Hauptanlageklassen Dollar am Zenit

Dollar am Zenit

Anfang Jahr wird sich der USD voraussichtlich noch behaupten, im 2. Halbjahr ist jedoch mit einer Aufwertung des EUR zu rechnen, wenn die Erholung in der Eurozone Fahrt aufnimmt. Der CNY könnte vielleicht wegen der binnenwirtschaftlichen Schwäche etwas stärker gegenüber dem USD nachgeben. Das GBP dürfte bei einer Beilegung des Brexit-Streits erheblich zulegen.

Hauptwährungen: Schwindender Zinsvorteil des USD 

2019 wertete der USD gegenüber den meisten Währungen aus Industrieländern weiter auf. Wenn sich das globale Wachstum und der Welt. handel stabilisieren, wovon wir ausgehen, könnte der konjunktursensitive EUR an Boden gewinnen. Doch sollte sich die geopolitische Lage verschlechtern oder das globale Wachstum enttäuschen, würde der USD weiter unterstützt bleiben, während der JPY und der CHF voraussichtlich zu den Hauptprofiteuren zählen würden. 

USD: 2020 sollte der USD weiter unterstützt bleiben, da er sowohl einen Wachstums- als auch einen Zinsvorteil (Carry) gegenüber den meisten anderen G10-Währungen geniesst. Aber diese Vorteile werden sich im Jahresverlauf wohl relativieren. Darüber hinaus könnte die Überbewertung des USD allmählich ins Blickfeld der Marktteilnehmer geraten, was Abflüsse aus USD-Vermögenswerten begünstigen würde. 

EUR: Nach einem enttäuschenden Jahr 2019 wird erwartet, dass die Eurozone 2020 nur moderat wachsen wird. Allerdings sollten zusätzliche Konjunkturprogramme und eine nachlassende Brexit-Unsicherheit den EUR stützen. Längerfristige Faktoren, insbesondere der wachsende Leistungsbilanzüberschuss der Region, stärken den EUR ebenfalls. Erneute Befürchtungen bezüglich der politischen und fiskalischen Stabilität Italiens stellen ein Risiko (mit geringer Eintrittswahrscheinlichkeit) dar. 

JPY: Wenngleich die weltweite Risikoaversion abnehmen und das Aufwärtspotenzial des JPY begrenzen dürfte, sind wir der Ansicht, dass die Unterbewertung des JPY gegenüber dem USD die japanische Währung stützen wird. Die Tatsache, dass die Bank of Japan kaum Spielraum für Zinssenkungen hat, sollte ebenfalls unterstützend wirken. 

GBP: 2019 durchlief das GBP angesichts der anhaltenden Unsicherheit rund um den Brexit mehrere Schwächephasen. Die Währung hat 2020 unserer Meinung nach das grösste Aufwertungspotenzial aufgrund ihrer deutlichen Unterbewertung und der zunehmenden Wahrscheinlichkeit, dass in den nächsten Monaten ein Brexit-Deal verabschiedet und umgesetzt wird. In diesem Fall ist auch die Wahrscheinlichkeit grösser, dass die Bank of England ihre Geldpolitik strafft und das GBP weiter stärkt.

CHF: Der CHF ist gegenüber dem EUR überbewertet. Sollte die Konjunktur in der Eurozone anziehen, könnte der CHF gegenüber dem EUR durchaus etwas an Boden verlieren. Wenn sich die politischen und wirtschaftlichen Perspektiven weltweit verschlechtern, würde die Schweizerische Nationalbank voraussichtlich ihre Interventionen fortsetzen, um eine Aufwertung des CHF abzuwehren.

Rückläufiger Zinsvorteil des USD

Rückläufiger Zinsvorteil des USD

Spread in Prozentpunkten und Dollar-Index (rechts)

Schwellenländerwährungen: Wachstumsstabilisierung als Stütze

Die meisten Schwellenländerwährungen haben sich 2019 besser geschlagen als im Vorjahr. Durch den Lockerungskurs der US-Notenbank erwies sich ihr Zinsvorteil als Stütze. Abgesehen von dieser gemeinsamen Konstante wiesen die Regionen und Länder beträchtliche Unterschiede bei der Performance auf. In Asien hat China die Abwertung des CNY zugelassen, um die USStrafzölle teilweise zu kompensieren, was andere Währungen in der Region unter Druck setzte. Renditeschwache Währungen in der Region Europa, Naher Osten und Afrika bildeten das Schlusslicht in Bezug auf die Performance. 

Der Carry-Vorteil von Schwellenländerwährungen wird Anfang 2020 schrumpfen. Die Realzinsen sind 2019 aufgrund der Lockerung der Geldpolitik deutlich gesunken. Die Bewertungen hingegen haben allgemein an Attraktivität gewonnen. Zudem wird sich das Wachstum in vielen Schwellenländern voraussichtlich etwas beschleunigen. 

CNY: Der CNY entwickelte sich 2019 schwächer als die meisten asiatischen Währungen. Jede Entspannung im Handelskrieg würde für Erleichterung sorgen, insbesondere jetzt, da die Bewertung der Währung näher an den fairen Wert herangerückt ist. Da sich jedoch das Wachstum Chinas voraussichtlich weiter verlangsamen wird und sein Leistungsbilanzüberschuss sich deutlich verringert hat, sehen wir kein längerfristiges Aufwärtspotenzial. 

KRW: Der KRW verlor 2019 weiter an Boden, da die Wirtschaft des Landes eng mit den in China zentrierten Lieferketten verzahnt ist, erholte sich aber später. Im Fall einer Entschärfung des Handelskriegs und einer positiveren Einschätzung des Technologiesektors sollte sich die Währung weiter erholen, nicht zuletzt, da sie derzeit klar unterbewertet ist. 

MXN: Der MXN ist ein «Nutzniesser des Handelskriegs », da Mexiko seine Exporte aufgrund der Rückschläge Chinas ausweiten konnte. Indes wich der politische Druck, nachdem die USA, Kanada und Mexiko ein neues Freihandelsabkommen unterzeichnet hatten. Da das Wachstum leicht anziehen sollte und die Zentralbank zurückhaltend agiert, wird sich der Zinsvorteil der Währung nur allmählich abschwächen. Die Bewertung wirkt unterstützend. 

BRL: Die Bewertung hat sich verbessert, und das Wachstum scheint sich zu stabilisieren, wobei die Economic-Surprise-Indizes den höchsten Stand seit mehr als einem Jahr erreicht haben. Nachdem die Rentenreform abgeschlossen ist, wird sich das Augenmerk danach wohl auf die Steuerreform richten. Wir gehen nicht davon aus, dass die Zentralbank den Leitzins Selic stärker senkt als vom Markt derzeit erwartet. Die Währung sollte sich als standfest erweisen. 

RUB: Ein hoher Leistungsbilanzüberschuss und eine geringe Verschuldung sorgen nach wie vor für Unterstützung. Allerdings ist der RUB nach der deutlichen Aufwertung im Jahr 2019 unter Bewertungsgesichtspunkten nicht mehr attraktiv. 

TRY: Die fundamentale Bewertung, ein immer noch grosser Zinsvorteil und eine anziehende Wirtschaft werden die politische Unsicherheit voraussichtlich wettmachen. Allerdings wird die Volatilität wohl hoch bleiben.