Aktien

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Aktien beflügeln weiterhin die Erträge

Mit Blick auf das Jahr 2021 bieten Aktien attraktive Ertragsaussichten. Dank der weltweit sehr lockeren Geldpolitik und der anhaltenden fiskalischen Unterstützung dürfte das politische Umfeld insgesamt günstig bleiben. Der pandemiebedingte Einbruch der Unternehmensgewinne im Jahr 2020 sollte sich als vorübergehend erweisen. Die Konsensprognosen für globale Aktien deuten darauf hin, dass die Gewinne 2021 das Niveau von 2019 übersteigen werden, was die Aktienmärkte im Laufe des Jahres stützen dürfte.

Keine Angst vor hohen Bewertungen

Gemessen an traditionellen Bewertungskennzahlen wie dem Kurs-Gewinn-Verhältnis erscheinen die Bewertungen am Aktienmarkt im Vergleich zu ihrem längerfristigen historischen Durchschnitt hoch. Zum einen führen wir dies auf das Umfeld extrem niedriger oder sogar negativer Renditen zurück, vor allem auf inflationsbereinigter Basis. Als weitere Ursache sehen wir die Interventionen der politischen Entscheidungsträger, insbesondere der US-Notenbank (Fed), die auf die COVID-19-Pandemie schnell und entschieden reagierten. Dies trug dazu bei, die Risikoaversion der Anleger zu mindern, sodass sich der Markt Ende des Frühjahrs 2020 deutlich erholte. 2021 dürfte die politische Unterstützung anhalten und die Risikoaversion weiter nachlassen. Aufgrund der pandemiebedingten Rezession und der gestiegenen Inflationstoleranz der Zentralbanken sind wir der Ansicht, dass neben dem Risiko einer Kreditkrise auch die Besorgnis über eine Konjunkturüberhitzung gegen Ende des Zyklus weiter an Relevanz verloren hat. Da die Zentralbanken diese Extremrisiken verringern, könnten die Risikoprämien sogar noch stärker sinken, wenn sich die Wirtschaft im Laufe des Jahres 2021 weiter stabilisiert. Dies würde für im historischen Vergleich höhere Bewertungskennzahlen sprechen.

Bei Betrachtung der relativen Attraktivität der verschiedenen Anlageklassen, die sich letzten Endes auf einen erheblichen Teil der Kapitalflüsse auswirkt, erscheinen die Aktienmärkte nach wie vor recht attraktiv. Seit Anfang 2020 sind die realen Renditen von US-Anleihen um über 100 Basispunkte gesunken. Somit sind sie stärker zurückgegangen als die Gewinnrenditen (das inverse Kurs-Gewinn-Verhältnis), was höhere Bewertungskennzahlen begünstigt.

Gegenwärtig liegt die Aktienrisikoprämie (ERP), gemessen an der Differenz zwischen der Gewinnrendite und der realen Anleihenrendite, über dem langfristigen Durchschnitt. Dies deutet darauf hin, dass Aktien attraktive Überschusserträge gegenüber Anleihen bieten. Wir sind uns bewusst, dass die Aktienrisikoprämie in einem unsicheren Umfeld höher sein sollte, da die Anleger bei risikoreicheren Anlagen eine höhere Prämie verlangen. Wenn sich die Volkswirtschaften erholen und das Wachstum zurückkehrt, dürfte diese Besorgnis jedoch im Laufe der Zeit nachlassen.

Den zyklischen Aufschwung nutzen

Auf regionaler Ebene werden die strukturellen Unterschiede in der Sektorzusammensetzung aus unserer Sicht die grösste Rolle spielen. Der Anteil an Branchen mit langfristigem Wachstum (z.B. Unternehmen mit Technologiebezug) gegenüber den zyklischen Segmenten (z.B. Finanzunternehmen) dürfte 2021 erheblich zu den regionalen Ertragsdifferenzen beitragen.

Die COVID-19-Pandemie hat die disruptiven Trends beschleunigt, die auch künftig eine starke und wirksame Triebkraft darstellen werden. Onlinehandel und -shopping werden traditionelle Detailhandelsgeschäfte zunehmend ersetzen, wodurch Lagerhäuser im Vergleich zu Einkaufszentren begünstigt werden. Homeoffice-Arrangements auf der Basis von Cloud-Computing, Datensicherheit, drahtlosen Netzwerken und Videokommunikationstools dürften die Attraktivität von Büroflächen weiter verringern, während die Nachfrage nach Wohnraum in den Vorstädten steigt. Gleichzeitig ersetzt die Online-Bildung zunehmend traditionelle Präsenzkurse und bietet die Telemedizin eine kostengünstige und zeitsparende Alternative zu Arztbesuchen.

