Technologie

Es gibt viele Gründe, weshalb Unternehmen weiterhin in den digitalen Wandel investieren. Darunter fallen beispielsweise die raschere Anpassung an die sich verändernden Kundenanforderungen, die Steigerung der operativen Effizienz und eine höhere Rentabilität. Die Coronavirus-Pandemie hat zahlreiche neue Gründe offenbart, die für weitere Investitionen in die Digitalisierung sprechen. Verbesserte Mobilität, automatisierte Prozesse in Echtzeit (Edge Computing) sowie Heimbildung und -unterhaltung sind nur einige wenige Beispiele.

Digitalisierung

Computing verlagert sich an den Rand der Cloud

Der Trend zur Digitalisierung ist nach wie vor stark. Mit der zunehmenden Zahl internetfähiger Geräte stehen auch immer mehr Möglichkeiten zur Erfassung, Verwaltung und Analyse einer rasant steigenden Datenflut zur Verfügung. Laut Intersect360 Research gaben IT-Unternehmen im Jahr 2018 USD 57 Mrd. für HyperscaleInfrastruktur (z.B. Cloud-Datenzentren) aus; und es wird damit gerechnet, dass der Hyperscale-Markt 2023 die Marke von USD 100 Mrd. überschreiten wird. Der Umfang dieser Investitionen spiegelt den enormen Wert wider, den die Analyse der aus dieser Datencloud erstellten Daten darstellt. Doch nicht nur die zentralisierten Cloud-Computing-Kapazitäten, sondern auch die lokale Rechenleistung am Rande des Netzwerks, das sogenannte Edge Computing, müssen ausgebaut werden, um eine noch bessere Wertschöpfung aus Daten zu ermöglichen. Im Vergleich zum zentralen Cloud-Computing kann das Edge Computing Geräten eine Echtzeitanalyse lokaler Daten mit sehr geringer Latenz zur Verfügung stellen, bei gleichzeitigem Kontext-Bewusstsein und erhöhter Sicherheit und Skalierbarkeit.

Das Edge Computing ergänzt das Cloud-Computing, insbesondere in einer 5G-Netzwerkumgebung, die latenzarme Datenübertragungsraten ermöglicht. Berichten des European 5G Observatory zufolge haben Telekombetreiber in ihrem Bestreben, die 5G-Netzwerke optimal zu nutzen, bereits zahlreiche Edge-Computing-Projekte ins Leben gerufen. Dazu gehören z.B. kleine Rechenzentren, die auf Mobilfunktürmen oder in grossen Gebäuden platziert werden können, um das Dienstleistungsangebot zu erweitern, darunter sichere Drohnen-Liefernetzwerke und Marketing-Dienste, verbesserte Abrechnung und Materialhandhabung bei Selbstbedienungskassen oder die Echtzeitüberwachung von Patienten.

McKinsey & Company vermutet, dass diese neue Ära des Edge Computing in den nächsten fünf bis sieben Jahren einen Hardware-Wert in Höhe von über USD 200 Mrd. generieren könnte. Besonders attraktiv ist Edge Computing für die Bereiche Reisen, Verkehr und Logistik, globale Energieversorgung und Material, den öffentlichen Sektor, die Landwirtschaft und Versorgungsunternehmen. Es könnte zudem dabei helfen, Lösungen für die Herausforderungen in Zusammenhang mit dem Klimawandel, dem Energieverbrauch, der Wasserqualität und dem autonomen Verkehr zu entwickeln. Daher rechnen wir auch in diesem Bereich mit staatlicher Unterstützung. 

