Rohstoffe

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Neuausrichtung des Marktes hält an

An den Rohstoffmärkten verlief das Jahr 2020 bisher turbulent. Während der Goldpreis neue Allzeithöchststände erreichte, durchschritten die zyklischen Marktsegmente den Tiefpunkt einer schweren Krise, von der sie sich bei Redaktionsschluss noch erholen. Für 2021 erwarten wir, dass das Umfeld für Sachwerte und insbesondere für Rohstoffe günstig bleibt.

Die anhaltende Konjunkturerholung dürfte die Nachfrage nach physischen Rohstoffen 2021 ankurbeln. Zudem könnte eine extreme Geld- und Fiskalpolitik letztlich zu höheren Inflationserwartungen führen und den USD belasten, was Rohstoffe insgesamt unterstützen würde. Wir bevorzugen ein diversifiziertes Engagement, das zyklische Segmente, d.h. Energie und Basismetalle, ebenso einschliesst wie Edelmetalle, da die Risikostimmung im Laufe der Zeit erheblich schwanken könnte.

"Wir wären nicht überrascht, wenn der Goldpreis neue Allzeithöchststände erreichte."

Öl: Nachfrage übertrifft Angebot

Die Nachfrage nach Erdöl und den meisten anderen Rohstoffen hat sich noch nicht vollständig erholt und dürfte auch 2021 unter den vor COVID-19 verzeichneten Niveaus verharren. Die Krise hat jedoch zu erheblichen Investitionsdefiziten geführt, da neue Projekte verschoben oder sogar ganz gestrichen wurden, sodass das Angebot stärker beschränkt ist als die Nachfrage. Die hohen Lagerbestände, die sich in der akuten Phase des Konjunkturschocks angesammelt haben, dürften daher auf ein normales Niveau sinken. Dies dürfte letztlich steigende Spot-Preise und einen flacheren Verlauf der Terminkurven nach sich ziehen.

Insbesondere der Ölpreis hat aus unserer Sicht noch Spielraum nach oben und könnte das Gleichgewichtsniveau (das wir bei rund USD 50 je Barrel sehen) möglicherweise übersteigen. Die Normalisierung der Ölvorräte hat bereits begonnen, braucht jedoch ihre Zeit. Eine wichtige Voraussetzung für diese positive Einschätzung des Energiesektors ist allerdings, dass die Mitglieder der Organisation der erdölexportierenden Länder und ihre Verbündeten (OPEC+) die zugesagten Förderkürzungen weiterhin einhalten. Gleichzeitig würde es uns nicht überraschen, wenn der Goldpreis neue Allzeithöchststände erreichte – vor allem dann, wenn die realen US-Renditen noch tiefer in den negativen Bereich abrutschen.

Die Inflation im Blick behalten

Der Inflationsdruck fällt zwar nach wie vor verhalten aus und stellt kurzfristig kein grösseres Problem dar. Angesichts der aktuellen geld- und fiskalpolitischen Massnahmen und der steigenden Schuldenlast verdient die Debatte über das Inflationsrisiko jedoch eine gewisse Aufmerksamkeit. In diesem Zusammenhang ist anzumerken, dass sich ein Korb aus breit diversifizierten Rohstoffanlagen, darunter Gold, in der Vergangenheit als guter Inflationsschutz bewährt hat. Um sich wirksam abzusichern, sollten Anleger Engagements mit Bezug zu Faktoren halten, welche die Inflation ankurbeln, darunter die Preise von Energie und Agrarrohstoffen. Gold hingegen reagiert positiv auf ein höheres Preisniveau, wenn die Zentralbankmassnahmen nach Einschätzung der Marktteilnehmer zu einem Überschiessen des Inflationsziels führen.

Welche Risiken bestehen

Das Hauptrisiko für eine positive Einschätzung des Rohstoffmarkts wäre ein Wachstumsumfeld, das deutlich hinter den Erwartungen zurückbleibt. Dies käme beispielsweise dann zum Tragen, wenn ein negativer Verlauf der COVID-19-Pandemie neuerliche Lockdowns zur Folge hat. Dagegen würde die rasche Entwicklung eines Impfstoffs die Rückkehr zum Gleichgewicht beschleunigen. Handelskonflikte und Zölle können die Wirtschaftsaktivität und die Rohstoffnachfrage – wie es 2019 der Fall war – ebenfalls belasten.

Investment Outlook 2021