Millennials

Die Millennials stellen mittlerweile sowohl aus politischer als auch aus wirtschaftlicher Sicht eine einflussreiche Bevölkerungsgruppe dar. Heute stellen Unternehmen nicht nur Dienstleistungen und Produkte für die Generation Y (20 bis 35 Jahre alt), sondern auch zunehmend für die Generation Z (unter 20 Jahren) zur Verfügung. Die Generation Z steht an der Spitze der globalen Bewegung zum Klimawandel und fördert damit den Fokus der Unternehmen auf ökologische Verantwortung und Nachhaltigkeit. Ihr Einfluss erstreckt sich auch auf die Bildung, da die Technologie eine immer wichtigere neue Möglichkeit darstellt, Wissen zu vermitteln und Qualifikationen zu erwerben. Was die Freizeit anbelangt, so beflügeln sie die Beliebtheit von Social Gaming und eSports. 

Generationen Millennials (Y, Z)

5.1  Nachhaltige Unternehmen und Anlagen

Ein Auge zudrücken ist keine Option mehr

Zu den obersten Prioritäten der Generation Z gehören der Umweltschutz und die Reduzierung der Umweltverschmutzung. Schliesslich ist es diese Altersgruppe, welche die Hauptlast der Folgen des Klimawandels zu tragen hat. Sie fordern Regierungen und Unternehmen auf, die Treibhausgasemissionen zu senken und Kunststoffabfälle zu reduzieren. Heute werden weltweit rund 50% der Verpackungsmaterialien aus Kunststoff hergestellt, wovon allerdings nur 14% bis 18% global recycelt werden. Dies geht aus einer Publikation der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) aus dem Jahr 2018 hervor. Sofern es nicht zu einer deutlichen Wende kommt, werden sich einem Bericht der Ellen MacArthur Foundation zufolge bis 2050 mehr Kunststoffabfälle in den Meeren befinden als Fische. Unternehmen, die in den Lebensmittel-, Getränke- und Kosmetikbranchen tätig sind, sowie Restaurant- oder Supermarktketten bemühen sich bereits, die Verwendung von Kunststoffen zu reduzieren und haben Zielvorgaben für recycelbare Verpackungen bekannt gegeben. Hersteller von Kunststoffalternativen werden unseres Erachtens von dieser Entwicklung profitieren. Doch auch die Kunststoffbranche selbst macht Fortschritte und verfolgt umweltbewusstere Strategien, entwickelt leichte Kunststoffe oder verbessert die Recycling-Systeme. 

Julie Saussier, Senior Equity Analyst, Consumer Goods, 
Credit Suisse

Millennials’ values

Die nachhaltige Industrialisierung, d.h. der Betrieb von Produktionsstätten ohne Abfälle, mit verringerten Emissionen und geringerer Wasserverschmutzung, rückt immer stärker in den Fokus der Unternehmen. In der Folge lancieren Industrieunternehmen innovative Clean-TechLösungen wie Energieverwaltung und Automatisierung (Smart Technologies), die beispielsweise in energieeffizienten Gebäuden zum Einsatz kommen. Cloud-Computing wird ebenfalls als Möglichkeit erachtet, die Umweltbelastung durch Konsumenten zu verringern.

5.2  Saubere Energie und Smart Mobility

Intelligentere und sauberere Mobilitätslösungen

Angaben des von der Internationalen Energieagentur (IEA) publizierten Global Energy & CO2 Status Report 2018 zufolge sind die globalen CO2-Emissionen 2018 um 1.7% auf ein Allzeithoch von 33.1 Gigatonnen angestiegen. Die Zunahme um 1.7% stellt den höchsten jährlichen Emissionsanstieg seit 2013 dar und fällt um 70% höher aus als die durchschnittliche Zunahme seit 2010. Die IEA zeigte jedoch auch auf, dass die CO2-Emissionen ohne die Emissionsreduzierungen durch politische Massnahmen, z.B. die Umstellung von Kohle auf Gas, die stärkere Nutzung erneuerbarer Energiequellen und Verbesserungen bei der Energieeffizienz 2018 mit 3.8% noch stärker gestiegen wären. 

Ein Grossteil der heutigen CO2-Emissionen entfällt nach wie vor auf Autos. In einer Welt, in welcher der Grossteil der Fahrzeuge 95% der Zeit nicht bewegt wird, und falls doch, dann meist nur von einer Person, dürften Autos immer autonomer werden und sich Car-Sharing-Dienste einer zunehmenden Beliebtheit erfreuen. Um das Angebot auch für technologisch versierte Generationen wie die Millennials interessant zu machen, sind Autos immer stärker vernetzt. Im Laufe des nächsten Jahrzehnts wird sich daher vermutlich ein Übergang von einer autozentrischen zu einer mobilitätsorientierten Welt vollziehen.

