Silver economy

Im Mittelpunkt des Supertrends «Silver Economy – in den demografischen Wandel investieren» steht die Prognose, dass sich die Zahl der Senioren weltweit bis 2050 auf über zwei Milliarden verdoppelt. Die Alterung der Bevölkerung wird sich voraussichtlich ungeachtet der Lage der Weltwirtschaft oder politischer Ereignisse fortsetzen und dabei neue Erfordernisse in Bereichen wie Gesundheits-, Versicherungs- und Finanzierungslösungen sowie an den Konsum- und Immobilienmärkten mit sich bringen. Ein Fokus auf die Schwellenländer und insbesondere Asien ist aus unserer Sicht sinnvoll, denn zwei Drittel der neu hinzukommenden Senioren werden künftig in dieser Region leben, in der die Gesundheitsversorgung und das Angebot an öffentlichen und privaten Versicherungslösungen weiterhin unzureichend sind.

Population 60+ by 2050

Quelle Vereinte Nationen, Abteilung für wirtschaftliche und soziale Angelegenheiten, Division Bevölkerung (2019). World Population Prospects 2019, Onlineausgabe. Rev. 1, Medium Fertility Variant; Credit Suisse

Therapeutik und Geräte

Alterung angehen

Das Gesundheitswesen bleibt der am stärksten von der Alterung der Bevölkerung betroffene Sektor. Mit dem Alter steigt die Häufigkeit chronischer Erkrankungen, weshalb eine Zunahme der Seniorenbevölkerung mit einem überproportionalen Anstieg der Gesundheitsausgaben einhergeht. Laut Prognosen auf Grundlage der historischen Entwicklung werden die Gesundheitskosten weiter steigen, und das mit einer Rate, die das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um mehrere hundert Basispunkte übersteigt. Dies löst eine wichtige Debatte aus und erfordert Lösungen zur Eindämmung der Gesundheitskosten angesichts dieser demografischen Entwicklungen. Technologie kann und wird dabei eine wesentliche Rolle spielen. 

Auch der medizinische Fortschritt dürfte effektivere und kostengünstigere Heilmittel und -verfahren für altersbedingte Erkrankungen und Beschwerden hervorbringen. Im Idealfall können präventive Massnahmen dazu beitragen, Erkrankungen wie z.B. lebensstilbedingte Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu vermeiden. Ein solcher Ansatz scheint bei Krebs jedoch weniger wirksam. Auch Krebs gehört zu den häufigsten Todesursachen und hat im Jahr 2010 Angaben der Weltgesundheitsorganisation zufolge Kosten von insgesamt über USD 1.2 Bio. verursacht. Im Unterschied zu anderen Krebsrisikofaktoren wie Rauchen und ein ungesunder Lebenswandel lässt sich das Altern nicht vermeiden. Bei Technologien der nächsten Generation, darunter Antikörper-Wirkstoff-Konjugate und personalisierte Krebsimpfstoffe, werden grosse Fortschritte bei den klinischen Tests erzielt. Angesichts der prall gefüllten Onkologie-Pipeline ist es überaus wichtig, dass die Gesundheitssysteme alle Einsparpotenziale aufgrund auslaufender Patente mithilfe der Entwicklung von Generika und Biosimilars von biologischen Arzneimitteln ausschöpfen und damit finanziellen Spielraum für Innovationen schaffen. 

Ungeachtet der medizinischen Indikation, des Therapiegebietes oder der Art der Gegenmassnahmen (ob medikamentös oder durch anderweitige Behandlung) ist ein Fokus auf wertsteigernde Innovationen oder Kostenführerschaft entscheidend, da allein dadurch die Verhandlungsposition von Pharmaunternehmen in einer von steigenden Gesundheitskosten geprägten Welt gestärkt werden kann. Ein unter Letzteren besonders erfolgreiches Unternehmen ist Transasia Bio-Medicals. Durch einen starken Fokus auf die Kosten und ein tief greifendes Verständnis der lokalen Anforderungen hat es sich zum führenden Anbieter von In-vitro-Diagnostika in Indien entwickelt. Dies ermöglicht es Transasia Bio-Medicals, sein Geschäftsmodell auf andere Schwellenländer und bestimmte Industrieländer auszuweiten. 

Hospital beds, nurses, midwives

Pflege und Einrichtungen

Investitionsbedarf vorhanden 

Eine alternde Bevölkerung mit altersbedingten Beschwerden ist auf ein gezielt ausgerichtetes Angebot an Pflegeleistungen und Einrichtungen angewiesen. Ältere Menschen leben heutzutage meist gesünder und sind aktiver als frühere Generationen. Dadurch können sie länger selbstständig leben – was viele von ihnen so lange wie möglich erhalten wollen. Daraus folgt, dass das klassische Konzept des Seniorenheims den unterschiedlichen Ansprüchen der älteren Generation nicht mehr genügt. Daher kommt Bauträgern sowie Betreibern altersgerechter Wohnkonzepte, die das gesamte Spektrum der Pflegeeinrichtungen abdecken (vom betreuten Wohnen bis hin zur Intensivpflege), eine entscheidende Rolle zu. Um das Ausmass der Nachfrage und des Investitionsbedarfs abzubilden, haben wir die Zahl der Spitalbetten berechnet, die aktuell zusätzlich erforderlich wäre, um die zehn Länder mit der höchsten absoluten Zunahme an älteren Menschen auf den globalen Durchschnitt bezogen auf die Zahl der Spitalbetten pro Kopf anzuheben. Daraus ergibt sich ein theoretischer Investitionsbedarf von vier Millionen Betten. Dies entspricht dem Vierfachen der in den USA verfügbaren Spitalbetten beziehungsweise 10’000 mittelgrossen Spitälern. Zudem handelt es sich dabei lediglich um den heutigen Investitionsbedarf, der mit der auch künftig schnell fortschreitenden Alterung der Bevölkerung weiter steigen wird. Auch die Ausbildung zusätzlicher Ärzte und zusätzlichen Personals für Pflegeeinrichtungen wird ein gesundheitsökonomischer Kraftakt werden. Fortschritte in diesem Bereich werden indes dazu beitragen, die gegenwärtig erheblichen Engpässe in grossen Schwellenländern zu verringern und so einen Beitrag zur sozialen Gleichheit zu leisten.

