Rekapitulation der Vertragsverlängerungen auf dem Rückversicherungsmarkt zum 1. Januar 2020
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Verlängerungen der Verträge von Rückversicherungen

Der Verlängerungszyklus vom 1. Januar ist für die Renditen der Anleger von Bedeutung, da mehr als die Hälfte aller Rückversicherungsverträge in diesem Zeitraum verlängert werden. 

Besonders im Fokus stehen dabei die europäischen Versicherungsgesellschaften, ausgewählte Versicherer in den USA sowie grosse globale Versicherungskonzerne. Dieser Zyklus war geprägt von einem angespannten Retrozessionsmarkt, einem chancenreichen Rückversicherungsmarkt für katastrophenbedingte Sachschäden und einer aktiven Emissionsphase auf dem Markt für Katastrophenanleihen. Verlängerungszeiträume liefern wichtige Erkenntnisse über die Preisgestaltung, die Vertragsbedingungen, die Marktpositionierung und die Richtung zukünftiger Trends auf dem Rückversicherungsmarkt.

Der Verlängerungszyklus vom 1. Januar 2020 bot zahlreiche Möglichkeiten, Kapital zu attraktiven Konditionen zu investieren. Obwohl das verfügbare Kapital auf dem Rückversicherungsmarkt durch aufeinanderfolgende Jahre mit hohen Katastrophenschäden, die in einigen Fällen neben einer verminderten Kapazität gewisser Marktteilnehmer zur Bindung von Kapital führten, reduziert war, scheint der Rückversicherungsmarkt insgesamt stabil zu bleiben und reichlich Kapazität für Zedenten zu bieten, wenn auch gelegentlich zu erhöhten Konditionen.

Wir beobachten weiterhin einen zweigeteilten Markt, auf dem Zedenten1 mit vergangenen Schäden (mitunter deutliche) Preiserhöhungen hinnehmen müssen, während Zedenten ohne jüngere Schadenaktivität ihre Rückversicherungsverträge zu relativ stabilen Bedingungen verlängern konnten. Die Vertragsverlängerungen erfolgten besonders spät, da sich einige Verhandlungen mit Zedenten bis ins neue Jahr hineinzogen. Diese Tatsache machte deutlich, wie wichtig eine Plattform ist, die eine Teilnahme auf allen wichtigen (Rück-)Versicherungsmärkten ermöglicht.

Vorläufigen Schätzungen zufolge belaufen sich die weltweiten versicherten Katastrophenschäden im Jahr 2019 auf USD 56 Mia., was unter dem Zehnjahresdurchschnitt von USD 75 Mia. und deutlich unter dem Schadenniveau der Jahre 2017 und 2018 (dem Zweijahreszeitraum mit den bis dato höchsten Versicherungsschäden) liegt. Ein Grossteil der Katastrophen im Jahr 2019 waren regionale Ereignisse mit geringen Auswirkungen auf die breiteren Rückversicherungsmärkte. Eine Ausnahme bildeten die dicht aufeinanderfolgenden Taifune in Japan. Im September traf der Taifun Faxai die Region Tokio und verursachte Versicherungsschäden in Höhe von schätzungsweise USD 7 Mia. Knapp einen Monat nach Faxai verursachte der Taifun Hagibis in der im Südosten von Japan gelegenen Region Honshu einen geschätzten Versicherungsschaden von USD 8 Mia. Nach dem Taifun Jebi im dritten Quartal 2018 war es bereits das zweite Jahr in Folge, in dem Japan von schweren Taifunen getroffen wurde. Auch wenn die Vertragsverlängerungen vom 1. Januar keine japanischen Gegenparteien beinhalten, erwarten wir für den bevorstehenden Verlängerungszyklus in Japan am 1. April 2020 ein stabiles Wachstum der dortigen Prämien. Dabei wird es sich um eine weitere Steigerung der bereits im japanischen Verlängerungszyklus von 2019 beobachteten Prämienanstiegs handeln.

