Talent und Gespür für Qualität machen grosse Genussmomente möglich. David Lizzola, Léguriviera Groupe, handelt mit auserlesenem Obst und Gemüse.

Léguriviera Groupe: Mit eisernem Willen und viel Herz zur Marktführerschaft

Ein Mann mit einem Lieferwagen – mehr gab es nicht zur Gründung der Léguriviera Groupe 2001. Heute beschäftigt das Unternehmen rund 250 Mitarbeitende und zählt Spitzenköche zu seinen Kunden. Eine Erfolgsgeschichte vom Ein-Mann-Betrieb zur Marktführerin im Grosshandel für Obst und Gemüse in der Romandie.

Vor dem Depot des Grosshändlers in der Industriezone Crissiers herrscht reger Betrieb. Auch jetzt, zur Mittagszeit, fahren die kleinen Lastwagen an und ab. Sie liefern die letzten Bestellungen des Tages aus. Wie mag es da erst zur Stosszeit um 5 Uhr morgens zugehen? In den Lagerhallen ist es dagegen eher ruhig. Ein Stapelfahrer schichtet Paletten um, ein Chauffeur belädt seinen Wagen. Bis hoch zur Decke stapeln sich grüne Kisten, gefüllt mit frischem Obst und Gemüse, von der Schweizer Kartoffel bis zur exotischen Kokosnuss. Die Hallen erinnern an eine Schatzkammer.

"Wir sind die Verbindung zwischen Erde und Teller" – David Lizzola

Grosshändler aus Leidenschaft

In den kühlen Lagerhallen werden die Hände rasch klamm, die Füsse steif. Doch sobald man das Büro von David Lizzola betritt, wird einem warm. Das liegt nicht nur daran, dass der Raum gut geheizt ist, sondern auch an der herzlichen Begrüssung. Der CEO der Léguriviera Groupe steht an seinem Schreibtisch, die Wand hinter ihm ist voll mit Schnappschüssen. Alle zeigen ihn mit bekannten Gesichtern, meist mit Persönlichkeiten aus der Gastroszene.
Lizzola setzt sich mit einem Lächeln an den Besprechungstisch und erzählt in seinem breiten Waadtländer Dialekt, wie alles begonnen hat. Schon mit jungen Jahren habe er in die Firma seines Onkels, Légufruits SA in Villars-St-Croix, hinein geschnuppert und dabei seine Liebe zum «Metier» entdeckt. «Der Grosshandel für Obst und Gemüse ist für mich das Bindeglied zwischen dem, was die Natur uns schenkt, und dem, was auf unserem Teller landet», schwärmt Lizzola.

Unerschütterlicher Glaube an den Erfolg

2001 kratzt er mit Hilfe von Familie und Bekannten das Kapital für seine erste Firma zusammen, es reicht für einen Lieferwagen. «Es war viel härter, als ich mir das vorgestellt hatte», erinnert sich Lizzola. Zu Beginn macht er alles alleine: Nachts die Bestellungen ausliefern, tagsüber Kunden akquirieren und mit Lieferanten verhandeln. Ein kräftezehrender Balanceakt – physisch wie finanziell. Wie er das durchgehalten habe? Mit seiner Leidenschaft für dieses «Metier» und dem felsenfesten Glauben daran, dass er es schaffe.

Der Wendepunkt

Nach einem Jahr geht es bergauf. Lizzola ist klar: Mit Grosslieferanten und deren Mengen kann er nicht mithalten. Also setzt er auf Qualität und Service. Zu seinen ersten treuen Kunden gehören Spitzenköche in Montreux. «Die mochten mich. Und sie schätzten, dass ich mir solche Mühe gab.» Schnell merkt der junge Unternehmer, dass er ein grösseres Auftragsvolumen benötigt, um zu wachsen. Deshalb macht er einen mutigen Schritt: 2005 übernimmt er eine erste Firma. 2007 folgt die zweite: Légufruits SA, besagte Firma seines Onkels und dessen Partners Christian Louys, die mehr Umsatz erwirtschaftet als seine eigene. Ab jetzt ist David Lizzola CEO einer grossen Gruppe, die Marktführerin der Romandie werden wird.

