Roy Gelmi

Roy Gelmi, 21, ist Innenverteidiger des FC St. Gallen und U21-Nationalspieler. Er debütierte mit 20 in der Super League und trug bereits die Kapitänsbinde.

Roy Gelmi

Roy Gelmi, bekamen Sie Ihr Talent vererbt?
Nicht direkt. Ich bin der erste Fussballprofi in der Familie. Aber meine Eltern sind beide Turnlehrer, und ich habe von klein auf viel Sport getrieben. Durch meine beiden älteren Brüder kam ich zum FC Bassersdorf. Mit elf wechselte ich zum FC Zürich.

Ihre Karriere verlief nicht linear. Mit 13 wurden Sie beim FCZ aussortiert.
Das war extrem hart, die Tränen flossen. Ich kehrte zum Stammklub zurück und dachte, das wär’s gewesen mit dem Berufstraum Fussballer. Aber ein Jahr später bekam ich neue Anfragen – auch vom FCZ. Ich entschied mich für St. Gallen.

Zwischen 16 und 19 kämpften Sie permanent mit muskulären Verletzungen. Dachten Sie ans Aufgeben?
Nie. Sobald ich nach einer Verletzung auf den Platz zurückkehrte, waren die schwierigen Momente wie weggeblasen. Wichtig war das erste Aufgebot fürs U18-Nationalteam. Es bestätigte mir, auf dem richtigen Weg zu sein.

Nebenbei haben Sie auch noch die ­Matura gemacht. Muss man für den Fussballertraum die Jugend opfern?
Bis zu einem gewissen Grad ist das so. Für mich gab es nur Schule und Fussball. Anders wäre es nicht gegangen.

Am schwierigsten ist der Schritt vom Nachwuchs zum Profi. Warum?
Körperlich ist es ein Quantensprung. Plötzlich spielt man nicht mehr gegen Jugendliche, sondern gegen austrainierte Männer. Um mithalten zu können, begann ich mit individuellen Zusatztrainings. Aber noch wichtiger ist die mentale Härte.

Inwiefern?
Als Junior warst du stets ein Leistungsträger, der von den Trainern viel Anerkennung bekommen hat. Und plötzlich sitzt du nur noch auf der Tribüne. Keiner redet mit dir, Du weisst nicht, ob du noch gebraucht wirst. Das nagt, und man beginnt zu zweifeln. Glücklicherweise dauerte diese Phase nur wenige Monate. Dann ging alles sehr schnell: Vor einem Jahr debütierte ich bei den Profis, und inzwischen war ich sogar schon Kapitän.

Und plötzlich steht man im Fokus der Öffentlichkeit. Verändert das den Menschen?
Klar wird man etwas vorsichtiger, um nicht negativ aufzufallen. Aber verbiegen tue ich mich deswegen nicht. Ich bleibe ganz ich selbst.