Bei der Bereitstellung von Pflegedienstleistungen kommt auch Managed-Care-Unternehmen eine wesentliche Bedeutung zu. Sie kombinieren ihr tief greifendes Verständnis der Risikofaktoren und der Pflegelandschaft mit umfangreichen Daten historischer Pflegeverläufe und -anforderungen, um Patienten die effektivste Pflege vorzuschlagen. Managed-Care-Unternehmen können beispielsweise frühzeitig Kandidaten für eine Dialyse identifizieren und eine entsprechende Behandlung einleiten. So kann vermieden werden, dass der Patient unvermittelt im Rahmen eines teuren medizinischen Notfalls mit der Dialyse beginnen muss.

Kranken- und Lebensversicherung

Schmerzpunkt Altersvorsorge

Mit der Zahl der Senioren wächst auch der Bedarf an Finanzierungslösungen – sowohl für Lebenshaltungs- als auch für Gesundheitskosten. Letztere können, wie bereits erwähnt, trotz aller Bemühungen um Kostensenkungen im Gesundheitswesen erheblich sein. Dass die Rentensysteme vieler dieser Länder, in denen die absolute Zahl der älteren Menschen bis 2050 am stärksten zunehmen wird, nur unzureichend auf diesen Anstieg vorbereitet sind, gibt Anlass zur Sorge. Für eine Analyse ist der Melbourne Mercer Global Pension Index aufschlussreich. Er hat den Rentensystemen der meisten dieser Länder die Note C oder sogar nur D vergeben, was deutlich macht, wie unzulänglich die meisten Systeme derzeit sind. Selbst die USA bleiben offenbar hinter den Erwartungen zurück, hat ihr Rentensystem gemäss diesem Index doch nur die Note C+ erhalten. Dazu passt ein Bericht der Federal Reserve Bank of St. Louis, der zum Ergebnis gekommen ist, dass 35% der Haushalte in den USA an keinem Pensionsplan beteiligt sind. «Viele amerikanische Haushalte verfügen möglicherweise nicht über ausreichende Mittel, um auch im Ruhestand sorgenfrei leben zu können», warnen die Autoren des Berichts.

Ein Teil der Lösung dürfte darin bestehen, eine solidere Finanzierung der Rentensysteme über unpopuläre Massnahmen wie z.B. Beitrags- und Steuererhöhungen sowie eine höhere Teilnahme an Pensionsplänen sicherzustellen. Es wird jedoch immer deutlicher, dass auch der private Sektor eine Rolle spielen wird. Deshalb erscheint es einleuchtend, dass ein deutscher Versicherer 2019 eine Beteiligung an einem chinesischen Lebensversicherer erworben hat. In nächster Zeit erwarten wir weitere ähnliche Transaktionen, bei denen Unternehmen in Schwellenländern im Fokus stehen dürften. Mit einer ähnlichen Entwicklung ist angesichts der vergleichbaren Rahmenbedingungen auch bei Krankenversicherungen in Schwellenländern zu rechnen, wo Versicherungen insgesamt weiterhin wenig verbreitet sind. Hinzu kommt, dass nicht nur in den Schwellen-, sondern auch in den Industrieländern Patienten immer häufiger unerwartete Gesundheitskosten aus eigener Tasche bezahlen müssen.

Konsum der Senioren 

Kaufkräftige Konsumenten

Trotz der oben genannten Herausforderungen stellen die Senioren von heute insgesamt eine starke Konsumentengruppe dar. Ihr kommen das im Verlauf des Lebens angesammelte Vermögen sowie Erbschaften vor der Rente zugute – auch dies ist eine Folge der höheren Lebenserwartung. Von dieser erheblichen Kaufkraft der Senioren und der ihnen zur Verfügung stehenden freien Zeit könnten insbesondere der Freizeit- und der Tourismussektor profitieren, sobald die Reisebeschränkungen infolge des Coronavirus aufgehoben werden und sich die Aktivität erholt. Hersteller von Körperpflege- und Schönheitsprodukten oder Heimautomatisierung dürften ebenfalls zu den Nutzniessern gehören. Die Kosten für bestimmte medizinische Hilfsmittel und Geräte (z.B. Sehhilfen oder Hörgeräte) werden in vielen Ländern nur zu einem kleinen Teil von den Krankenkassen übernommen und machen daher einen beträchtlichen Teil der Privatausgaben aus. Daher liegt die Entscheidung für die Anschaffung solcher Produkte in erster Linie beim Kunden.