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Quelle McKinsey-Studie «What edge computing means for hardware companies» (November 2018)

Künstliche Intelligenz

Lösungen für reale Probleme

Der Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) findet nun auch Einzug in alltägliche Anwendungen. Im Rahmen der Global AI Survey von McKinsey geben 58% der Befragten an, dass ihr Unternehmen zumindest eine KI-Anwendung in einen Prozess oder ein Produkt integriert hat. 2018 lag dieser Wert noch bei 47%. Schätzungen von IDC zufolge dürften die globalen Ausgaben für KI von USD 38 Mrd. im Jahr 2018 auf USD 98 Mrd. im Jahr 2023 ansteigen. Darüber hinaus dürften die sprunghafte Zunahme der mit dem Internet der Dinge (IdD) verbundenen Geräte und die Verbreitung des Edge Computing den KI-Marktwert im Bereich Cybersicherheit laut MarketsandMarkets zwischen 2019 und 2026 von USD 8.8 Mrd. auf USD 38.2 Mrd. in die Höhe treiben.  

Grössere Technologieunternehmen spielen bei der Entwicklung der KI dank ihrer umfangreichen Kundenbasis weiterhin eine entscheidende Rolle. Die resultierende Datenflut ermöglicht es, KI-Technologien zu testen und zu verbessern. Gleichwohl tragen auch Start-up-Unternehmen zur weiteren Innovation im KI-Bereich bei. Die privaten KI-Investitionen beliefen sich 2018 auf rund USD 40 Mrd. und dürften diesen Wert 2019 übertroffen haben, so CapIQ und Crunchbase. Doch obschon das technologische Potenzial der KI mittlerweile wohlbekannt ist, stehen tatsächliche Anwendungen nach wie vor nur in einigen wenigen Bereichen zur Verfügung. Die KI-Technologie dürfte in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. KI hat spannende Innovationen zur Folge. Beispielsweise nutzten das britische Start-up-Unternehmen Exscientia und der japanische Pharmakonzern Sumitomo Dainippon Pharma KI-Algorithmen, um in nur rund zwölf Monaten ein Wirkstoffmolekül zur Behandlung von Zwangsneurosen zu entwickeln. In der Regel kann es mehr als 4.5 Jahre dauern, bis ein Arzneimittel in die Testphase gelangt. Berichten der BBC zufolge arbeitet das Unternehmen derzeit an potenziellen Medikamenten zur Behandlung von Krebs und Herzerkrankungen. Ölunternehmen setzen bei ihren Explorationsaktivitäten ebenfalls auf KI. Es bestehen zahlreiche Beispiele, in denen das wahre Potenzial der KI zum Ausdruck kommt: Die Lösung realer Probleme.

Virtual Reality

Neue Welten schaffen neue Geschäftsgelegenheiten

Die allmähliche Verbreitung von Virtual Reality (VR) in der Unterhaltungselektronik setzt sich weiter fort, was den Verbesserungen bei den Headsets im Hinblick auf Gewicht, Rechenleistung und Latenzproblemen zu verdanken ist. Bei Mixed-Reality-Headsets (bei denen virtuelle Objekte mit der realen Welt verknüpft werden) werden ebenfalls langsame, aber stetige Fortschritte erzielt. Facebook berichtete kürzlich, dass es in seinem Oculus Store am Weihnachtstag Hard- und Software für den VR-Bereich im Wert von beinahe USD 5 Mio. verkauft habe. Das deutet darauf hin, dass sich hier ein grösseres Ökosystem entwickelt. Auch die Innovationen halten an. Beispielsweise hat Panasonic Corporation kürzlich neue VR-Brillen vorgestellt, die kleiner sind als bisherige und ohne ein unbequemes Kopfband auskommen. Daher dürfte der Markt angesichts der zunehmenden Verbreitung in verschiedenen Branchen weiter wachsen.

