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Folgen von COVID-19 für das Thema digitale Gesundheit

Interview mit Pascal Mercier zu den aktuellen Folgen der COVID-19-Krise für das Thema Digital Health.

Was ist Ihrer Meinung nach zurzeit der grösste Vorteil des Gesundheitssektors?

Unserer Einschätzung nach erleben wir im Gesundheitssektor derzeit eine rasante technologische Disruption. Technologische Fortschritte werden in den nächsten fünf bis zehn Jahren jeden Aspekt des Gesundheitswesens verändern – von F&E (Forschung und Entwicklung) über innovative Behandlungen und Therapien bis zu Krankenhauseffizienz sowie Frühdiagnose- und Biomonitoring-Systemen, die unseren Gesundheitszustand aufrechterhalten und uns gar nicht erst erkranken lassen sollen.

Wir glauben, dass die Digitalisierung des Gesundheitswesens nach der aktuellen Pandemie ein wichtiges strukturelles Wachstumsthema bleiben wird. Die technologische Disruption des Gesundheitssektors war in den letzten zwei Jahren eine unserer stärksten Anlageüberzeugungen und ist immer noch eine unserer wichtigsten langfristigen Überzeugungen.

Was könnte nach der COVID-19-Krise anders sein?

Die Unternehmen investieren aus vielerlei Gründen allmählich in die digitale Transformation – beispielsweise, um sich veränderten Kundenbedürfnissen besser anpassen zu können, betrieblich effizienter zu arbeiten und die Gewinne zu steigern.

Die Tatsache, dass so viele Mitarbeitende derzeit wegen der COVID-19-Pandemie von zu Hause aus arbeiten müssen, wird mehr Investitionen in Cybersicherheit, Automatisierung, Online-Bildung, Telegesundheit und Telemedizin auslösen. Auf die Digitalisierung des Gesundheitswesens ausgerichtete Anlagen waren bereits vor der aktuellen Krise attraktiv, weil sie leicht zugänglich und erschwinglich sind. Die COVID-19-Krise hat sie nun nur noch interessanter gemacht. Wir halten die Krise daher für einen Wendepunkt. Digitale Technologien werden künftig schneller eingeführt werden, und die digitale Transformation vieler Sektoren wie des Gesundheitswesens wird sich beschleunigen.

So nahmen in den USA die «virtual doctor visits» von Teladoc im vergangenen Monat stark zu, nachdem das Weisse Haus Mitte März 2020 eine Ausweitung der Telegesundheitsleistungen für Medicare-Versicherte angekündigt hatte.

Wir sind nach wie vor überzeugt, dass die Digitalisierung des Gesundheitssektors nach der COVID-19-Pandemie ein wichtiges strukturelles Wachstumsthema bleiben wird.

Haben Sie wegen der aktuellen Marktvolatilität Ihre Vermögensallokation geändert?

Unser Thematic Equity Team investiert in langfristige Wachstumsthemen, die unserer Meinung nach unsere Gesellschaft in den nächsten fünf bis zehn Jahren grundlegend verändern werden. Wir achten nicht auf kurzfristige Schwankungen, sondern konzentrieren uns auf diese langfristigen Veränderungskräfte.

Wir versuchen nicht, die kurzfristige Marktentwicklung zu prognostizieren, einfach weil wir es für unmöglich halten, dabei zuverlässig richtig zu liegen. Daher bleiben wir jederzeit vollständig in Aktien investiert.

Wir schaffen Mehrwert, indem wir die langfristigen Wachstumsthemen in der Welt identifizieren und analysieren und die «Pure Player» auswählen, die von diesen Langfristthemen am meisten profitieren dürften.

Unser Anlageansatz ist eine Bottom-up-Titelauswahl auf der Basis einer gründlichen Fundamentalanalyse der besten Pure Player beim Thema digitale Gesundheit. Wir haben einen langfristigen Marktausblick über normalerweise fünf bis zehn Jahre und folgen einem disziplinierten und rationalen Portfoliokonstruktionsansatz.

Während der jüngsten Marktkorrektur hat sich unsere fundamentale Einschätzung des Themas Digital Health nicht wesentlich geändert. Wir haben aber die erhöhte Marktvolatilität für Umschichtungen genutzt. Im Allgemeinen nutzen wir Marktkorrekturen, um unser Engagement in den unserer Meinung nach überzeugendsten Ideen zu verstärken.

