Hauptanlageklassen Renditechancen am Anleihenmarkt

Renditechancen am Anleihenmarkt

Zwar werden die Renditen vieler Anleihen höchster Qualität 2020 höchstwahrscheinlich negativ ausfallen, doch bestehen weiterhin Chancen, etwa im BB-Segment der High-Yield-Anleihen.

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China belastete die Weltwirtschaft, und die langfristigen Zinsen tendierten 2019 grösstenteils schwächer, was Kapitalgewinne mit sich brachte. Zum Redaktionsschluss zeichnete sich bei Staats- und IG-Anleihen eine viel bessere Performance als 2018 ab – und dies trotz der Tatsache, dass über 35% der europäischen Investment-Grade- Unternehmensanleihen bereits Anfang 2019 negative Renditen aufwiesen. 

Wieder steigende Renditen 

Gemäss unserem Basisszenario sollten die Weltwirtschaft im Jahr 2020 leicht an Fahrt zulegen und die Renditen von IG- und Staatsanleihen daher steigen. Das würde Kapitalverluste nach sich ziehen. Aufgrund der eher flachen Zinskurven würde der Rückgang insbesondere lang laufende Anleihen treffen. Daher sind 2020 negative Renditen für viele hochwertige Anleihen zu erwarten. Tiefe oder sogar negative Ausgangsrenditen machen es praktisch unmöglich, negative Erträge zu vermeiden. 

Wir erwarten nur bei wenigen hochwertigen Anleihen positive Erträge, etwa bei US-amerikanischen oder australischen Staatsanleihen. Hingegen dürften die Erträge im Grossteil der Eurozone und in der Schweiz negativ sein. Positive Erträge sind nur im Falle einer schweren Rezession oder einer geopolitischen Krise zu erwarten. Dies würde zu weiter sinkenden Renditen im hochwertigen Segment führen, und die resultierenden Kapitalgewinne würden sogar die negativen Ausgangsrenditen überkompensieren. 

Härtere Zeiten für Kredit 

Die Spreads haben sich 2019 in den meisten Kreditsegmenten verengt. Die absoluten Renditen sind daher in den meisten Segmenten sehr tief. In manchen Bereichen entschädigen die Renditen nun unzureichend für das Risiko schlechterer Fundamentaldaten und das steigende Ausfallrisiko.

Dies gilt insbesondere für Schuldner mit sehr geringer Bonität (z.B. Single B), die im Fall einer weiteren Abschwächung der Weltwirtschaft stark gefährdet sind. Darüber hinaus hat der Fremdkapitalanteil in zyklisch anfälligen Bereichen wie Stahl und Energie zugenommen. In mehreren Kreditsegmenten (Investment Grade und High Yield) scheinen die Renditen jedoch ausreichend für die Risiken zu entschädigen.

Anleihen aus Schwellenländern bieten ein gutes Risiko-Rendite-Verhältnis

Anleihen aus Schwellenländern bieten ein gutes Risiko-Rendite-Verhältnis

Spreads gegenüber Kern-Staatsanleihen (in Bp)

Enger Fokus für Investment Grade

Hintergrund: Obwohl die Renditen von Investment-Grade-Anleihen absolut betrachtet äusserst niedrig sind, sehen wir dort weiterhin attraktive Chancen. Die meisten dieser Anleihen haben wohl keine Herabstufung zu befürchten, selbst in einem Umfeld mit gedämpftem Wirtschaftswachstum. 

Chancen: Unseres Erachtens ergeben sich interessante Gelegenheiten in auf USD lautenden Investment-Grade-Unternehmensanleihen aus Schwellenländern, nicht zuletzt in einigen asiatischen Märkten, wo die Besorgnis über die Auswirkungen eines Handelskriegs zwischen den USA und China einen Anstieg der Spreads zur Folge hatte, obwohl die Fundamentaldaten der Unternehmen weiter solid sind. Einige europäische Hybridanleihen aus konjunkturunabhängigen Sektoren, wie zum Beispiel Versorgungsunternehmen und Kommunikationsdienste, bieten ebenfalls interessante risikobereinigte Renditen.

High Yield: Fokus auf nachrangige Finanzwerte

Hintergrund: Die Spreads von High-Yield-Anleihen könnten weiter ansteigen, solange die Rezessionsängste nicht überwunden sind, wobei Anleihen mit B-Rating am anfälligsten gegenüber einem stärkeren Anstieg der Spreads sind. Das leicht höherwertige BB-Segment bietet unserer Meinung nach jedoch weiterhin Chancen. 

Chancen: Dies umfasst auch nachrangige Anleihen aus dem Finanzsektor. Der anhaltende Druck der Aufsichtsbehörden, die Bankbilanzen zu stärken, und der Abwärtstrend bei den notleidenden Krediten, nicht zuletzt aus den europäischen Peripheriestaaten, sollten für Unterstützung sorgen. High-Yield-Anleihen, die ESG-Standards (Umwelt, Soziales und Governance) erfüllen, stossen ebenfalls auf zunehmendes Interesse und haben steigende Bedeutung.

Anleihen aus Schwellenländern: Gutes Risiko-Rendite-Verhältnis 

Hintergrund: Die Spreads der wichtigsten Indizes für Schwellenländeranleihen sind seit der Finanzkrise von 2008 weniger stark geschrumpft als die mehrerer anderer Kreditsegmente mit höherem Risiko in Industrieländern, wo der Fremdkapitalanteil oft höher ist. Letztere haben vielleicht stärker, wenn auch indirekt, von den Anleihenkaufprogrammen der Zentralbanken profitiert, die sich auf Anleihen der fortgeschrittenen Volkswirtschaften konzentrierten. Hingegen bieten Schwellenländeranleihen nun eine höhere Risikoprämie, was Anlegern zugutekommt.

Chancen: Die lockerere Geldpolitik der Fed ist für die Schwellenländer, die von USD-Finanzierungen abhängen, vorteilhaft. Die Fundamentaldaten einiger grosser Schuldner wie Brasilien, Mexiko und die Türkei dürften sich 2020 verbessern. Die rückläufige Inflation erlaubt wahrscheinlich sinkende Leitzinsen in mehreren Ländern, wovon insbesondere Schwellenländeranleihen in Lokalwährung profitieren sollten. Da manche Währungen unter Druck geraten könnten, ist ein selektiver Ansatz unabdingbar.

Zurückhaltung bei Asset-backed Securities

Hintergrund: Strukturierte Kreditinstrumente, eher bekannt unter der Bezeichnung Asset-backed Securities, gelten als Haupt- verursacher der Finanzkrise von 2008 und wurden seitdem oft mit Skepsis betrachtet. Wir können jedoch verschiedene interessante Gelegenheiten in diesem Bereich ausmachen. Aber in manchen Segmenten ist Vorsicht angebracht, einschliesslich der traditionellen US-amerikanischen und europäischen Asset-backed-Securities- Märkte.

Chancen: Europäische Covered Bonds bieten nach wie vor moderate Renditen und ein hohes Rating. Collateralized Loan Obligations, insbesondere die Tranchen Senior und Mezzanine, warten ebenfalls mit einem guten Risiko-Rendite- Verhältnis auf. Sie sind in der Regel weit weniger von steigenden Ausfällen betroffen als High-Yield-Anleihen oder Leveraged Loans. Ferner schützt ihre variable Verzinsung sie zu einem gewissen Grad vor steigenden längerfristigen Zinsen. Im Gegensatz dazu stammen mehr als die Hälfte der Asset-backed-Securities- Emittenten in den USA aus der Automobilbranche, die mitten in einem Strukturwandel steckt.