Wir möchten die Besten in der Blechbearbeitung werden. Mit Qualität und Menschlichkeit. Stefanie Schwarz-Keller, strategische Geschäftsführerin der Keller Laser AG

Keller Laser AG: lasergenaue Präzision

Das Balkongeländer, der Garderobenspind oder auch die Kaffeemaschine: Viele Alltagsgegenstände bestehen aus Metallteilen, die womöglich aus Trimmis im Bündner Rheintal stammen. Dort bearbeitet die Keller Laser AG seit mehr als zwanzig Jahren Blech in allen Variationen. Seit Kurzem ist mit Stefanie Schwarz-Keller eine junge Frau Herrin über Laserstrahlen und stiebende Funken.

Fünf Laseranlagen, jede so gross wie ein durchschnittliches Schweizer Wohnzimmer, bilden das Herzstück des Unternehmens Keller Laser AG. Als wären es Butterplatten, schneidet der Laserstrahl die programmierten Aussparungen und Öffnungen in eine Stahlplatte. Geschäftsführerin Stefanie Schwarz-Keller zeigt auf eine Maschine: «Diese Anlage schneidet nicht nur, sie stanzt auch. Wir sind aber Spezialisten für die gesamte Palette der Blechbearbeitung. Diese umfasst neben Lasern und Stanzen auch Laserbeschriften, Abkanten, Richten, Entgraten, Schweissen, Pulverbeschichten, Montieren und Kleben.»

 "Wir sind ein Familienbetrieb und wir betrachten unsere Mitarbeiter als erweiterten Familienkreis." - Stefanie Schwarz-Keller

Geschäftsführerin in einer Männerwelt

Die Chefin der Keller Laser AG schreitet zielstrebig durch die Hallen: Sie ist jung, und sie ist eine Frau – in einem Umfeld, das bis heute eine Männerdomäne ist. Bei der Keller Laser AG interessiert das aber keinen mehr: «Ich bin seit zehn Jahren im Unternehmen und habe am 1. Januar 2018 die strategische Geschäftsführung übernommen. Die operative Geschäftsführung hat Shkumbin Elshani inne, er ist für die technischen Entscheide zuständig. Und meine Mutter Barbara Keller ist unser CFO, sie regelt die Finanzen», erklärt Stefanie Schwarz-Keller.

Gleissendes Licht und sprühende Funken

Der Weg führt weiter durch eine Halle, die durch dicke, rotviolette Plastikvorhänge in einzelne Räume aufgeteilt ist. Sie schützen die Augen der Mitarbeiter und der Besucher vor gleissendem Licht und sprühenden Funken, denn hier wird geschweisst. Zwei Drittel aller von der Keller Laser AG hergestellten Produkte sind Serienteile für die Maschinen- und die Schienenfahrzeugindustrie, die Medizinaltechnik und den Gerätebau. Die restlichen Aufträge sind Einzelaufträge: «Wir produzieren auch Balkongeländer, Treppenwangen, Firmenschilder – die Möglichkeiten sind unendlich», sagt Schwarz-Keller.

Am Ende der Schweisshalle öffnet sich beim Näherkommen ein Rolltor. Die Temperaturen dahinter sind merklich höher. An der Decke verläuft ein Schienensystem, an dem Metallteile an Ketten mit Haken hängen. Seitlich befinden sich die Spritzkabinen für die Pulverbeschichtung der noch unbehandelten Stücke. Von Mitarbeitern, die mit ihrer Schutzkleidung wie Imker aussehen, werden sie in die Spritzkabinen geschoben und dort besprüht. «Die Farbpartikel halten dank Elektrostatik an den Stahlkomponenten», erklärt die Chefin. Danach kommen die beschichteten Teile, immer noch hängend, in die grossen Öfen, wo das aufgetragene Pulver bei 160 bis 220 °C eingebrannt wird und sich gleichmässig auf die Metalloberflächen legt.

Auf ihrem Gang durch den Betrieb wechselt Schwarz-Keller immer wieder einige Worte mit den Angestellten; man spürt ihr warmes Interesse für die Menschen, die hier arbeiten.

