Fixed Income

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Unternehmensanleihen nach wie vor attraktiv

2021 dürften die Gewinne bei Kern-Staatsanleihen gering ausfallen, während Hartwährungsanleihen aus den Schwellenländern weiterhin attraktiv sind. Bei Unternehmensanleihen bietet Investment Grade (IG) ein gutes Risiko-Ertrags-Profil. Bei High-Yield-Anleihen engagieren wir uns auf selektiver Basis in den bonitätsschwächeren Kreditsegmenten, um die Erträge zu steigern.

Während die kurzfristigen Renditen durch die Zentralbankenpolitik auf niedrigen Niveaus verankert bleiben dürften, rechnen wir 2021 auch bei den langfristigen Renditen nicht mit einem deutlichen Anstieg. Dennoch erachten wir eine leichte Versteilung der Staatsanleihen kurve im Jahr 2021 als wahrscheinlichstes Szenario angesichts der anhaltenden Konjunkturerholung und der Bestrebungen der Notenbanken, die Inflationserwartungen anzukurbeln.

Die US-Notenbank (Fed) nahm im 3. Quartal 2020 eine wichtige Anpassung ihrer langfristigen Strategie vor, indem sie zu durchschnittlichen Inflationszielen überging, wobei ein potenzielles Überschiessen des Inflationsziels toleriert würde, um ein vorheriges Unterschreiten des Zielwerts zu kompensieren. Das Rahmenwerk dürfte der Fed mehr Flexibilität im Hinblick auf die Ankurbelung der Inflationserwartungen verschaffen und damit einen Anstieg der Laufzeitenprämien (Überschussrendite, die sich aus einem Engagement bei lang laufenden im Vergleich zu kurz laufenden Anleihen ergibt) ausgehend von niedrigen Niveaus begünstigen. Dank der entgegenkommenden Haltung und der anhaltenden Anleihenkäufe der Zentralbanken zur Stützung der Erholung blieben die Schwankungen an den Fixed-Income-Märkten 2020 zwar niedrig. 2021 könnte es aber parallel zur höheren Inflationstoleranz der Notenbanken und angesichts steigender Schulden und Haushaltsdefizite zu einer gewissen Normalisierung der Volatilität kommen. Während wir mit einem leichten Anstieg der langfristigen Renditen rechnen, dürften die Erträge nominaler Kern-Staatsanleihen in den nächsten zwölf Monaten nahe null verharren oder negativ ausfallen.

Der Vorteil inflationsindexierter gegenüber nominalen Anleihen

2020 gab die Inflation infolge der Wirtschaftskontraktion und des Einbruchs der Rohstoffpreise stark nach. Angesichts der anhaltenden Konjunkturerholung dürften sich die Teuerungsraten in den wichtigen Volkswirtschaften 2021 normalisieren, dabei aber nur 2.0% in den USA und 1.0% in der Eurozone erreichen, wobei Letzteres deutlich unterhalb des Zielwerts der Europäischen Zentralbank (EZB) liegt. Gleichwohl dürfte die Tatsache, dass die Zentralbanken potenziell eine höhere Inflation tolerieren, dazu beitragen, die langfristigen Inflationserwartungen zu stabilisieren und anzukurbeln, sodass diese letztlich die jüngsten historischen Durchschnittswerte übersteigen. Inflationsindexierte Anleihen (ILBs) – die für eine steigende Teuerung entschädigen – würden im Vergleich zu nominalen Anleihen von einem derartigen Anstieg der Inflationserwartungen profitieren. Bereinigt um Durationsunterschiede bieten ILBs unserer Einschätzung nach daher einen besseren Ertragsausblick als entsprechende nominale Staatsanleihen.

Renditechancen bei Schwellenländeranleihen

Die Renditen von Schwellenländer-Hartwährungsanleihen sind seit der COVID-19- bedingten Verkaufswelle deutlich gesunken. Gleichwohl verharren die Spreads weiterhin oberhalb früherer Tiefstwerte, was jedoch zum Teil auf die rückläufige Rendite zugrunde liegender US-Staatsanleihen zurückzuführen ist. Die rekordhohe Marktpositionierung und der mit Blick auf die Zukunft geringere Spielraum für politische Unterstützung trüben den Ertragsausblick. Ungeachtet des weltweit stabileren Wachstumsumfelds haben viele Schwellenländer-Volkswirtschaften nach wie vor mit den Auswirkungen der Lockdowns infolge des ersten COVID-19- Schocks zu kämpfen. So müssen vor allem die als Reaktion auf die Krise verabschiedeten geld- und fiskalpolitischen Stimuli wieder zum Teil rückgängig gemacht werden. Andererseits deuten die potenzielle Zunahme der zyklischen Einnahmen infolge der Erholung der Wirtschaftsaktivität 2020 zusammen mit einer gewissen fiskalischen Straffung und stärkeren Aussenbilanzen darauf hin, dass das Emissionsvolumen künftig nachlassen wird.

