Zudem werden sich die politischen Entscheidungsträger mit «kostspieligen Problemen» auseinandersetzen müssen. Die steigenden Gesundheitskosten einer alternden Bevölkerung, der Übergang zu erneuerbaren Energien und die überfällige Erneuerung der Infrastruktur in den Industrieländern sind nur einige der dringlichsten Themen. Diese Aufgaben erfordern erhebliche Investitionen – und dies in einer Zeit, in der die öffentlichen Haushalte bereits unter Druck stehen. Besorgniserregend ist, dass die angespannte Haushaltslage die Regierungen auch daran hindern könnte, künftige Konjunkturabschwünge angemessen abzufedern.
Wenn es gute Nachrichten gibt, dann wahrscheinlich mit Blick auf die technologische Entwicklung. Neue Technologien wie Quantencomputing oder Blockchain-Anwendungen könnten dazu beitragen, einige dieser Probleme zu lösen, setzen jedoch gleichzeitig traditionelle Geschäftsmodelle unter Druck. Die Blockchain-Technologie könnte beispielsweise die Zahlungssysteme sowie das Bankwesen und die Vermögensverwaltung revolutionieren.
Insgesamt denken wir, dass das Wirtschaftswachstum in der «normalisierten» Welt nach der Pandemie sprunghafter und volatiler sein wird, aber nicht unbedingt niedriger oder höher als zuvor. Wir rechnen mit erneuten Boom-Bust-Zyklen, wie wir sie auch in der Vergangenheit gesehen haben. Grundsätze liberaler Politik, wie Freihandel und niedrige Unternehmenssteuern, werden wahrscheinlich zurückgedrängt werden.
Stattdessen könnten neue Vorschriften und Steuern sowie eine stärkere Einkommensumverteilung zu einem weniger stabilen Geschäftsklima führen und die Konjunkturschwankungen verstärken. Infolgedessen dürfte die Inflation höher sein als in den letzten 20 Jahren, doch eine Hyperinflation erscheint unwahrscheinlich. Investitionen in Klimaschutzmassnahmen, Automatisierung, Infrastruktur und neue Technologien könnten zu einer deutlich besseren Arbeitsproduktivität, aber auch zu einer höheren Staatsverschuldung führen. Banken werden wahrscheinlich zur Finanzierung der Haushaltsdefizite beitragen, indem sie mehr Staatsanleihen halten. Gleichzeitig dürften die Blockchain-Technologie und digitale Zentralbankwährungen die Finanzbranche grundlegend verändern. Auf politischer Ebene dürfte die Rivalität zwischen den USA und China bestehen bleiben, während sich die politische Spaltung in den westlichen Ländern verstärken könnte. Alles in allem wird das nächste Jahrzehnt vom Ende der «grossen Mässigung» (Great Moderation) der vergangenen Jahrzehnte geprägt sein, wobei die ersten Entwicklungen wahrscheinlich im Jahr 2022 sichtbar werden.