Hohe Ambitionen: Marktführer in der Deutschschweiz

Die Mitarbeiter erwähnt sie denn auch als Erstes auf die Frage, was sie als Unternehmerin antreibt. «Wir bieten rund hundert Menschen einen Arbeitsplatz, und es bedeutet mir viel, ein interessanter und sicherer Arbeitgeber zu sein.» Stolz ist das Unternehmen auch auf sein ISO-Zertifikat ISO 9001:2008 für die komplette Blechbearbeitung sowie weitere Zertifikate im Bereich Schweissen und Kleben. Schwarz-Keller hält fest: «Wenn man an Blechbearbeitung denkt, soll den Leuten als Erstes die Keller Laser AG in Trimmis einfallen. Zurzeit positionieren wir uns in der Branche unter den ersten fünf in der Deutschschweiz. Wir wollen die Nummer eins werden.»

Abgesicherter Firmenstart

Das Unternehmen wurde 1995 von Bruno und Barbara Keller, den Eltern von Schwarz-Keller, gegründet. Bruno Keller hatte bis dahin für die Firma Trumpf gearbeitet, die die grossen Laseranlagen herstellt, die heute in den Hallen der Keller Laser AG stehen. Barbara Keller und er stellten fest, dass fast alle Maschinen exportiert wurden, und sie beschlossen, selber einen Blechverarbeitungsbetrieb zu gründen. Und so begannen die beiden damals mit einem Mitarbeiter und einer Maschine. Das finanzielle Risiko war beträchtlich, doch das Unternehmen wuchs rasend schnell. 2006 bezog die Keller Laser AG ein eigenes Betriebsgebäude, und 2011 folgte ein Anbau, der die Fläche verdoppelte.

Schicksalsschlag als Zäsur

Während sich der Bruder von Stefanie Schwarz-Keller schon früh für die Maschinen interessiert hatte und seine berufliche Laufbahn auf das Unternehmen ausrichtete, hegte Stefanie Schwarz-Keller noch keine klaren Ambitionen, die Nachfolge der Eltern anzutreten. Trotzdem trat auch sie ins Unternehmen ein und bildete sich laufend weiter. «Mein Weg war weniger vorgezeichnet. Doch meine Eltern banden auch mich von Anfang an mit ein, und ich begleitete meinen Vater auf Kundenbesuchen. Er gewährte mir den nötigen Freiraum, um in diese Welt hineinzuwachsen», erzählt sie. Dann starb vor sechs Jahren ihr Bruder. «In dem Moment war klar: Jetzt liegt die Verantwortung bei mir», erinnert sich die heutige Geschäftsführerin. Dennoch nahm sie sich Zeit, bis sie ihre Entscheidung fällte.

Begleitung durch die Nachfolgespezialisten der Credit Suisse

Vor einem Jahr nahm die Keller Laser AG den eigentlichen Nachfolgeprozess an die Hand, weil sich Bruno Keller aus dem Geschäft zurückziehen wollte. «Wir waren damit im Grunde überfordert», sagt Schwarz-Keller, «was meine Mutter auch gegenüber unserem Kundenberater von der Credit Suisse erwähnte.» Bald darauf besuchte ein Team aus Nachfolgespezialisten, Anwälten und Steuerberatern der Credit Suisse die Keller Laser AG in Trimmis. «Man hat uns Möglichkeiten aufgezeigt, auf die wir selber nie gekommen wären. Hätten wir die Spezialisten der Bank nicht gehabt, die uns an die Hand nahmen, wären wir heute noch nicht weiter. So aber konnte sich mein Vater zum 1. Januar 2018 zurückziehen, und ich übernahm mit einem sehr guten Gefühl das Ruder», meint Schwarz-Keller.

Für alle Eventualitäten gerüstet

Die Auftragsbücher des Blechverarbeitungsbetriebs sind seit Monaten zum Bersten voll. Doch der jungen Chefin ist bewusst, dass sich die wirtschaftliche Lage sehr schnell ändern kann. Die Keller Laser AG erlebte das bereits mit der Krise von 2009, als das Unternehmen das bisher einzige Mal in seiner Geschichte Kurzarbeit anmelden musste. Danach sieht es derzeit aber ganz und gar nicht aus; die Herausforderungen liegen woanders: «Wir haben hier in der Gegend eine sehr niedrige Arbeitslosenquote, deshalb ist es nicht leicht, an qualifiziertes Personal zu kommen», so Schwarz-Keller. Ebenso schwierig sei es, geeignete Räumlichkeiten für eine allfällige Firmenvergrösserung zu finden. Hinter dem Gelände der Keller Laser AG erstreckt sich aber eine grosse grüne Wiese. Schwarz-Keller lässt ihren Blick darüber schweifen: «Ich kann mir gut vorstellen, dass hier in einigen Jahren ein weiterer Bau mit dem Keller-Laser-Logo steht.»