Wir erkennen nach wie vor attraktive Marktsegmente, die dank ihres Disruptionspotenzials in der Lage sind, ihre Marktanteile und Gewinnmargen auszubauen. Dazu zählen Branchen mit Technologiebezug und der Gesundheitssektor. Potenzial sehen wir auch im Materialsektor, einschliesslich der Baustoffbranche. Die Grundlage dafür bilden die solide Nachfrage nach Rohstoffen, der starke Immobilienmarkt und eine potenzielle Belebung der Bautätigkeit, insbesondere bei Wohnimmobilien.

Die von Disruption betroffenen Wirtschaftsbereiche dürften dagegen Marktanteile verlieren, und ihre Margen werden unter Druck geraten. Typische Beispiele hierfür sind der stationäre Detailhandel und die Printmedien. Auch bei traditionellen Unternehmen aus den Sektoren Energie und Finanzen erwarten wir anhaltende Strukturprobleme. Nach einer vorübergehenden Abkühlung dürfte sich die Konjunkturdynamik 2021 wieder beschleunigen. Dies würde Anlegern die Gelegenheit bieten, sich in zyklischen Sektoren wie dem Reise- und Gastgewerbe oder dem Automobilsektor zu engagieren.

Welche Anlagestile sind 2021 gefragt?

2020 wiesen Wachstums- und Substanztitel hohe Ertragsdifferenzen auf. Mit Blick auf das Jahr 2021 erkennen wir bei Substanzwerten Aufholpotenzial, wenngleich der Zeitpunkt für eine solche Erholung noch nicht absehbar ist. In einer typischen Expansionsphase, in der das Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) das Potenzialwachstum übertrifft und die Geldpolitik expansiv ist, dürfte eine Übergewichtung von Substanzwerten und Small-Cap-Aktien letztlich eine bessere Performance erzielen als Anlagen in Wachstumsaktien und Large Caps.

Die negativen Schocks, die durch die globale COVID-19-Pandemie ausgelöst wurden, haben jedoch Entwicklungen beschleunigt, für die Wachstumswerte gut positioniert sind. Dazu zählt die Fähigkeit, auf die Verlagerung der Nachfrage zu reagieren, die aus der verringerten Mobilität, dem Social Distancing und dem Trend zu Homeoffice und Online-Bildung resultiert. Wichtige Teilbereiche des Substanzsegments stehen zudem vor strukturellen Herausforderungen, beispielsweise Autohersteller, die das Problem der CO2-Emissionen bewältigen müssen. Dasselbe gilt für Finanzunternehmen, deren Margen in einem Umfeld längerfristig niedriger Zinsen sinken, und für den Energiesektor, in dem die rückläufige Nachfrage nach fossilen Brennstoffen sowie Umweltschutzaspekte die Aktienkurse belasten. Mit Blick auf 2021 halten wir an unserem leichten Schwerpunkt auf Wachstumswerten fest, erwarten jedoch Marktphasen, in denen sich Substanztitel überdurchschnittlich entwickeln könnten.

Hinweis: Substanztitel sind Aktien, die sich durch ihre niedrige Bewertung im Vergleich zu ihren Fundamentaldaten (z.B. Gewinne, Dividenden oder Umsatz) auszeichnen. Sie weisen oftmals hohe Dividendenrenditen auf und reagieren in der Regel sensibel auf den Konjunkturzyklus. Wachstumstitel sind Aktien von Unternehmen mit erheblichem Wachstumspotenzial, die den Grossteil der vereinnahmten Gewinne zur Wachstumsfinanzierung nutzen.

ESG-Trend hält an

Das Thema Nachhaltigkeit wird für Anleger immer wichtiger und ist am Markt bereits fest etabliert. In seinem Global Risks Report 2020 führt das Weltwirtschaftsforum erstmals ausschliesslich Umweltaspekte als wahrscheinlichste globale Risiken auf, und auch die Mehrzahl der Risiken mit den grössten Auswirkungen entfällt auf die Umwelt. Das Bewusstsein für ESG-Faktoren (Umwelt, Soziales und Governance) nimmt zu, wie die steigende Zahl entsprechender Abfragen bei Online-Suchmaschinen zeigt. Das rasante Wachstum der nach ESG-Kriterien verwalteten Vermögenswerte erhöht den Druck auf börsennotierte Unternehmen, ihre Geschäftsmodelle und -praktiken stärker an ESG-Standards auszurichten. Auch die treuhänderischen Pflichten werden an diese Entwicklung angepasst und umfassen zunehmend Grundsätze für nachhaltige Anlagen, da die Aufsichtsbehörden die Berücksichtigung von ESG-Kriterien immer häufiger vorschreiben.