Unserer Erfahrung nach lassen sich die langfristigen Portfoliorenditen erheblich steigern, wenn man in schwachen Marktphasen gleichmässig und stetig kauft. Wir ermutigen unsere Anleger, ebenso langfristig und rational vorzugehen.

Können Sie uns bitte ein paar Unternehmen nennen, die sich momentan gut entwickeln?

Einige Unternehmen in unserem Fonds haben sich im Kampf gegen COVID-19 als wertvoll erwiesen.

Moderna hat als eines der ersten Unternehmen im Februar 2020 begonnen, einen Impfstoff-Kandidaten am Menschen zu testen. Das Unternehmen verwendet eine neue Technologie auf der Basis von Boten-RNA (Boten-RNA sind die Anweisungen, anhand derer Zellen alle Proteine herstellen und in verschiedene Körperteile senden).

Der Sektor Telemedizin und Telegesundheit hat auch überzeugend gezeigt, warum man in Zukunft vor dem Gang zum Arzt oder Krankenhaus lieber erst einen Telearzt oder ein Telekrankenhaus kontaktieren sollte.

Unternehmen wie Teladoc in den USA, Ping An Healthcare & Technology und Alibaba Health Information Technology in China haben sich in diesem Umfeld alle gut entwickelt, da die Anleger die Telemedizin als wichtige Dienstleistung im Falle eines Virusausbruchs und künftig auch unter normalen Umständen anerkannten.

Ein weiteres aktuelles Beispiel wäre Veeva Systems, das Cloud-basierte Lösungen für die Life-Science-Branche anbietet. In der aktuellen Pandemie dient Veeva als digitales Rückgrat seiner Kunden. Dies sind grosse Pharma- und Biotechnologieunternehmen wie Eli Lilly, die Tests, Behandlungen und potenzielle Impfstoffe für das COVID-19-Virus entwickeln. Veeva Engage ist das Relationship-Management-Programm des Unternehmens, mit dem sich Fernverbindungen zwischen Ärzten und Gesundheitsfachkräften herstellen lassen. Die Verwendung des Produkts hat sich in den letzten Wochen verzehnfacht.

Warum sollte sich die digitale Transformation des Gesundheitswesens trotzdem fortsetzen?

Die derzeit erhöhte Marktvolatilität ist hauptsächlich den gesamtwirtschaftlichen Sorgen wegen der COVID-19-Pandemie zuzuschreiben. Diese Volatilität schmälert weder die Notwendigkeit einer Lösung für die steigenden Gesundheitskosten noch die erhebliche Unterstützung durch die Politik und die Aufsichtsbehörden. Unserer Einschätzung nach hat sich an den langfristigen Triebfedern hinter dem Thema digitale Gesundheit nichts geändert.

Angesichts der vielen Herausforderungen und Unwägbarkeiten weltweit könnten viele Anlagen verschoben werden, bis sich der wirtschaftliche Ausblick klärt. Doch in der aktuellen Krise ist es klarer denn je, dass die steigenden Gesundheitskosten weltweit dringend und unverzüglich angepackt werden müssen.

Welche Risiken sind zu beachten?

Das Thema Digital Health umfasst weltweite Long-only-Aktienanlagen in innovativen börsenkotierten Unternehmen. Die Marktkapitalisierung dieser Unternehmen ist häufig relativ klein, was zu einem Beta von grösser als eins führt. Deshalb werden die Anlagen in Abschwungphasen wahrscheinlich hinter dem Markt zurückbleiben. Ziel ist es jedoch, langfristig und über einen typischen Zyklus hinweg eine Outperformance zu generieren, und zwar durch diversifizierte Investitionen innerhalb des Themas Digital Health.

Credit Suisse Asset Management (Schweiz) AG

Credit Suisse Asset Management (Schweiz) AG ist Teil des Unternehmensbereichs Asset Management der Credit Suisse Group (nachfolgend «die Credit Suisse»). Das Asset Management der Credit Suisse ist im Rahmen der Division International Wealth Management der Credit Suisse tätig und verwaltet weltweit Vermögen von über CHF 438 Mia. (per 31.12.2019). Gestützt auf die Stabilität und das Chancenspektrum der weltweiten Marktpräsenz der Credit Suisse bietet das Asset Management der Credit Suisse aktive und passive Lösungen für traditionelle und alternative Anlagen sowie ein ausgewiesenes Produkt-Know-how in der Schweiz, EMEA, APAC und Amerika.

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