Währungen
USD dürfte weiter an Boden verlieren
Aufgrund der globalen Wachstumsbelebung, der Verringerung des realen US-Renditevorteils und der Ausweitung des Haushalts- und des Zahlungsbilanzdefizits erwarten wir 2021 eine weitere Abwertung des USD. Der EUR und der JPY dürften davon profitieren. Angesichts von Portfoliozuflüssen wird unserer Einschätzung nach auch der CNY zulegen.
Seit Anfang 2020 hat der USD gegenüber den Währungen anderer wichtiger Industrieländer an Boden verloren. Da wir 2021 mit einer anhaltenden globalen Konjunkturerholung rechnen, gehen wir davon aus, dass der USD weiter abwertet. Die stark expansive Geldpolitik der US-Notenbank (Fed) hat den Zinsvorteil des USD beseitigt, und auch die Aussicht auf schwache Haushalts- und Aussenbilanzen in den USA dürfte die Währung weiter belasten. Die Einführung eines neuen geldpolitischen Rahmens durch die Fed, einschliesslich eines durchschnittlichen Inflationsziels, erhöht das Risiko steigender langfristiger Inflationserwartungen. Es ist unwahrscheinlich, dass die Fed die Leitzinsen in den nächsten zwei bis drei Jahren erhöht, wodurch starke Schwankungen der Nominalrenditen verhindert werden. Dadurch besteht die Gefahr, dass die realen US-Renditen noch weiter sinken. Dies dürfte den USD zusätzlich unter Druck setzen. Eine ausgedehnte zweite COVID-19-Infektionswelle in den Wintermonaten könnte an den Märkten jedoch für eine gewisse Volatilität sorgen und dem USD aufgrund seines Status als sicherer Hafen vorübergehend wieder Auftrieb verleihen.
Bessere Aussichten für den EUR
Dank des umfangreichen Wiederaufbaufonds der Europäischen Union (EU) sind die politischen Risiken für den EUR gesunken. Trotz eines leichten Anstiegs des Haushaltsdefizits sind die Aussenbilanzen der EU strukturell in guter Verfassung (durchschnittlicher Überschuss von 3% in den letzten fünf Jahren), insbesondere im Vergleich zu den USA. Vor dem Hintergrund der weltweiten Verschlechterung der Staatsfinanzen sind wir zudem der Ansicht, dass mit der neuen EU-Anleihe ein Instrument zur Förderung der Konvergenz innerhalb der Union geschaffen wird, und es dürften mehr sichere liquide Vermögenswerte zur Verfügung stehen. Dies könnte dem EUR ebenfalls zugutekommen. Der EUR bleibt attraktiv bewertet, und wir erwarten, dass der EUR/USD-Wechselkurs bis Ende 2021 ein Niveau von 1.25 erreichen wird.
JPY und GBP ggü. USD unterbewertet
Der Ausblick für den JPY hat sich verbessert, da sich die US-Zinsen dem japanischen Zinsniveau angenähert haben und bei Betrachtung der Realzinsen sogar niedriger liegen. Der JPY bleibt gegenüber dem USD unterbewertet, obwohl der strukturelle Leistungsbilanzüberschuss und das hohe Auslandsvermögen Japans die Währung stützen. Wir rechnen mit einer leichten Aufwertung des GBP, da die fiskal- und geldpolitische Unsicherheit abnehmen dürfte, sodass sich der Marktfokus wieder auf die günstige Bewertung des GBP vor allem gegenüber dem USD richten kann.
CHF dürfte abwerten
Kurzfristige Unsicherheiten bezüglich der geopolitischen Lage und COVID-19 könnten den CHF bis Ende 2020 weiter stützen. Allerdings dürfte die Schweizerische Nationalbank eine Aufwertung des CHF verhindern, indem sie bei Bedarf am Devisenmarkt interveniert. Für 2021 erwarten wir, dass der CHF gegenüber dem EUR wahrscheinlich stärker an Wert verliert, da sich der Ausblick für die Weltwirtschaft aufhellt und der CHF weitgehend überbewertet ist.
Selektiv in den Schwellenländern
Da sich die USD-Schwäche wahrscheinlich fortsetzen wird, dürften sich die fundamentalen Aussichten für Schwellenländerwährungen 2021 verbessern. Angesichts der noch spürbaren Auswirkungen des COVID-19- Schocks und der Unsicherheit über den Bedarf an zusätzlichen Massnahmen zur Bekämpfung des Virus glauben wir jedoch, dass die Wirtschaftstätigkeit in den Schwellenländern auf kurze Sicht verhalten bleiben wird. Zudem gehen wir davon aus, dass sich die Schwellenländer 2021 etwas stärker erholen werden als die USA. Wir rechnen mit geringerer politischer Unterstützung, da die fiskalischen Massnahmen teilweise eingestellt werden und die Zentralbanken der Schwellenländer weniger expansiv agieren, nachdem die Inflation im 3. Quartal die Talsohle durchschritten hat. Da die Zinsen weltweit auf einem niedrigen Niveau verharren, könnten Zinserhöhungen in den Schwellenländern die Währungen dieser Länder stützen, solange diese nicht als Gefahr für die Realwirtschaft betrachtet werden. Vor diesem Hintergrund rechnen wir mit einer leicht voneinander abweichenden Entwicklung der einzelnen Währungen.
In Asien dürfte sich der Leistungsbilanzüberschuss Chinas schliesslich in ein Defizit verwandeln, da im Zuge der strukturellen Neuausrichtung der chinesischen Wirtschaft der Schwerpunkt langfristig auf den Konsum und eine geringere Sparquote gelegt wird. Die Netto-Portfoliozuflüsse dürften jedoch 2021 weiter stark ausfallen. China bietet im Vergleich zu den Renditen globaler Kernanleihen attraktivere Zinsen. Zudem könnten auch die Aktienmärkte positive Zuflüsse verzeichnen, da sich Chinas Wirtschaft erholt und die Gewinne chinesischer Unternehmen wachsen. Insgesamt rechnen wir 2021 mit einer leichten Aufwertung des CNY und sehen USD/CNY in zwölf Monaten bei 6.32. Dies dürfte auch andere asiatische Währungen gegenüber dem USD stützen. Wir rechnen insbesondere mit einer positiven Entwicklung des KRW, da Südkorea einen starken Leistungsbilanzüberschuss aufweist und COVID-19 unter Kontrolle gebracht hat.