"Das Thema Nachhaltigkeit wird für Anleger immer wichtiger."

Zu den Vorteilen dieser Entwicklung für Anleger zählen ein verbesserter Schutz vor wesentlichen Verstössen gegen Governance-Vorgaben, die robuste Performance im ESG-Bereich und der «weiche» Faktor, Gutes zu tun. Wir glauben, dass dieser Trend Bestand haben und eine stärkere Nachfrage zur Folge haben dürfte, was nachhaltigen Anlagen zugutekäme.

Eurozone hat einen Vorsprung

Die Eurozone könnte im Laufe des Jahres 2021 eine bessere Performance erzielen als die USA, da die Unternehmensgewinne über Aufholpotenzial verfügen und aufgrund der stärkeren Konjunkturabhängigkeit Europas überproportional von der wirtschaftlichen Erholung profitieren dürften. Das Ertragspolster, das die widerstandsfähigen und stabilen Wachstumsbranchen (z.B. Technologie) während der COVID-19-Krise boten, war in Europa weniger ausgeprägt.

Verschiedene regulatorische Massnahmen in Bezug auf Dividendenausschüttungen, die während der Krise eingeführt wurden, um im Versicherungs- und Finanzsektor für ausreichende Kapitalpuffer zu sorgen, dürften zudem in Europa aufgehoben werden, sobald sich die Wirtschaft stabilisiert. Vor allem Strategien mit hohen Dividendenausschüttungen, die für die europäischen Aktienmärkte in der Regel relevanter sind, gewinnen dadurch an Attraktivität. Derzeit rechnen wir für die Eurozone weiterhin mit einem relativen Bewertungsvorteil von fast 10%.

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Grossbritannien – Brexit-Unsicherheit veranlasst uns zu Zurückhaltung

Seit dem Brexit-Referendum 2016 sind britische Aktien deutlich hinter dem globalen Aktienmarkt zurückgeblieben. Dadurch wurden sie erheblich abgewertet und weisen im Vergleich zu globalen Aktien historisch niedrige Bewertungskennzahlen auf. Da der britische Markt ein starkes Exposure zu den Sektoren Finanzen und Energie aufweist, die von den COVID-19-bedingten Lockdowns erheblich betroffen waren, verzeichneten britische Aktien in jüngster Zeit niedrigere Unternehmensgewinne und stärkere Dividendenkürzungen als globale Aktien. Die Bewertungskennzahlen und die hohen Dividendenrenditen lassen den Markt attraktiv erscheinen. Aufgrund der Unsicherheit über den bevorstehenden Austritt Grossbritanniens aus dem europäischen Binnenmarkt im Zuge des Brexit bleibt der Konjunkturausblick des Landes jedoch getrübt. Die Währungsentwicklung könnte die Brexit-Folgen allerdings abfedern. Britische Aktien korrelieren stark negativ zum GBP, da ein Grossteil der Unternehmensgewinne im Ausland erwirtschaftet wird. Wir glauben, dass ein schwaches GBP in Verbindung mit den attraktiven Aktienbewertungen dazu beitragen könnte, einen möglichen Wachstumseinbruch zu kompensieren, falls die Unsicherheit über den Brexit anhält und Grossbritannien eine neue Welle von COVID-19-Infektionen verzeichnet. Zusätzliche fiskal- und geldpolitische Stimuli könnten die Wirtschaft und inländische Aktien auf kurze Sicht ebenfalls stützen.

Schweizer Qualität

Schweizer Aktien sind defensiv: Dank der starken Konzentration in den Sektoren Gesundheitswesen und Basiskonsumgüter, auf die mehr als die Hälfte des MSCI Switzerland Index entfällt, weisen sie ein robustes Gewinnprofil auf. Während des pandemiebedingten Abschwungs profitierte der Schweizer Markt von diesen Merkmalen. Aufgrund ihres defensiven Charakters und des relativ geringen Anteils an Unternehmen mit Technologiebezug blieben Schweizer Aktien während der anschliessenden starken Markterholung jedoch zurück. Wir sind der Ansicht, dass der hohe Anteil an globalen Marktführern mit erstklassigen Produkten dem Schweizer Markt nach der Rally attraktive Ertragsperspektiven bietet. Solide und vor allem stabile Dividenden sind ein weiteres Argument für Schweizer Aktien, insbesondere in einer Zeit, in der die Anleger angesichts der niedrigeren Anleihenrenditen nach ertragsgenerierenden Anlagen Ausschau halten. Als exportorientierte Wirtschaft leidet die Schweiz unter der Stärke des CHF, die aus dem Status der Währung als sicherer Hafen resultiert. Dies hat die Performance bisher belastet. Wir erwarten jedoch, dass dieser Negativfaktor 2021 an Bedeutung verliert, da die anhaltende globale Konjunkturerholung die Attraktivität des CHF als sichere Anlagewährung verringern dürfte.

