Tessiner Forschung mit Passion hilft der Gesundheit in aller Welt.  Riccardo Braglia, Helsinn Healthcare SA, steigert die Lebensqualität von Krebspatienten.

Helsinn Healthcare: Lebensqualität für Krebspatienten

Riccardo Braglia hat sich als CEO des Tessiner Pharmakonzerns Helsinn bisher erfolgreich dafür eingesetzt, die Lebensqualität von Menschen während der Chemotherapie zu verbessern. Nun will er mehr – und steigt mit seiner Firma in den Markt für Krebsmedikamente ein.

Eigentlich war es sein Traum, Ingenieur zu werden und grosse Bauwerke zu erschaffen wie etwa den Gotthard-Tunnel. Doch es kam anders. Bedeutendes entstehen lassen hat Riccardo Braglia aber allemal. Seit 2007 ist er alleiniger CEO des Pharmaunternehmens Helsinn mit Sitz in Lugano und Produktionssitz in Biasca im Tessin. Er führt das Familienunternehmen bereits in der dritten Generation – und hat dessen Grösse in den letzten Jahren mehr als verdoppelt. Helsinn operiert heute international und beschäftigt in der Schweiz, in Irland, den USA und in China rund 700 Angestellte.
Auch ausserhalb des Unternehmens ist Riccardo Braglia bekannt für seine unternehmerischen Fähigkeiten. 2011 wurde er als bester Unternehmer des Tessins ausgezeichnet, im Jahr darauf machte ihn Ernst & Young zum Entrepreneur Of The Year in der Kategorie Life Sciences.

"Ein Unternehmer hört nie auf, Unternehmer zu sein" – Riccardo Braglia

Den Nebenwirkungen der Chemotherapie entgegenwirken

Das Kerngeschäft von Helsinn ist die Entwicklung von Medikamenten, die die Nebenwirkungen von Chemotherapien mildern. In erster Linie Übelkeit und Erbrechen, Muskelabbau und schwere Durchfälle. «Das ist ein interessantes Gebiet, weil sich die grossen multinationalen Unternehmen dort nicht positionieren. Der Markt ist für sie zu klein, die Preise zu gering», erklärt Braglia. Helsinn hat in dieser Nische seinen Platz gefunden und deckt mit seinen Leistungen ein breites Spektrum ab – von der Produktentwicklung über die Herstellung bis zur Lizenzierung der Medikamente. Eine Reihe von Arzneimitteln hat das Unternehmen in den letzten Jahren entwickelt. Darunter das bekannte Palonosetron, das 2003 unter dem Handelsnamen Aloxi® eingeführt wurde und seither auf der ganzen Welt mit grossem Erfolg begleitend in der Chemotherapie zur Vorbeugung von Übelkeit und Erbrechen eingesetzt wird.

Stillstand ist keine Option

Sich auf diesen Lorbeeren auszuruhen, kommt für Riccardo Braglia aber nicht in Frage. Nie stillstehen, neugierig bleiben und sich immer neue Ziele setzen – das ist es, was er will. Daran arbeitet er unermüdlich. Schon morgens um 6 Uhr verschickt der Chef die ersten E-Mails. «Unser Alltag in Lugano und in Biasca besteht aus der kontinuierlichen Suche nach den besten Lösungen, nach dem Erwerb neuer Technologien und deren Entwicklung für uns und für andere. Dafür setze ich mich ein. Und am Morgen bin ich nun mal besonders produktiv. Das wissen hier alle», erzählt Braglia und lacht.

Prämien für innovative Ideen

Der grosse, stattliche Mann mit den ausdrucksstarken Augen und dem südländischen Teint wirkt bestimmt, jedoch keineswegs unnahbar. Das ist ihm auch wichtig. Offen und innovativ wünscht er sich die Mentalität in seinem Unternehmen. Dazu soll jeder beitragen. Um dafür einen Anreiz zu schaffen, hat er sogar Prämien für Innovationsleistungen eingeführt. Wer durch seine Arbeit in der Firma für neue Ideen sorgt, spürt das finanziell: «Das können auch kleine alltägliche Dinge sein», erklärt er. «Ein verbesserter Prozess, eine neue Qualität, oder eine Anregung, die zu einer positiven Veränderung bestimmter Projekte führt.»

