Familientradition macht aus Luft und Leidenschaft ein Erfolgsunternehmen.  Tobias und Christoph Meyer, Seven-Air Gebr. Meyer AG, produzieren Lüftungsanlagen der Spitzenklasse.

Seven-Air: Sieben Arten, die Luft zu behandeln

Seit mehr als 30 Jahren ist das Familienunternehmen Seven-Air Schweizer Marktführer für Lüftungsgeräte. Die Brüder Christoph und Tobias Meyer über ihre Strategie, die Entstehung von Innovation und den idealen Zeitpunkt eines Markteintritts.

Der Prime Tower in Zürich, das KKL in Luzern und die Monte-Rosa-Hütte in Zermatt – die drei Prestigebauten haben eines gemein: In ihnen zirkuliert frische Luft aus den Anlagen der Seven-Air. «Unsere Geräte sind für die Besucher, Bewohner und Gäste der Gebäude unsichtbar, sie befinden sich meist im Keller», sagt Christoph Meyer, Verwaltungsratspräsident von Seven-Air Gebr. Meyer AG, wie das Unternehmen mit vollem Namen heisst. Sein Bruder Tobias, CEO der Firma, fügt hinzu: «2018 gewannen wir im KKL in Luzern den Prix SVC. Viele Leute nahmen uns und unsere Branche mit diesem Preis zum ersten Mal bewusst wahr – man staunte, als wir auf der Bühne erzählten, dass sich unter jedem Sitz im KKL Lüftungsschlitze befinden.»

"Wir führen diesen Betrieb mit Herzblut" – Tobias und Christoph Meyer

Marktführer seit 1985

In der Bau- und Lüftungsbranche sind die grünen Anlagen der Seven-Air indes alles andere als unbekannt. Denn seit 1985 verteidigt das KMU aus Luzern als Branchenprimus mit heute 400 Mitarbeitern seine Position als Marktführer in der Schweiz. Was ist das Erfolgsgeheimnis von Seven-Air? «Wir haben seit der Gründung durch unseren Vater 1971 ein sehr gutes Produkt, das wir stetig verbessern und weiterentwickeln; es ist so etwas wie der ‚Rolls Royce’ unter den Lüftungsanlagen», antwortet Christoph Meyer. «Nur nicht so teuer», ergänzt sein Bruder trocken.

Kommunikation ohne Worte

Auf ihre Funktionen und Zusammenarbeit angesprochen, nennen sich die beiden Brüder scherzhaft Innen- und Aussenminister. Für das Innere ist Verwaltungsratspräsident Christoph Meyer zuständig, nach aussen ist CEO Tobias Meyer verantwortlich. Das Geschäft führen sie seit 2004 gemeinsam. «Wir kennen einander so gut, dass wir uns in Sitzungen manchmal nicht mal anschauen müssen, um zu wissen, was der andere denkt», sagt der CEO. «Natürlich gibt es Situationen, in denen wir nicht einer Meinung sind. Aber spätestens nach einer halben Stunde haben wir eine Lösung», wendet sein Bruder ein. Tobias Meyer nickt und fasst zusammen: «Als Leiter eines Familienunternehmens sind wir eine Verpflichtung gegenüber unserer Familie eingegangen, davor haben wir grossen Respekt.» Familiengeführte Unternehmen seien managementgeführten Firmen überlegen, sind sich die Seven-Air-Lenker einig und Tobias Meyer erklärt: «Wir akzeptieren es niemals, einen Auftrag zu verlieren. In den seltenen Fällen, in denen das doch passiert, hinterfragen wir alles akribisch bis ins letzte Detail.»

Strategie: Alles aus einer Hand

Die Anlagen von Seven-Air behandeln Luft auf sieben unterschiedliche Weisen: filtrieren, erhitzen, kühlen, fördern, befeuchten, entfeuchten oder Energie rückgewinnen. «Zu unserer Strategie gehört es, dass wir alles aus einer Hand bieten und auch alles selber herstellen. Nur so haben wir die Qualität hundertprozentig im Griff», erklärt Tobias Meyer. Selbst die Metallgehäuse der Apparate inklusive Pulverbeschichtung werden in den Produktionshallen der Seven-Air im luzernischen Hitzkirch produziert. Weil diese Blechbearbeitungs-Anlagen sehr kostenintensiv sind, ist daraus ein neuer Geschäftszweig entstanden: Die Seven-Air wickelt auch Aufträge für Dritte ab: «Auf diese Weise erreichen wir eine höhere Auslastung der Maschinen, sie sind schneller amortisiert und wir sind gegenüber ausländischen Anbietern konkurrenzfähiger», so Christoph Meyer.