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Schwellenländer: Asien sticht heraus

An den Aktienmärkten der Schwellenländer dominieren asiatische Unternehmen, auf die rund 80% der Marktkapitalisierung der globalen Schwellenmärkte entfallen. Asien weist ein erhebliches Exposure gegenüber der sogenannten «New Economy» auf. Daher erkennen wir eine Reihe struktureller Trends, die asiatische Aktien unterstützen, darunter Digitalisierung, Cloud-Computing und künstliche Intelligenz. Da COVID-19 in grossen Teilen der Region bereits unter Kontrolle gebracht worden ist und die chinesische Wirtschaft eine robuste Erholung verzeichnet, erwarten wir, dass asiatische Aktien 2021 attraktive Erträge erzielen. Die guten Wirtschaftsaussichten scheinen in den Aktienbewertungen bereits weitgehend eingepreist zu sein. Eine anhaltende Erholung der Unternehmensgewinne ist daher ein wichtiger Faktor für weitere Kurszuwächse. Die breit abgestützte Konjunkturerholung und das starke Wachstum des Technologiesektors dürften die Gewinne beflügeln. 

Ausländische Anleger werden sich bei der Suche nach überdurchschnittlichen Wachstumschancen wahrscheinlich auf die Schwellenländer Asiens konzentrieren. Die beiden anderen Schwellenländerregionen – EEMEA und Lateinamerika – waren stärker von der COVID-19-Pandemie betroffen. In beiden Regionen sind die fundamentalen Rahmenbedingungen daher ungünstiger als in den Schwellenländern Asiens. Infolge der Pandemie haben die Aktienkurse jedoch korrigiert. Dadurch besteht Potenzial für eine Outperformance, falls die Besorgnis über COVID-19 nachlässt, beispielsweise infolge eines weltweit verfügbaren Impfstoffs. Eine lockere Geldpolitik und ein schwächerer USD dürften Schwellenländeraktien zugutekommen. Mit Blick auf 2021 stellt eine weitere Eskalation des Handelskonflikts zwischen den USA und China weiter ein wesentliches Risiko für Schwellenländeraktien dar.

Impfstoff: Die grosse Unbekannte

Laut dem von der Weltgesundheitsorganisation am 3. November 2020 veröffentlichten Entwurf über COVID-19-Impfstoffkandidaten wurden weltweit etwa 202 potenzielle Impfstoffe entwickelt und getestet, davon 47 an Menschen. Im November 2020 wurden zu einem Impfstoff ermutigende Phase-3-Studienergebnisse gemeldet, sodass bis Mitte 2021 mit Impfungen auf breiter Basis gerechnet werden kann. Dies ist bemerkenswert, da die Entwicklung von Impfstoffen in der Regel Jahre, nicht Monate dauert.

In Bezug auf einen Impfstoff stellen sich eine Reihe von Fragen, darunter zur Schutzdauer, aber auch seiner Sicherheit und seiner Akzeptanz in der Bevölkerung. Auch die Verfügbarkeit eines Impfstoffs, seine rasche Produktion und die Logistik hinsichtlich einer weltweiten Auslieferung sind wichtige Aspekte für die Einschätzung, wie schnell die Welt zu einem «Normalzustand » zurückkehren kann. Zudem stellt sich insbesondere für ärmere Regionen die Frage nach kurzfristigen Kapazitäten.

Trotz aller genannten Probleme hätte jede glaubwürdige Bestätigung, dass ein wirksamer Impfstoff für eine umfassende Auslieferung zur Verfügung steht, wahrscheinlich eine positive Wirkung auf die meisten Aktienkurse und die allgemeine Risikostimmung. Angesichts der Ergebnisse der laufenden Impfstoffstudien und Zulassungsverfahren scheinen die Aktienmärkte diese positive Nachricht bereits vorwegzunehmen. Bestätigt sich diese Hoffnung, könnten Sektoren wie Reisen, Freizeit und Gastronomie, die von COVID-19 am stärksten in Mitleidenschaft gezogen wurden, einen Aufschwung erleben. Aufgrund positiver Gewinnrevisionen und des Potenzials für eine Neubewertung rechnen wir in diesem Fall auch mit einer raschen Umschichtung aus «Stay-at-Home »- und Wachstumstiteln in Substanzund zyklische Werte. Aus regionaler Sicht dürften vom Tourismus abhängige und zyklische Märkte (z.B. die Eurozone) in einem solchen Szenario allmählich aufholen, nachdem sie 2020 weitgehend zurückgeblieben sind.

Investment Outlook 2021