Partnerschaft mit der Credit Suisse

2007 kommt er auch in Kontakt mit der Credit Suisse, der Hausbank der Légufruits SA. Seither begleitet ihn das Bankhaus nicht nur bei alltäglichen Transaktionen, sondern auch bei weiteren Akquisitionen. «Innerhalb grosser Strukturen zählt vor allem das Zwischenmenschliche», erklärt Lizzola. Die Beziehung zu seinen Kundenberatern bei der Credit Suisse beschreibt er als eine echte Partnerschaft. Auch in schwierigen Zeiten habe ihm die Bank vertraut und ihn unterstützt. Das Netzwerk der Banker stehe ihm ebenfalls offen.

Vom Unternehmer zum CEO

David Lizzola erwies sich nicht nur als kluger Stratege mit seinen Übernahmen. Er entwickelte sich auch zu einem vorausschauenden Manager. Früher habe er alles selbst gemacht. Von Work-Life-Balance konnte nicht die Rede sein. Heute sei er zwar immer «connecté», aber das ginge ja auch gut in den Ferien vom Strand aus. Seine Rolle im Unternehmen hat sich gewandelt. Heute delegiert Lizzola viel. «Ich kenne meine Stärken und meine Schwächen. Deshalb habe ich Mitarbeitende, die dort stark sind, wo ich es nicht bin – wir sind ein echtes Dream Team.»
Der Mensch sei für ihn das wichtigste Kapital der Firma. Lizzola nimmt man diese Aussage ab. Auf die Frage nach seiner bisher schwierigsten Entscheidung nennt er weder eine strategische noch eine wirtschaftliche. Die Entscheidungen, die ihm nachts den Schlaf geraubt hätten, seien jene gewesen, die seine Mitarbeitenden betrafen.

Service hoch 10

Lizzolas feines Gespür für die Bedürfnisse seiner Mitmenschen spiegelt sich auch im Service des Unternehmens wider. Wer heute bis 20 Uhr im Onlineshop bestellt, wird innert weniger Stunden beliefert. Ein ausgeklügeltes Logistiksystem verteilt früh morgens rund 1’000 Bestellungen auf die 50 Fahrer der Gruppe. Diese rollen dann kreuz und quer durch die ganze Romandie, von Verbier auf 2'000 Metern bis in die Genfer Altstadt.
Nicht jeder Kunde will zur gleichen Zeit beliefert werden: Der Bäcker um 5 Uhr, die Klinik um 6, das Hotel um 7, das Restaurant um 9. Wer möchte, bekommt das Obst und Gemüse bereits geschält und geschnitten. Hinter diesem logistischen Meisterwerk steckt nicht nur Technik. Es sind vor allem auch die langjährigen Mitarbeitenden, die mit dem Metier, den Kunden und den Touren vertraut sind. Solche Beziehungen brauchen Jahre, um zu wachsen. So wie jene zu den Gourmetköchen, von denen fortlaufend neue Ideen kommen. «Die Spitzenköche fordern uns jeden Tag heraus», lacht Lizzola. Für ihn ist dies eine Quelle der Inspiration. Er stellt sich gern neuen Herausforderungen und hält ständig Ausschau nach Trends und noch unbekannten Produkten.

Die Produkte

Wo möglich, bezieht die Léguriviera Groupe Früchte und Gemüse von Schweizer Landwirten. Weitere Lieferanten produzieren in Italien und Frankreich. Lizzola erklärt: «Mit den Produkten aus der Schweiz, Italien und Frankreich haben wir bereits ein aussergewöhnlich breit gefächertes Sortiment.» Exotisches stammt meist aus Afrika, Südamerika oder Asien. Unabhängige Laboratorien kontrollieren die Ware. Hinzu kommen Zertifizierungen, ein Anforderungskatalog für Produzenten und punktuelle Besuche. Auf dem Kompost landet so wenig wie möglich. Werden Früchte und Gemüse zu reif, fragt man Kunden an. Überreife Äpfel z. B. kommen dem Patissier wie gerufen für den Apfelkuchen. Oder ein Hotel macht daraus hausgemachte Konfitüre für die Gäste. Dann gehen Produkte auch an Mitarbeitende oder Organisationen wie die Schweizer Tafel, Terre des Hommes und die Applikation «Too good to go».

Mit Optimismus in die Zukunft

Dass Nachhaltigkeit ein grosses Thema ist und in der Bevölkerung ein Umdenken stattfindet, stimmt Lizzola optimistisch. «Die junge Generation zeigt echtes Interesse, sie will wissen, was auf ihrem Teller landet.» Er wünsche sich für die Zukunft, dass die Verbraucher beim Einkaufen weniger an Rabatte und mehr an die harte Arbeit der Landwirte und der Grosshändler denken.