Distanz aus dem rechten, unteren Eck zu fischen. Da stehst auf und denkst: genau für solche Momente schuftest du jeden Tag.

Von welchem Spieler haben Sie in Ihrer Karriere die meisten Tore kassiert?
Keine Ahnung. Ich bin gut im Verdrängen von Gegentoren.

Und wer hat den härtesten Schuss?
Granit Xhaka gehört sicher dazu. Aber fast schwieriger als die Härte, ist der Drall, den gewisse Schusskünstler dem Ball geben können.

Sie sind auch leidenschaftlicher Koch und betreiben einen Food-Blog. Was ist Ihr Lieblingsrezept der vergangenen Saison?
Das variiert, je nach Saison der Lebensmittel. Eine Neuentdeckung ist die gute alte Pastinake. Aus dem Wurzelgemüse lassen sich viele verschiedene Gerichte machen und gesund ist es auch noch.

Für Ihre herausragenden WM-Leistungen wurden Sie mit Lob überhäuft. Welches Kompliment hat Sie besonders gefreut? 
Mich freut jedes Kompliment. Und je qualifizierter der Absender, desto schöner. Ganz besonders gefreut haben mich die Worte von Gianni Buffon, er ist mein grosses Vorbild.

Und welche Journalisten-Frage können Sie nicht mehr hören?
Die Frage: «Wann gelingt der Schweiz bei einer WM oder EM endlich der Viertelfinal-Exploit?» Auch wenn wir das alle anstreben: Das Erreichen der Achtelfinals dreimal in Serie ist für die Schweiz alles andere als selbstverständlich. Das sollten wir uns immer wieder vor Augen führen.