Vr im vergleich

Quelle PwC-Bericht «Seeing is believing» (2019), Credit Suisse

Diese neuen Technologien, darunter VR, Augmented Reality (AR) und KI, sollten eher im Hinblick auf den grösseren potenziellen wirtschaftlichen Wandel als auf die kurzfristigen Auswirkungen (z.B. auf den Markt für Konsumelektronik) betrachtet werden. PwC vertritt in einem Bericht mit dem Titel «Seeing is believing» vom Dezember 2019 die Meinung, dass VR und AR die Weltwirtschaft bis 2030 um USD 1.5 Bio. beflügeln könnten. Im Vergleich dazu beläuft sich der geschätzte derzeitige Beitrag auf USD 46.4 Mrd. PwC prognostiziert, dass 2030 23 Millionen Menschen mit AR/VR arbeiten werden. 2019 lag die Zahl entsprechender Stellen bei 824’000. Die Tatsache, dass die Coronavirus-Krise Fernarbeit in vielen Bereichen erforderlich macht, dürfte diesen Trend weiter vorantreiben. Zu den Vorteilen, die diese Technologien Unternehmen bieten, zählen eine verbesserte Produktentwicklung (schnellere Schulungen, Zusammenarbeit, Tests und Simulationen von Szenarien usw.), erhöhte Sicherheit am Arbeitsplatz, niedrigere Kosten und die Entwicklung neuer Kundenerlebnisse.

Dabei gewinnt vor allem das AR-Segment zunehmend an Attraktivität. Obschon VR bislang eine stärkere Präsenz aufweist, könnte AR Angaben von PwC zufolge mit Anwendungen im Konsum wie auch im Unternehmensbereich einen doppelt so hohen Wert generieren. Apple zeigt sich begeistert von AR: CEO Tim Cook ist der Ansicht, dass die Technologie bereits in wenigen Jahren nicht mehr aus dem Alltagsleben wegzudenken sein wird. Neue Produkte des Unternehmens verfügen über Hardware, die speziell auf AR-Anwendungen ausgelegt ist. Eine Reihe von Tools, die auf der diesjährigen Apple Worldwide Developers Conference (WWDC) vorgestellt worden sind, machen die Entwicklung von ARKit-Apps so einfach wie nie zuvor.

Industrie 4.0

Roboter meistern immer mehr Aufgaben

Einem Bericht der International Federation of Robotics (IFR) zufolge kommen derzeit über 2.4 Millionen Industrieroboter in Fabriken rund um den Globus zum Einsatz. Obschon diese Zahl leicht unter der eigenen Prognose der Branchengruppe von 2.6 Millionen aus dem Jahr 2016 liegt, weist der Markt für Industrieroboter nach wie vor ein beachtliches Wachstum auf.

Doch es besteht Spielraum für weitere Anstiege: Der World Robotics Report 2020 der IFR zeigt auf, dass im verarbeitenden Gewerbe 99 Roboter auf 10’000 Arbeitskräfte (sog. Roboterdichte) entfallen. Künftig dürfte die Einführung von 5G-Netzen mit erhöhter Datenübertragungskapazität in Verbindung mit lokaler Edge-Computing-Rechenleistung viele weitere Einsatzmöglichkeiten für Roboter zur Folge haben, darunter fahrerlose Fahrzeuge sowie die Automatisierung von Prozessen im verarbeitenden Gewerbe wie auch in nichtindustriellen Segmenten. 

grosse des drohnenmarkts

Quelle Drone Industry Insights, April 2019

Drohnen erobern den Himmel

Drohnen stellen nicht länger nur ein «Spielzeug», sondern immer häufiger auch ein Geschäftsinstrument dar. Angesichts der Fortschritte bei der Software, den Kameras, den Sensoren und der Edge-Computing-Technologie rechnet Drone Industry Insights für den Drohnenmarkt mit einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum (CAGR) von 20.6% zwischen 2018 und 2024 auf USD 43 Mrd. Immer mehr Unternehmen setzen auf innovative drohnengestützte Dienstleistungen. Die Federal Aviation Administration (FAA) gibt im FAA Aerospace Forecast für die Geschäftsjahre 2019 – 2039 an, dass sich die Grösse des Marktes für kommerzielle Drohnen bis 2023 verdreifachen könnte. Unternehmen aus verschiedenen Sektoren erproben die Drohnentechnologie. Beispielsweise hat ein britischer Telekombetreiber Pläne zur Zusammenarbeit mit einem chinesischen Drohnenunternehmen zum Aufbau eines Drohnen-Liefernetzwerks in Deutschland bekanntgegeben. 