Die japanischen Taifune (vor allem Hagibis) zeigten am 1. Januar 2020 ihre grösste Wirkung auf den Retrozessionsmarkt, indem sie zusätzliches Kapital banden und das Angebot im bereits angespannten Retrozessionsmarkt weiter verringerten. Die neuen Kapitalzuflüsse waren geringer als die Schäden plus das gebundene Kapital, was zu preislich attraktiven Transaktionen mit Prämiensatzerhöhungen für schadenbehaftete Kunden führte. Am meisten legten die aggregierten Retrozessionstransaktionen2 zu, da die Schäden der vergangenen Jahre scheinbar zu einer Ermüdung der Investoren geführt hat. Viele Zedenten erhöhten ihre Selbstbehalte, um die Gesamtausgaben für Retrozessionen in etwa auf dem Niveau der Vorjahre zu halten. Dies wiederum sorgte für ein Wachstum der Margen in Bereichen, an denen wir beteiligt sind. In vielen Fällen wurden in den Verträgen bessere Bedingungen vereinbart, insbesondere dort, wo es in den Vorjahren zu Schadenereignissen gekommen war.

Die Anspannung auf dem Retrozessionsmarkt hatte zwar geringe Auswirkungen auf die Vertragsverlängerungen auf dem Rückversicherungsmarkt für katastrophenbedingte Sachschäden, aber viele Zedenten, die zum 1. Januar verlängern, haben keine Schäden aus den jüngsten Katastrophenereignissen abgetreten. Auf dem US-Rückversicherungsmarkt für katastrophenbedingte Sachschäden stagnierten die Prämiensätze oder zeigten je nach Erfahrung eine leichte Aufwärtstendenz, während sich die Preise in Europa über das Jahr hinweg insgesamt seitwärts entwickelten. Die Zedenten konnten ihre Programme mit dem auf dem Markt verfügbaren Kapital füllen.

Besonders rege war der Markt für Katastrophenanleihen zum Jahresende: Im vierten Quartal wurden Sach-Katastrophenanleihen in Höhe von USD 2,4 Mia. ausgegeben, wodurch der Gesamtwert der im Jahr 2019 ausgegebenen Sach-Katastrophenanleihen auf USD 6,2 Mia. anstieg. Angesichts dieser starken Emissionszahlen waren Transaktionen in vielen Regionen und über das gesamte Rendite-Risiko-Spektrum hinweg möglich. Zum Teil waren die Zahlen auf Rückversicherer zurückzuführen, die auf den ILS-Märkten eine Absicherung auf Indexbasis anstrebten. Die hohen Kosten für Versicherungsschutz auf dem Retrozessionsmarkt haben sicherlich zur Entscheidung dieser Zedenten beigetragen. Dieser Trend dürfte sich fortsetzen, da im ersten Quartal 2020 wahrscheinlich mehr Katastrophenanleihen mit indexbasierter Retrozessionsmöglichkeit ausgegeben werden. Angesichts der grossen Anzahl von Transaktionen, die auslaufen und wohl in den meisten Fällen verlängert werden, wird der Markt für Katastrophenanleihen nach unserer Einschätzung bis ins neue Jahr hinein aktiv bleiben.

Mit Blick auf die Zukunft rechnen wir mit weiteren Prämiensatzerhöhungen auf dem Rückversicherungsmarkt für katastrophenbedingte Sachschäden, da die bevorstehenden Verlängerungszyklen Regionen umfassen, die von den jüngsten Ereignissen stärker betroffen sind (Vertragsverlängerungen in Japan im April und Vertragsverlängerungen in den USA und Australien zur Jahresmitte). Die anhaltenden Waldbrände in Australien haben zwar ein äusserst grosses Gebiet zerstört, werden sich aber wahrscheinlich nicht so enorm auf die Rückversicherer auswirken wie einige frühere Brände, da die meisten der betroffenen Städte weniger als 10 000 Einwohner zählen. Darüber hinaus erwarten wir weiter hohe Emissionszahlen auf dem Markt für Katastrophenanleihen, da die Zedenten die Kapitalmärkte nach wie vor als zentralen Bestandteil ihres Rückversicherungsprogramms betrachten und die Rückversicherer angesichts der hohen Versicherungskosten auf dem Retrozessionsmarkt vermehrt auf den Anleihenmarkt zurückgreifen.

Quellen: Swiss Re, Artemis, Insurance Business Magazine, S&P Global