Innovationsmöglichkeiten sehen

Als der Vater in den 90er-Jahren die Pulverbeschichtungsanlage anschaffte, weigerte er sich, sie so in Betrieb zu nehmen wie vom Hersteller beschrieben. Tobias Meyer erzählt: «Das auf den Blechteilen aufgetragene Pulver wird in einem Ofen bei 200 Grad eingebrannt. Gemäss Hersteller wäre diese Wärme anschliessend ungenutzt verpufft. So nicht, fand der Vater. Wir entwickelten mit unseren eigenen Geräten ein System, um die Wärme abzuziehen. Damit erwärmen wir das Brauchwasser und heizen die ganze Halle.» Beide Brüder schütteln noch heute den Kopf, wenn sie über die verschwendete Energie nachdenken, und Christoph Meyer fasst zusammen: «Mit zusätzlichen Investitionskosten von 300'000 Franken, die wir schon nach zwei Jahren amortisiert hatten, sparen wir seither jährlich 900'000 Kilowattstunden Strom.»

Besser oder gleichgut und günstiger

Damit die Wärme bei den verschiedenen Prozessen nicht entweicht, müssen die Geräte perfekt isoliert sein. «Wir entwickelten einen Isolationsschaum, der im Vergleich zu Mineralwolle energetisch um fast 40 % besser abschneidet. Zudem ist er viel dichter, nimmt weniger Platz ein, ist viel stabiler, nicht lungengängig und kann am Ende ganz normal in der Kehrrichtverbrennungsanlage entsorgt werden.«
Als Inspiration dienen den Brüdern Gespräche mit Kunden und Messebesuche. Steht eine Idee im Raum, wird geforscht und getestet. «Auf den Markt bringen wir neue Entwicklungen aber immer erst dann, wenn wir deutlich besser oder gleichgut und günstiger sind als unsere Mitbewerber», so Christoph Meyer.

Potenzial zum Abheben

Aktuell forscht das KMU an einem Projekt, mit dem es sprichwörtlich abheben könnte – an speziellen Klimageräten für Flugzeuge, die eingesetzt werden, während die Maschinen zwischen Landung und nächstem Abflug am Boden stehen: An den meisten Flughäfen müssen die Flieger eines der Triebwerke laufen lassen, um die Klimaanlage zu betreiben. Das Resultat sind CO2- und Lärmemissionen. Für den Flughafen Zürich entwickelte das Unternehmen bereits vor Jahrzehnten eine Anlage, die an die stehenden Flugzeuge angeschlossen wird. «Damit werden in Zürich 90 % weniger CO2-Emissionen produziert als an anderen Flughäfen», erklärt Tobias Meyer. In Zusammenarbeit mit einer weiteren Schweizer Firma arbeitet Seven-Air nun an einem Projekt, um solche Lösungen weltweit anbieten zu können. Mit den grössten Flughäfen der Welt laufen bereits Tests und Verhandlungen.

Keine Zeit für unnötige Bürokratie

«Für solch grosse Projekte benötigen wir manchmal Fremdkapital, auch wenn wir sonst immer alles selber finanzieren», sagt Christoph Meyer. Seit die Brüder denken können, ist das Familienunternehmen Kunde der Credit Suisse. «Wir schätzen das Menschliche und Unkomplizierte im Umgang mit unserer Bank, wir haben keine Zeit für unnötige Bürokratie. Ein Beispiel: Für eine Finanzierung legten wir unser Vorhaben zwei Banken vor. Wir liessen den Beratern 20 Minuten Zeit und kamen dann zurück. Die Credit-Suisse-Berater sassen da und nickten, als wir hereinkamen. Die andere Bank bat um verschiedene weitere Unterlagen, einen Businessplan und so weiter», berichtet Christoph Meyer und übergibt dann seinem Bruder das Wort:
«Wenn man unsere Resultate der letzten 30 Jahre anschaut, sollte eigentlich vieles gleich klar sein. Die Credit Suisse hat das sofort begriffen und das schätzen wir.»
Die beiden Brüder tauschen einen Blick und Tobias Meyer fährt fort: «Der Vater sagte in solchen Situationen immer: ‚Businessplan? Den habe ich da oben!’», und tippt sich lachend an die Stirn. Wieder ernst, fährt er fort: «Ich stelle es mir recht anspruchsvoll vor, als Bank die unterschiedlichen Unternehmer lesen zu können, denn darum geht es ja letztendlich. Gerade weil die Bank ja auch ein gewisses Risiko mitträgt. Uns vermittelt die Credit Suisse auf diese Weise: Wir vertrauen euch.»