Da die Umweltsorgen zunehmen, wird die Entwicklung von Elektrofahrzeugen weiter vorangetrieben, und auch deren Verbreitung beschleunigt sich stetig. 2019 gelangen voraussichtlich zahlreiche neue Modelle auf den Markt, die sich durch eine höhere Reichweite und andere Neuerungen auszeichnen. Die Autohersteller streben bis 2025 eine durchschnittliche Elektrifizierung von 25% an. Die Batteriekosten sind stark rückläufig, was erschwinglichere Fahrzeuge für Konsumenten zur Folge hat. Diese Entwicklungen sollten der gesamten Batterie-Lieferkette für Elektrofahrzeuge zugutekommen, sodass Kapazitätssteigerungen keinen wesentlichen Sorgenpunkt mehr darstellen. Gleiches gilt für die sinkenden Rohstoffpreise, da die erwartete Nachfrage über dem prognostizierten Angebot liegt. 

Die Entwicklung hin zu autonomen Fahrzeugen wird in Etappen von der Teil- bis zur vollständigen Automatisierung erfolgen. Die höheren Sicherheitsstandards erfordern den Einsatz technologischer Hardware, wie z.B. Lidar – ein auf Licht- und Radarwellen basierender Sensor –, und hochauflösender kartengestützter Systeme in Fahrzeugen. Darüber hinaus begünstigen technologische Umwälzungen die Entwicklung von Software, die sich die erheblichen Fortschritte auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz zunutze macht. Die Credit Suisse geht davon aus, dass bis 2030 20% der Fahrzeuge autonome Funktionen der Stufe 3 und darüber hinaus aufweisen werden, d.h. eine bedingte, hohe oder vollständige Automatisierung. Hersteller von Premium-Automobilen bringen voraussichtlich bereits 2020 die ersten Autos mit Funktionen der Stufe 3 auf den Markt. Trotz schwerwiegender Vorfälle bei Tests von autonomen Fahrzeugen im vergangenen Jahr rechnen wir damit, dass einige «Robotaxis» 2019 eingeführt werden und dass sich deren Verbreitung in den kommenden Jahren beschleunigt. 

Ride-Hailing- oder Ride-Sharing-Unternehmen werden vermutlich die ersten Anwender der autonomen Fahrzeugtechnologie sein, da der Besitz und der Betrieb einer Flotte an autonomen Fahrzeugen ein attraktives Geschäftsmodell darzustellen scheint. Diese Unternehmen benötigen Finanzdienstleistungen für die Vermögensverwaltung sowie Reinigungs-, Auflade-, Wartungs- und Reparaturdienstleistungen und einen App-Anbieter. Eine weitere wesentliche Gelegenheit stellt die Monetarisierung von Werbeanzeigen oder Dienstleistungen in autonomen Fahrzeugen dar. Vor diesem Hintergrund werden aktuelle Ride-onDemand-Plattformen, Hardware-/Softwareintegratoren und Social -Media-Unternehmen möglicherweise eine Partnerschaft anstreben. 

5.3  Digital Natives

Bildungstechnologie auf dem Vormarsch 

In unserem Zeitalter der Digitalisierung, der künstlichen Intelligenz (KI) und der Automatisierung fordert die Generation Z neue Formen von Bildungsangeboten. Wir sprechen hier von einer sich abzeichnenden Revolution der Bildungstechnologie

Als technologisch versierte Einzelpersonen, die mit dem Bereich Social Gaming vertraut sind, sind die Vertreter dieser jungen Generation an simulierte Erlebnisse und Stimulationen gewöhnt. Die Bildungstechnologie trägt diesen Präferenzen mit einem innovativen, spielerischen Ansatz Rechnung, der den Lernprozess vereinfacht. Beispielsweise bieten animierte Lehrinhalte Spielraum für Anpassungen oder streben Augmented-Reality-Bücher einen stärkeren Einbezug der Lernenden an. Automatisierung und künstliche Intelligenz haben bereits Veränderungen bei Tätigkeitsprofilen zur Folge, und am besten lässt sich darauf reagieren, indem man sich Fertigkeiten aneignet, die nicht automatisiert werden können, z.B. kritisches Denken, Problemlösefähigkeiten, emotionale Intelligenz und Kreativität. Die Bildungstechnologie befasst sich mit diesen immer wichtigeren Kompetenzen. 

Angesichts einer zunehmenden Smartphone-Abhängigkeit und ihrer Auswirkungen auf die Gesundheit könnte die Bildungstechnologie zudem dazu beitragen, Technologie auf zuträgliche Art und Weise zu nutzen. Darüber hinaus könnten dadurch die Bildungskosten gesenkt und mehr Schülern der Zugang zu Bildung ermöglicht werden, wodurch lebenslanges Lernen gefördert wird. HolonIQ, ein globales Marktforschungsunternehmen im Bereich Bildung, rechnet bis 2025 mit einem starken Anstieg der Ausgaben für Bildungstechnologie auf USD 340 Mrd. Risikokapitalgeber legen bereits in Start-up-Projekte in den USA und Asien an und haben 2018 Schätzungen zufolge Investitionen in Höhe von knapp USD 8 Mrd. getätigt – doppelt so viel wie im Vorjahr. Es ist hier auch bereits zu Börsengängen gekommen, und grosse Internetfirmen streben eine Übernahme solcher Start-up-Unternehmen an.

