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Supertrends nach der COVID-19-Krise

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Supertrends nach der COVID-19-Krise

Aus gezielten Sektor- und Teilbrancheninvestments hat sich in den vergangenen Jahrzehnten die rasant wachsende Nische der Themenfonds entwickelt. Grund für das zunehmende Interesse an thematischen Anlagen ist vielleicht die disruptive Natur unserer Zeit: Rasante technologische Fortschritte, die Bevölkerungsentwicklung und die Herausforderungen des Klimawandels bringen alte Geschäftsmodelle ins Wanken und lassen neue entstehen. Mit einer traditionellen Diversifizierung nach Regionen und Sektoren kann man dieser Transformation kaum noch gerecht werden. Besser geeignet ist eine themenbasierte Diversifizierung. So können Anleger an langfristigen Trends partizipieren, die einen Wandel nach sich ziehen.

Mit unseren langfristigen Anlagethemen, den Supertrends, erfassen wir sechs grosse gesellschaftliche Entwicklungen, von denen wir glauben, dass sie Geschäfts- und Anlagechancen hervorbringen werden. Vier Jahre nach ihrer Erstauflage haben wir einige unserer Supertrends-Subthemen an die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals, SDGs) gekoppelt. Als Leitprinzip für die künftige wirtschaftliche Aktivität und Entwicklung, die Zusammenarbeit zwischen Regierungen sowie für internationale Beziehungen haben die SDGs unserer Ansicht nach durch die globale Coronavirus-Pandemie noch stärker an Bedeutung gewonnen.

Die in jüngster Zeit verstärkten Bemühungen, den Klimawandel weltweit durch gezielte Investitionen in nachhaltige Infrastruktur zu bekämpfen, sind ein gutes Beispiel dafür, wie sich Anlagechancen mit den SDGs verbinden lassen. Diese Ausrichtung ist jedoch eher als Richtschnur und weniger als formale Richtlinie zu sehen. Denn bislang gibt es keine allgemein anerkannte Definition einer SDG-ausgerichteten Anlage.

Mehr Wachstum durch weniger Emissionen

Politische Entscheidungsträger in aller Welt legen den Fokus verstärkt auf Nachhaltigkeit und ergreifen Massnahmen, um ambitionierte Zielwerte für Treibhausgasemissionen zu erreichen. Als neues magisches Ziel gilt dabei «netto null». Unsere Supertrends «Klimawandel» und «Infrastruktur» sind gut positioniert, um von dieser politischen Dynamik und den Investitionsplänen für die kommenden Jahrzehnte zu profitieren. Der Supertrend «Klimawandel» konzentriert sich auf die Dekarbonisierung der Wirtschaft – eine Entwicklung, die sich auf das Leben an Land und unter Wasser auswirkt und die öffentliche Gesundheit fördert. Neben kohlenstofffreier Stromerzeugung, nachhaltigem Verkehr und der Energiewende wird auch die Lebensmittelrevolution unseres Erachtens nicht nur für eine bessere Gesundheit sorgen, sondern auch die weltweiten CO2-Emissionen deutlich reduzieren. Die Kernthemen des Supertrends «Infrastruktur» sind Energie und Wasser(-infrastruktur). Der Trend umfasst aber auch die für eine verstärkte Mobilität von Menschen und den Gütertransport erforderliche Infrastruktur für sichere und effiziente Transportmittel. Die Subthemen dieser beiden Trends finden sich auch in den UN-Nachhaltigkeitsthemen, so z.B. in «Industrie, Innovation und Infrastruktur», «menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum» sowie «nachhaltige/r Konsum und Produktion».

Die Suche nach dem (besseren) sozialen Gleichgewicht

Der Supertrend «Besorgte Gesellschaften» befasst sich mit der Verbesserung der Chancengleichheit und legt dabei den Schwerpunkt auf die Erschwinglichkeit grundlegender menschlicher Bedürfnisse wie Wohnraum, Bildung, Gesundheit und persönliche Sicherheit sowie eine menschenwürdige Beschäftigung in einem Arbeitsmarkt im Umbruch. Während der COVID-19-Pandemie betraf die Frustration der Bevölkerung vor allem innenpolitische Probleme. Die Jobsicherheit angesichts wirtschaftlicher Schwierigkeiten und Veränderungen, die steigenden Kosten für Bildung, die wachsenden Gesundheitsausgaben sowie die persönliche und öffentliche Sicherheit zählen für viele Menschen weltweit zu den wichtigsten Themen. Interessante Anlagechancen erkennen wir bei Unternehmen, die diese Herausforderungen angehen und Lösungen anbieten, welche die Kosten grundlegender Dienstleistungen senken. Arbeitgeber, die im ESG-Kriterium «Soziales» (ESG: Umwelt, Soziales und Governance) gut abschneiden, stehen also ebenfalls im Fokus. Diese Themen überschneiden sich mit verschiedenen UN-Nachhaltigkeitsthemen, darunter «menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum», «weniger Ungleichheiten» und «nachhaltige Städte und Gemeinden».

Ein längeres, gesünderes Leben

Unserer Ansicht nach werden sowohl die ältere als auch die jüngere Generation, die wir mit unseren Supertrends «Silver Economy» und «Werte der Millennials» abdecken, den Wandel weiter vorantreiben. Durch die weltweite Alterung der Bevölkerung wächst unweigerlich der Bedarf an medizinischen Lösungen für Alterskrankheiten. Dadurch steigen auch die Kosten für Gesundheitsversorgung und Krankenversicherung, zumal dieser Trend zunehmend auch Schwellenländer betrifft. Bei der jüngeren Generation sind die Millennials Vorreiter einer gesünderen Art des Konsums. Nachdem sie die Einkaufs- und Werbegewohnheiten radikal verändert haben, werden sie unseres Erachtens als Nächstes den Finanzsektor auf den Kopf stellen – einer der Schwerpunkte dieses Jahres in unserem Subthema «Digital Natives». Durch den Einfluss der jüngeren Generation dürften zudem Nachhaltigkeit und verantwortungsvoller Konsum weiter an Bedeutung gewinnen. Diese können an verschiedene UN-Nachhaltigkeitsziele geknüpft werden, darunter «Gesundheit und Wohlergehen», «Geschlechtergleichheit» sowie «menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum».

Berührungslose Wirtschaft

Bei der Erreichung vieler UN-Nachhaltigkeitsziele spielt Technologie eine entscheidende Rolle. Tatsächlich finden sich die Subthemen unseres Supertrends «Technologie» in vielen SDGs wieder, von «Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen» bis hin zu «nachhaltige Städte und Gemeinden». Wir sind der Ansicht, dass die «berührungslose Wirtschaft» die nächste Herausforderung darstellen wird, nachdem die physische Interaktion bei der Arbeit, in der Freizeit und bei der Kommunikation der Menschen während der COVID-19-Pandemie drastisch an Bedeutung verloren hat. Berührungslose Benutzeroberflächen und vernetzte multifunktionale Geräte und Anwendungen dürften zunehmend die Interaktion über Sprachassistenten ermöglichen. Gleichzeitig könnten Systeme zur biometrischen Authentifizierung auf der Basis von Sprach- oder Bilderkennung Benutzern im geschäftlichen oder privaten Bereich massgeschneiderte Dienstleistungen bieten.

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