Anlagestrategie 2020 Chancen in einem Niedrigzinsumfeld

Chancen in einem Niedrigzinsumfeld

   

  • Jedes Jahr aktualisieren wir unsere Capital Market Assumptions, um eine Grundlage für die strategische Ausrichtung von Portfolios bereitzustellen. Die Kernbotschaft in diesem Jahr lautet, dass die Zinsen voraussichtlich längerfristig niedrig oder sogar negativ bleiben werden.
  • Aktien bieten eine attraktive Risikoentschädigung verglichen mit renditeschwachen Staatsanleihen und Anleihen mit Investment-Grade-Rating. Im Fixed-Income-Segment gibt es noch Nischen mit Wertpotenzial, doch müssen Anleger hier selektiv vorgehen und auf eher unkonventionelle Märkte setzen.
     

Die Capital Market Assumptions (CMA) der Credit Suisse sind das Ergebnis eines proprietären Rechercheprozesses, der unsere quantitativen Daten mit qualitativen und theoretisch fundierten Einschätzungen unserer Marktspezialisten verknüpft. Es handelt sich dabei um eine schlüssige Zusammenstellung von langfristigen Renditeprognosen, die als Entscheidungsgrundlage für die strategische Asset-Allocation von Kundenportfolios dient.

Längerfristig niedrigere Geldmarktzinsen

Ein zentrales Ergebnis des diesjährigen Rechercheprozesses ist, dass die Zinsen über die nächsten fünf Jahre voraussichtlich weiter niedrig bleiben werden, wobei die Zentralbanken gerne Unterstützung leisten und darauf achten, dass die Inflation anzieht. Die USA befinden sich in einer späteren Phase des Konjunkturzyklus, da die Inflation bereits fast den Zielwert der US Federal Reserve erreicht hat. Laut Prognosen sollen die Geldmarktrenditen in den USA über einen Zeitraum von fünf Jahren knapp der durchschnittlichen Inflationsrate entsprechen, was eine Realrendite von fast null bedeutet. In Europa wird die Europäische Zentralbank wahrscheinlich noch länger am Negativzins festhalten. Der Nominalzins soll gemäss den Voraussagen im Durchschnitt nur leicht über null liegen, was zur Folge hat, dass Anleger, die weiter auf flüssige Mittel setzen, mit einem Kaufkraftverlust durch die Inflation zu rechnen haben. Schweizer Anleger stehen vor dem Problem, dass die Geldmarktzinsen sowohl nominal als auch real im negativen Bereich rangieren.

Staatsanleihen mit schwachen bis negativen Renditen

Das Ende des rigorosen Verfalls der Anleihenrenditen ist abzusehen. Sogar nur allmählich ansteigende Anleihenrenditen signalisieren, dass Anleger in Staatsanleihen und Investment-Grade-Anleihen sich wahrscheinlich perspektivisch auf recht magere Erträge gefasst machen müssen. Für langlaufende Staatsanleihen und inflationsgeschützte Anleihen in der Schweiz, in Japan und auch in der Eurozone prognostizieren wir über fünf Jahre negative Gesamtrenditen. Staatsanleihen der USA sowie Australiens, Kanadas und Grossbritanniens werfen unter den Industrieländern die höchste Rendite ab. In allen Regionen, mit Ausnahme der USA, werden sich Staatsanleihen laut Prognosen schwächer entwickeln als die bereits wenig rentierlichen Geldmärkte.

Anleihen aus Schwellenländern verbessern die Portfoliorendite

Hochverzinsliche US-Anleihen werden in unserem Fixed-Income-Universum, das die Industrieländer abdeckt, laut Prognosen relativ hohe Renditen (4.8%) einfahren, während auf Euro lautende High-Yield-Anleihen voraussichtlich nur eine Rendite von 2.6% über fünf Jahre erzielen werden. In beiden Märkten droht ein erhöhtes Ausfallrisiko im Fall eines Wirtschaftsabschwungs. Hingegen werden qualitativ höherwertige US-Unternehmensanleihen, d.h. mit Investment-Grade-Rating, wahrscheinlich eine Rendite von 2.6% erwirtschaften. In diesem Fall würde ihre Realrendite lediglich knapp 0.2% betragen. Im Gegensatz dazu sollen Senior Loans aus den USA, die nicht von steigenden Anleihenrenditen betroffen sind, laut Prognosen eine Rendite von 5% einfahren. Anleger, die in Investment-Grade-Anleihen aus der Schweiz und der Eurozone investiert sind, müssen sich zukünftig auf negative Renditen einstellen. Sie sollten daher in zunehmendem Masse das Renditepotenzial von Anleihen aus Schwellenländern (Emerging Markets, EM) ausnutzen, auch zur Diversifizierung der Portfolios. Indizes für Anleihen sowohl in Lokal- als auch in Hartwährungen werden allen Erwartungen nach ähnliche Renditen wie US-Hochzinsanleihen erwirtschaften, zeichnen sich aber durch höhere Bonität aus und bringen ein anderes Bündel an Risikofaktoren mit.

Aktien bieten attraktive Überrenditen

Ein Niedrigzinsumfeld bedeutet, dass Aktien attraktive Überrenditen (Risikoprämien) bieten sowohl gegenüber flüssigen Mitteln als auch gegenüber Staatsanleihen. Die erwarteten Renditen liegen im hohen einstelligen Bereich. Am niedrigsten fallen sie in der Schweiz und in den USA aus mit 6.8% und am höchsten im Vereinigten Königreich mit 9%. Die glänzende Wertentwicklung des US-Marktes der letzten Jahre war seiner Attraktivität abträglich. Zieht man jedoch die Unterschiede beim Risiko in Betracht, gemessen an der Volatilität, sind US- und Schweizer Aktien nach wie vor ungefähr gleichrangig als Aktien aus Industrieländern als Ganzes. Aktien aus Schwellenländern weisen laut Prognosen die höchste Rendite aus, damit einher geht jedoch auch eine deutlich höhere voraussichtliche Volatilität.

Immobilien mit soliden Erträgen

Immobilien werden höchstwahrscheinlich weiterhin zu den Profiteuren des Niedrigzinsumfelds zählen. Innerhalb des Segments alternative Anlagen sticht Private Equity hervor mit einer prognostizierten Gesamtrendite von 8.6% über fünf Jahre. Die Rendite fällt damit beispielsweise höher aus als bei US-Aktien, geht aber einher mit geringerer Liquidität, da das investierte Kapital in der Regel für lange Zeiträume gebunden ist.

Immobilien mit soliden Erträgen

Unseres Erachtens wird der US-Dollar über unseren Prognosehorizont von fünf Jahren gegen alle anderen Hauptwährungen an Wert verlieren und damit seine Überbewertung im Zeitverlauf korrigieren. Wir rechnen jedoch mit einer anhaltenden Aufwertung gegenüber dem chinesischen Yuan, der überbewertet ist.