IG-Anleihen bleiben gefragt

Die meisten Investment-Grade-Unternehmensanleihen entwickelten sich 2020 dank rückläufiger Staatsanleihenrenditen sowie entgegenkommender Geld- und Fiskalpolitik positiv. Dennoch haben sich die Kreditspreads im Vergleich zum Jahresbeginn 2020 geweitet. Angesichts der schrittweisen Erholung der Weltwirtschaft gehen wir davon aus, dass die Zentralbanken und Regierungen weltweit an ihrer sehr entgegenkommenden Geld- und Fiskalpolitik festhalten werden, insbesondere an den Kreditfazilitäten zum direkten Kauf von IG-Unternehmensanleihen, was zu einer weiteren Spreadverengung im Jahr 2021 beitragen dürfte.

Da wir mit einer nur langsamen Normalisierung der langfristigen Staatsanleihenrenditen rechnen, ist bei IG-Anleihen eine anhaltend gute Wertentwicklung zu erwarten. Bei den Spreads im High-Grade- Segment besteht weiterer Spielraum für eine Verengung, weshalb wir bei globalen IG-Anleihen auf 12-Monats- Sicht mit einem Ertrag im mittleren einstelligen Bereich rechnen.

Vor dem Hintergrund der anhaltend starken Zentralbankunterstützung in Europa, aber auch in den USA sollten Anleger Unternehmens anleihen hoher Qualität gegenüber nominalen Staatsanleihen bevorzugen. Mit Blick auf die Diversifizierung bieten unseres Erachtens auf USD lautende IG- Unternehmensanleihen aus Schwellenländern einen attraktiven Renditeaufschlag für Anleger, die nach Diversifizierungsmöglichkeiten Ausschau halten.

Bleiben weitere Schocks aus, so stellen Schwellenländer-Hartwährungsanleihen angesichts anhaltend niedriger Zinsen weltweit weiterhin eine wichtige Fixed-Income- Anlageklasse zur Steigerung der Erträge dar. Für den Gesamtindex der Schwellenländer- Hartwährungsanleihen, den wir verfolgen, rechnen wir in den nächsten zwölf Monaten mit einem Ertrag von 4.4%. Defensivere Anleger könnten ein reines Engagement bei Investment-Grade-Staatsanleihen ins Auge fassen, wenngleich dies den Ertragsausblick trübt. Nach einer Vielzahl an Herabstufungen bei Staatsanleihen 2020 erwarten wir 2021 ein stabileres Umfeld, da der anfängliche COVID-19-Schock dann weiter hinter uns liegt und im Hochzinssegment mehrere Schuldenrestrukturierungen vorgenommen worden sind. In den wichtigen Schwellenländern stehen 2021 nur wenige politische Ereignisse auf der Agenda, weshalb sich spezifische Risiken in Grenzen halten könnten. In Russland und Mexiko sind Parlaments- und in Südafrika Kommunalwahlen anberaumt.

High-Yield-Spreads: Spielraum für Verengung

Bei Redaktionsschluss ging die Ratingagentur Moody’s davon aus, dass die Zahlungsausfälle im globalen High-Yield-Bereich im 1. Quartal 2021 einen Höhepunkt erreichen werden. Angesichts der verbesserten Risikostimmung neben einer prognostizierten Konjunkturerholung im Jahr 2021 halten wir eine weitere moderate Spreadverengung bei High-Yield-Unternehmensanleihen für wahrscheinlich. Innerhalb des High-Yield- Segments weisen Anleihen mit Rating B im Vergleich zu defensiveren weiterhin einen attraktiven Spreadpuffer auf. In den nächsten zwölf Monaten erwarten wir bei globalen High-Yield-Anleihen Erträge von 4.4%. Angesichts der Aussicht auf einen wirksamen COVID-19-Impfstoff dürften sich ausgewählte zyklische Konsumgütersektoren wie Fluggesellschaften und Gaming erholen. Obschon die Unternehmensverschuldung in den Sektoren Energie und Metalle im Jahresverlauf gestiegen ist, scheinen die Renditen derzeit hoch genug zu sein, um zum Jahreswechsel für die Ausfallrisiken zu entschädigen, zumal mit anhaltender Zentralbankunterstützung zu rechnen ist. In ähnlicher Weise könnten sich nachrangige europäische Finanzwerte zwar höheren Risiken im Hinblick auf Rückstellungen für Problemkredite gegenübersehen. Die gestärkten Bilanzen der Banken und die fiskalische Unterstützung haben den Finanzierungsstress europäischer Banken jedoch wesentlich verringert. Nachrangige europäische Finanzpapiere dürften sich 2021 gleichauf mit High-Yield-Anleihen entwickeln.

Vorteile des ESG-Fokus

Anleger können unseres Erachtens 2021 von zwei Aspekten im Hinblick auf ESG-Faktoren (Umwelt, Soziales und Governance) profitieren. Zum einen könnte ein Portfolio aus Unternehmensanleihen, das ESG-Kriterien berücksichtigt, auf lange Sicht weniger stark von Unternehmensausfällen und Rating- Herabstufungen betroffen sein. Zum anderen gehen wir davon aus, dass die Kurse von ESG-Anleihen relativ gut unterstützt bleiben werden, da ESG-Faktoren zunehmend ins Bewusstsein der Anleger rücken – was wiederum höhere Allokationen und Zuflüsse mit ESG-Bezug zur Folge hat.

Investment Outlook 2021