Investment Outlook 2020 Weltwirtschaft

Weltwirtschaft

Verhaltenes Wachstum, aber keine Rezession

Wir erwarten für 2020 ein gegenüber 2019 leicht schwächeres Wachstum von 2.5%. Aber angesichts der Unterstützung durch die Wirtschaftspolitik scheint eine Rezession weiterhin unwahrscheinlich. Eine Deeskalation im Handelsstreit wird entscheidend sein.

2019 brachen verarbeitendes Gewerbe und Handel stark ein. Die weltweiten Exportvolumen gaben seit dem Höhepunkt 2018 um 2% nach. Mit Ausnahme von Rezessionsphasen war dies der grösste Rückgang der letzten Jahrzehnte.

Mehr als nur Handel 

Die US-Strafzölle gegen China und Chinas Vergeltungsmassnahmen haben zu diesem Einbruch beigetragen. Allerdings spielten die Zurückhaltung der Privathaushalte und ein begrenztes Kreditwachstum in China eine Rolle. Die schwachen Verkaufszahlen deutscher Autos verschärften den Einbruch im verarbeitenden Gewerbe noch zusätzlich. Aufgrund der erhöhten Unsicherheit investierten auch die Unternehmen weltweit deutlich weniger.

Unterdessen verlor der Dienstleistungssektor zwar an Schwung, konnte aber in den meisten Ländern weiterhin wachsen. In den Industrieund vielen Schwellenländern dominiert der Dienstleistungssektor, weshalb die Nachfrage nach Arbeitskräften kontinuierlich zunahm. Die Löhne steigen nach wie vor, wenn auch langsam, und die Stimmung und die Konsumausgaben bleiben relativ robust. 

Erholung im Jahr 2020 

Der Einbruch im verarbeitenden Gewerbe sollte im 1. Halbjahr 2020 die Talsohle erreichen, nicht zuletzt wegen des normalen Lagerzyklus. Diese Normalisierung sollte auch das Risiko einer «Ansteckung» des Dienstleistungssektors reduzieren. Die US-Notenbank (Fed) hat im Laufe des Jahres 2019 einen zunehmend akkommodierenden Kurs eingeschlagen, was die Kreditvergabe insbesondere an Privathaushalte unterstützt hat. Diese Unterstützung dürfte 2020 Bestand haben, auch wenn wir keine weiteren Zinssenkungen erwarten. Dies dürfte sich positiv auf die Käufe von Wohneigentum und auf die Konsumausgaben auswirken.

Zinssenkungen der Fed haben auch die Belastungen für Schwellenländer verringert, die von einer Finanzierung in USD abhängen. In mehreren Ländern könnten die Zinsen noch weiter sinken, nicht zuletzt aufgrund der rückläufigen Inflation. Wir erwarten zudem eine allmähliche Lockerung der Fiskalpolitik in Europa, was das Wachstum in der Region stützen sollte. Entscheidend für eine Erholung wird eine zumindest teilweise Beilegung des Handelskriegs sein. Eine Senkung der Zölle würde die Rentabilität steigern und die Stimmung sowohl in den USA als auch in China verbessern. Dies käme den Investitionen zugute.

Zentrale makroökonomische Risiken

Das grösste Risiko besteht darin, dass die Schäden durch den Handelskrieg auch im Jahr 2020 noch nicht behoben sein könnten. Andere geopolitische Risiken, insbesondere eine mögliche Eskalation im Nahen Osten, bleiben bestehen, sind aber geringer. Vor allem erwarten wir keinen Ölpreisschock. Vielmehr dürften die Ölpreise wegen des Überangebots unter Druck bleiben. 

Selbst wenn ein Handelsabkommen geschlossen wird, ist mit einer weiteren leichten Abschwächung der chinesischen Wirtschaft zu rechnen, zumindest im 1. Halbjahr 2020. Hohe Hypothekenschulden und grössere Arbeitsplatzunsicherheit dürften die Konsumausgaben belasten, während die Regierung weiteren Stimulusmassnahmen vermutlich noch immer zurückhaltend gegenübersteht. Die Wachstumsabschwächung Chinas wird das Erholungspotenzial seiner wichtigsten Handelspartner in der Region weiterhin eher begrenzen. Eine Eskalation in Hongkong würde Abwärtsrisiken erhöhen. 

Der Präsidentschaftswahlkampf in den USA dürfte stark polarisieren, was sich allenfalls negativ auf das Geschäftsklima und das Konsumentenvertrauen auswirken würde. Ausserdem könnte eine unerwartet hohe Inflationsrate Angst vor einer Stagflation hervorrufen, was den Spielraum der Fed begrenzen würde. Die Anleihenrenditen könnten dann deutlich steigen und eine allgemeine Verschärfung der Finanzierungsbedingungen auslösen. 

Auf den folgenden Seiten behandeln wir die Aussichten für das Jahr 2020 für die wichtigsten Länder und Regionen und konzentrieren uns dabei sowohl auf das jeweilige Basisszenario als auch auf die Risiken.