Digitale Zwillinge

Ein weiterer interessanter Bereich, der an einem Wendepunkt steht, ist der Markt für «digitale Zwillinge». Laut einer Definition von GE stellen digitale Zwillinge Softwarerepräsentationen von Vermögenswerten und Prozessen dar, die dazu genutzt werden, die Performance zu verstehen, vorherzusagen und zu optimieren, um so bessere Geschäftsergebnisse zu erzielen. Dieser reine Software-Markt dürfte einem Bericht von MarketsandMarkets aus dem letzten Jahr zufolge von USD 3.8 Mrd. im Jahr 2019 auf USD 35.8 Mrd. im Jahr 2025 anwachsen. Unternehmen greifen zunehmend auf digitale Zwillinge zurück, um die operative Effizienz zu steigern, Kosten einzusparen, die Markteinführungszeiten zu verkürzen und das Produktdesign zu verbessern.

Gesundheitstechnologie

Über den Behandlungsraum hinaus

Der Gesundheitsmarkt stellt ein immer grösseres Interessengebiet für grosse IT-Unternehmen dar, die diesbezüglich verschiedene Ansätze verfolgen. Das deutsche Softwareunternehmen SAP hat eine auf Senioren ausgerichtete Anwendung angekündigt, die Input aus verschiedenen Datenquellen in einer einzigen Dashboard-Ansicht zusammenfasst. Diese Lösung trägt dazu bei, Risiken vorherzusehen, Pflege zu organisieren, Daten mit der Familie zu teilen und älteren Menschen mehr Unabhängigkeit zu verschaffen. Ein weiteres Beispiel ist das US-Start-up Komodo Health. Es sammelt anonymisierte Daten von Patienten und Kostenträgern (Versicherer), wobei sämtliche Interaktionen zwischen Patienten und dem US-Gesundheitssystem erfasst werden. Dadurch ergeben sich Verbesserungsmöglichkeiten für das Gesundheits-Ökosystem. Andere US-Technologiekonzerne legen den Fokus auf den mHealth-Sektor (mobile Gesundheitstechnologie) sowie die Überwachung und Steuerung der persönlichen Gesundheit.

hoffnung auf gentherapien

Quelle Biomedtracker | Informa Letzter Datenpunkt: 19. Februar 2020

Dies zieht eine Explosion der persönlichen Gesundheitsdaten nach sich, die Konsumenten mit ihren Ärzten teilen können. Fortune Business Insights geht davon aus, dass der globale Markt für tragbare medizinische Geräte bis 2026 jährlich um 24.7% auf eine Grösse von USD 139.4 Mrd. anwachsen könnte (ausgehend von USD 24.6 Mrd. im Jahr 2018). Allerdings ist dieser Markt vorerst stark fragmentiert mit verschiedenen Nischensegmenten. 

Aus Anlegersicht scheint der Markt für Diagnostik und Gentherapie das interessantere Gesundheitstechnologiesegment zu sein. Dort eröffnet der Einsatz von Robotern, Big Data und KI attraktive und skalierbare Geschäftsgelegenheiten. Zwar haben bislang nur einige wenige Gentherapien eine regulatorische Zulassung erhalten. Die Zahl der in der vorklinischen Entwicklung befindlichen Projekte fällt aber hoch aus und nimmt weiter zu. Hauptnutzniesser und Treiber des Wachstums sind spezialisierte Biotech-Unternehmen und grosse Gesundheitskonzerne. Letztere nehmen bereits Anpassungen an ihren Geschäftsmodellen vor, um durch Übernahmen oder Investitionen in die eigene Forschung in die neuen Wachstumsbereiche zu expandieren. Die Corona-Krise dürfte aber auch für Telemedizinanbieter als Katalysator fungieren, da stärkere Unterstützung seitens der Regulierungsbehörden zu erwarten ist und Krankenversicherer die Kosten immer öfter übernehmen.