Revolution der Bildungstechnologie

5.4  Spass, Gesundheit und Freizeit

Eintritt in die Welt des Social Gaming

Die jüngeren Generationen sind gesellig und lebensfroh und tragen somit zur Beliebtheit des Social Gaming bei. Das Free-to-Play-Videospiel Fortnite Battle Royale stellt diesbezüglich ein Paradebeispiel dar: Es wurde von Epic Games, das sich zu 48% im Besitz des chinesischen Unternehmens Tencent befindet, im Herbst 2017 für PCs und im März 2018 für Mobilgeräte herausgebracht. Das Spiel erreichte in kürzester Zeit eine Nutzerzahl von 125 Millionen Spielern und ist im Hinblick auf die Nutzerbasis derzeit das beliebteste Spiel. Ein weiteres Beispiel ist League of Legends von Riot Games, das sich ebenfalls mehrheitlich im Besitz von Tencent befindet. Es ist das beliebteste Spiel im eSports-Bereich, in dem professionelle Spieler in Turnieren gegeneinander antreten. Das Finale der League of Legends World Championship verzeichnete Zuschauerzahlen von beinahe 100 Millionen. Im Vergleich dazu waren es beim Super Bowl 2018 knapp über 98 Millionen Zuschauer und bei den fünf Spielen der World Series (Baseball) 2018 im Schnitt 14.3 Millionen Zuschauer. 

Die wachsende Beliebtheit der eSports ist ein Beleg für den raschen Wandel, der sich in der Spielebranche von traditionellen Konsolen und Bezahlspielen hin zu Mobile und Social Gaming vollzieht, was insbesondere dem Einfluss der Generation Z zu verdanken ist. Der Markt für mobile Spiele zielt auf eine grössere Nutzerbasis ab, indem kostenlose Spiele über grosse Internetplattformen vertrieben werden. Die Monetarisierung dieser Spiele erfolgt über Mikrotransaktionen im Spiel, Werbung und den Verkauf von Lizenzrechten an eSports-Sender. Darüber hinaus wird der Einbezug sozialer Aspekte in das Spielerlebnis immer wichtiger. Unseres Erachtens weisen der Gaming-Markt und eSports weiterhin ein attraktives Entwicklungspotenzial auf.

Mobilgeschäft begünstigt den Markt für Videospiele

Trotz der zunehmenden Beliebtheit hat Social Gaming auch seine Schattenseiten, so z.B. die Suchtgefahr und die damit verbundenen nachteiligen Auswirkungen auf die Gesundheit. Vor diesem Hintergrund rücken die Bemühungen der Spieleunternehmen, Risiken mit Bezug zur Suchtgefahr zu mindern, zunehmend in den Vordergrund. Es ist bereits eine Zunahme von Zeiterfassungstools zu beobachten. Und auch Technologieunternehmen sehen sich Druck ausgesetzt, ethisches Design zu verwenden, d.h. den Einsatz psychologischer Überzeugungstechnologien bei von Kindern genutzten Apps einzuschränken.

Erkenntnisse für Anleger

Hauptnutzniesser dieses fünften Supertrends sind unseres Erachtens:

  • Unternehmen mit hohem Score in Bezug auf Umwelt-, soziale und Governance-Kriterien (ESG-Kriterien), die Nachhaltigkeit in ihre Strategie integriert haben.
  • Unternehmen mit Bezug zu sauberer Energie und Smart Mobility (erneuerbare Energien), für Digital Natives interessante Marken (Social-Media-Webseiten, Marktführer im Onlinehandel, Technologiemarken) und Unternehmen mit Exposure gegenüber Spass, Gesundheit und Freizeit (Videospiele, eSports, MillennialsKonsummarken).
  • Bildungstechnologie: Dies ist ein neuer Ansatz zur Vermittlung von Lerninhalten, der sich Digitalisierung zunutze macht und Personalisierung, Gamification und Simulation ermöglicht, um Fertigkeiten zu entwickeln, die nicht automatisiert werden können.
  • Social Gaming: Online-Spiele, die eine soziale Interaktion zwischen den Spielern ermöglichen.
  • Smart Mobility: Smart Mobility (intelligente Mobilität) bezeichnet saubere und autonome Transportmittel. Hierzu gehören Hardware-/Softwareanbieter und -integratoren, Fuhrparkmanager sowie Ride-Hailing- und -SharingPlattformen.