Insights & Stories Manuel Akanji: "Ziemlich cool"

Manuel Akanji: "Ziemlich cool"

Der "Credit Suisse Rookie of the Year 2017" heisst Manuel Akanji. Ein Gespräch über seinen kometenhaften Aufstieg, Tattooes und Träume.

Manuel Akanji, Sie wurden bei den Swiss Football Awards zum "Credit Suisse Rookie of the Year 2017" gewählt. Hatten Sie damit gerechnet?
Keine Sekunde. Schliesslich konnte ich wegen des Kreuzbandrisses nur die zweite Saisonhälfte bestreiten. Aber am Vorabend der Preisverleihung meinten die Nati-Kollegen: "Dieser Preis geht bestimmt an Dich".

Ihr Kumpel Breel Embolo gewann diese Wahl vor zwei Jahren. Hat er schon gratuliert?
Noch nicht. Er muss vermutlich erst verdauen, dass ich jetzt gleichgezogen habe (lacht). Aber er wird sich schon noch melden, wir telefonieren wöchentlich.

Ist es Ihre erste Auszeichnung?
Mit 11 gewann ich einen nationalen Nachwuchswettbewerb - allerdings als Leichtathlet. Ausserdem spielte ich damals auch noch Tennis. Erst mit 13 habe ich mich ganz auf den Fussball konzentriert.

Manuel Akanji

Wurde Ihnen das sportliche Talent in die Wiege gelegt?
Scheint so. Mein Vater war Amateurfussballer und auch meine ältere Schwester Sarah hat in der Nationalliga A gekickt, bis sie letztes Jahr beim FC Winterthur ein Frauenteam gründete. Wenn ich es einrichten kann, schaue ich mir die Spiele an.

Wie reagieren Sie auf doofe Frauenfussball-Sprüche?
Gar nicht, weil ich keine zu hören kriege. Ich denke, diese Zeiten sind vorbei. Der Frauenfussball hat sich extrem gut entwickelt.

Wurden Sie von Ihren Eltern zur Karriere gepusht?
Gar nicht, sie haben meine Sportleidenschaft immer unterstützt. Aber es war ihnen wichtig, dass ich meine KV-Lehre abschliesse. Das habe ich letztes Jahr auch getan.

Wieso wechselten Sie erst mit 20 von der Challenge League zum FC Basel?
Als Junior war ich ein durchschnittlicher Spieler. Ich habe nie an eine grosse Karriere geglaubt, sondern einfach so gespielt. Mit 17 kam dann ein Wachstumsschub und mit ihm ein Leistungssprung. Erst da realisierte ich mein Potenzial.

War es ein Vorteil, dass Sie in Winterthur reifen konnten?
Vielleicht. Ich konnte mich langsam entwickeln, durfte auch in schlechteren Phasen spielen und wurde nicht einfach aussortiert. In Grossklubs ist die Konkurrenz riesig und viele Talente bleiben auf der Strecke. Was auffällt: Ich bin derzeit der Einzige meines Jahrgangs im A-Nationalteam.

Welches war der emotionalste Moment der letzten Saison?
Sehr emotional war der erste Match nach meiner langen Verletzung. Sobald ich auf dem Platz stand, war die Euphorie riesig und jegliche Angst vor einer erneuten Verletzung verflogen. Besonders war natürlich auch der Cup-Sieg gegen Sion.

Im Juni gaben Sie ihr Debüt in der A-Nationalmannschaft. Wie hat Sie das Team empfangen?
Sehr herzlich, ich durfte auch bereits auf der Playstation mitspielen und habe den Routiniers den Tarif durchgegeben.

Ihr Vater stammt aus Nigeria. Gab es von dort Anfragen fürs Nationalteam?
Ich habe nie was gehört. Die Schweiz hat sich um mich bemüht und deshalb war glasklar, dass ich hier spiele.

Wer war bisher der stärkste Gegenspieler in Ihrer Karriere?
Breel Embolo. Als wir 2014 mit Winterthur im Cup gegen den FC Basel verloren, hat er mir gnadenlos aufgezeigt, wie viel ich noch an mir arbeiten muss.

Und wer war der härteste?
Simone Rapp vom FC Thun. Er ist eine Riese, geht auf jeden hohen Ball und provoziert gern. In solch hitzigen Duellen lernt man sehr viel.

Haben Sie sich stets unter Kontrolle?
Ich bleibe ziemlich cool. Letzte Saison bekam ich nur gerade zwei gelbe Karten.

Auf Ihrem Unterarm steht "Prove them wrong" - "zeig allen, dass sie falsch liegen".
Das ist schon lange mein Credo und ich liess es mir während meiner fast einjährigen Verletzungspause tätowieren. Damals war nicht klar, ob ich je wieder ganz gesund werde und es zurück ins Team schaffe.

Der ehemalige Sportchef des FC Basel Georg Heitz definierte die Anforderungen an einen Innenverteidiger einmal so: "Physis, Schnelligkeit, Zweikampf- und Kopfballstärke, Stellungsspiel, Angriffsauslösung und am besten mit beiden Füssen". Ist alles vorhanden?
Die Schnelligkeit, Zweikampfstärke und Angriffsauslösung sind ganz okay. Ausserdem bin ich praktisch beidfüssig. Verbessern kann ich das offensive Kopfballspiel und taktische Defensiverhalten.

"Wenn Akanji gesund bleibt", sagte eben jener Heitz, "sind die Grenzen nach oben offen". Setzen Sie so hohe Erwartungen unter Druck?
Wieso? Ich habe überhaupt keinen Stress - es kommt, wie es kommen muss.

Was erwarten Sie selbst von sich?
Ich will gesund bleiben, mit der Schweiz zur WM fahren und irgendwann einmal bei Manchester United spielen.

Und wie lautet Ihr Rat an junge Kicker, die von einer Profikarriere träumen?
Jeden Tag hart arbeiten, aber nie den Spass am Spiel verlieren. Und ganz wichtig: Habt auch ein Leben neben dem Platz! Man muss zwischendurch mal abstellen, Freunde treffen, andere Hobbies pflegen und den Kopf so richtig durchlüften.


Zur Person

Manuel Akanji (22), ist der grosse Aufsteiger im Schweizer Fussball. Seine Mutter ist Schweizerin, der Vater Nigerianer, die Juniorenzeit absolvierte er beim FC Wiesendangen und FC Winterthur. Erst mit 19 wechselte er zum FC Basel, mit dem er zwei Meistertitel und einen Cupsieg gewann. Letzte Saison avancierte er zum Stammspieler und im Juni 2017 debütiert er gegen die Färöer im A-Nationalteam. Der zweikampfstarke Innenverteidiger mit den Gardemassen (1.87 m gross, 85 kg schwer) ist aussergewöhnlich schnell und beidfüssig.