Neues Medikament gegen Leukämie

Sein nächstes grosses Ziel steuert Braglia schon in den nächsten Jahren an. Zusammen mit seinem Management hat er sich entschieden, nun auch auf die Entwicklung von Arzneimitteln für die eigentliche onkologische Therapie zu setzen – auch wenn dieser Markt von den grossen internationalen Playern hart umkämpft ist. Am Jahresanfang hat Helsinn ein neues Arzneimittel für topische Lymphome auf den Markt gebracht, und zwei weitere werden folgen: Eines gegen akute Leukämie und eines gegen Lungenkrebs. Ausserdem wird in Biasca noch dieses Jahr eine zweite Produktionsanlage für onkologische Produkte eröffnet, ein weiterer Meilenstein in der 43-jährigen Firmengeschichte.
Wie wird sich die onkologische Therapie in den nächsten Jahren denn entwickeln? Er glaube nicht, so Braglia, dass er die Heilung des Krebses noch erleben werde. «Sicher aber die Entwicklung hin von einer akuten, tödlichen Krankheit zu einer chronischen. Bei Prostata- oder Brustkrebs ist man ja schon fast soweit. Viele Menschen leben damit wie mit Bluthochdruck oder Diabetes.»

Einmal Unternehmer, immer Unternehmer

An den Ruhestand denkt der 59-Jährige noch lange nicht. «Ein Unternehmer hört nie auf, Unternehmer zu sein», sagt er. Das sehe er an seinem Vater, der die Firma 1976 in Chiasso als Zweimann-Betrieb gegründet habe und auch heute, mit 86 Jahren, noch immer als Präsident des Verwaltungsrats amtiere. Dennoch wünscht sich Braglia, dass seine beiden Söhne zu einer vernünftigen Zeit in das Unternehmen eintreten und mit neuen Ideen frischen Wind reinbringen. So wie er das gemacht habe, damals, in den 80er-Jahren, als er begann, an der Seite seines Vaters in der Firma mitzuwirken.

Schulen für 12'500 Kinder in Afrika

Auch ausserhalb des Unternehmens sucht Braglia unermüdlich nach Anregungen und neuen Projekten. Besondere Aufmerksamkeit widmet er der karitativen Arbeit. Seine Stiftung Nuovo Fiore in Africa («neue Blume in Afrika») finanziert Erziehungsprojekte. Mittlerweile haben durch Riccardo Braglia über 12'500 afrikanische Kinder die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen. Doch nicht nur dafür schlägt sein Herz. Braglia sammelt moderne Kunst und engagiert sich im Sport. Er unterstützt die Stiftung für Kunst, die Fondazione Gabriele e Anna Braglia in Lugano und ist leidenschaftlicher Basketballspieler und -fan. «Vielleicht kommt daher auch mein Motto ‹Never give up›. Für mich ist ein Spiel erst in der letzten Sekunde zu Ende. Der letzte Korb ist der, der zählt.»

Credit Suisse als verlässlicher Partner

Vertrauen und den Mut zu haben, auch mal ein Risiko einzugehen und bis zum letzten Moment für seine Ziele zu kämpfen, ist auch das, was er von seinen Partnern erwartet, zum Beispiel von der Credit Suisse. «Eine Bank muss bereit sein, an die Investition und das investierende Unternehmen zu glauben und dieses zu unterstützen, wenn es nötig ist», betont Riccardo Braglia. Dass er in dieser Hinsicht in den vergangenen Jahrzehnten immer auf die Credit Suisse habe zählen können, schätze er sehr. Ausserdem habe die Credit Suisse mehrmals bewiesen, dass sie trotz ihrer Grösse auch in der Lage sei, schnell zu reagieren. Gerade für ihn, der als Vorsteher eines Familienunternehmens kurze Entscheidungswege gewohnt sei, zeichne dies eine Bank aus. «Dadurch haben wir in der Vergangenheit viel erreicht, was allein nicht möglich gewesen wäre.»
Das Allerwichtigste aber, betont Braglia, seien für ihn die guten zwischenmenschlichen Beziehungen zu seinen Beratern. «Am Ende hängt davon alles ab. Es sind immer die Menschen, die den Unterschied machen.»